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TV Kritik zu "Mayrbrit Illner": Genug gewulfft

Ein letzter würdeloser Akt, dieser Zapfenstreich für Christian Wulff. Auch der Versuch von Maybrit Illner, den gestürzten Bundespräsidenten zum Thema zu machen, war keine Glanzleistung.

Von Christoph Forsthoff

"Braune Armee Fraktion": Maybrit Illner bot den Zuschauern in ihrer Talkshow neue Perspektiven auf den Terror von rechts

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Immerhin, einen Unternehmer hatte die Redaktion dann noch aufgetrieben: Doch außer seiner persönlichen Meinung konnte dieser Hans Wall wenig Substanzielles und schon gar nichts Erhellendes zur Diskussion beitragen. Wobei eben dies leider auch ein grundsätzliches Problem der Sendung war: Kein Wunder angesichts der Tatsache, dass die Causa Wulff seit nunmehr drei Monaten in allen Facetten durch sämtliche Medien rauf und runter diskutiert worden ist und mittlerweile nicht nur (fast) jeder Kommunalpolitiker seinen Senf dazu geäußert hat, sondern auch der gern zitierte Mann und die Frau von der Straße allenthalben ihre Meinung verkünden durften. Eben ausgequetscht und ausgelutscht dieses Thema.

Von daher ist es wiederum schon eine Anerkennung wert, dass es Illner überhaupt gelang, noch einige bislang kaum diskutierte Details herauszuarbeiten. Etwa die feine Differenzierung des Juristen Joachim Wieland, dass ein ehemaliger Bundespräsident keineswegs automatisch den Ehrensold erhalte, sondern sich das Bundespräsidialamt mit dem Thema erst dann auseinandersetze, wenn dieser den Anspruch auch erhebe - was Wulff getan hat. Oder seine messerscharfe Antwort auf die Frage, ob der Rücktritt aus politischen (und damit Ehrensold-pflichtigen) Gründen erfolgt sei: "Er ist genau da zurückgetreten, wo die Staatsanwaltschaft die Aufhebung seiner Immunität beantragt hat - und das ist kein politischer Grund."

Zumindest unterhaltsamen Charakter

Ansonsten hatte der Abend zumindest unterhaltsamen Charakter - dank der Auswahl der Gäste, die nämlich alle ebenso prägnant wie pointiert zu formulieren wussten. So hielt Wolfgang Kubicki, FDP-Fraktionschef im schleswig-holsteinischen Landtag, es für völlig undenkbar "…zu sagen, der Junge solle anschließend wieder arbeiten gehen: Der Mann war Bundespräsident der Bundesrepublik". Dem widersprach nicht nur Wieland heftig ("Wir leben nicht in einer Monarchie, sondern in einer Demokratie, und da bekommt man auch hohe Staatsämter nur auf Zeit"), sondern auch Hans-Hermann Tiedje. Und der brachte auch gleich ein gutes Beispiel: Der ehemalige österreichische Bundeskanzler Alfred Gusenbauer habe ebenfalls nach knapp zwei Jahren sein Amt verloren und vor dem Nichts gestanden, erzählte der Politikberater. "Heute hat er sich ein völlig neues Leben aufgebaut - warum kann das bei Wulff nicht der Fall sein?"

Tiedje outet Renate Künast

Dass der Ex-Chefredakteur der "Bild"-Zeitung gleich noch Renate Künast als Polit-Nassauerin outete - die Fraktionschefin der Grünen gab zu, auch schon das Spitzenpolitiker-Privileg in Anspruch genommen zu haben, sich am Flughafen der Scanner-Kontrolle zu entziehen - sorgte für Schmunzler im Studio. Ebenso wie die Anmerkung des Chefs der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, künftig wie andernorts im öffentlichen Dienst auch für Bundespräsidenten "eine Probezeit von zwei Jahren einzuführen".

Genug gewulfft. Denn wie hatte Kubicki es so schön formuliert: "Dass er stil- und taktlos war und das Format nicht hatte, darüber brauchen wir uns doch gar nicht zu streiten." Womit das Thema in den Talkshows nun hoffentlich endlich ruhen möge.