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TV-Tipp 6.10.: "Die Wand": Kein Mensch, nirgends

Ganz plötzlich war die Wand da. Und ganz plötzlich muss eine Frau damit zurechtkommen, ohne jeden Menschenkontakt zu leben. Unser TV-Tipp des Tages.

"Die Wand"
20.15 Uhr, Arte
DRAMA Jetzt mach doch endlich mal was! Ich möchte die Frau auf der Leinwand anbrüllen. Da sitzt Martina Gedeck und schreibt. Schreibt ihre Lebensgeschichte auf, obwohl kein Mensch sie mehr lesen wird. Schreibt von der unsichtbaren Wand, die plötzlich aufgetaucht ist und sie in diesem Gebirge, in dieser Jagdhütte, gefangen hält. Die Frau hat sich eingerichtet in der Einsamkeit. Und das macht mich völlig wahnsinnig.

Ich habe erst vor kurzem "Die Wand" gelesen, diesen Roman von Marlen Haushofer, der bereits 1963 erschienen ist. Ich kannte die Handlung. Wusste, was grundsätzlich passiert bzw. was nicht passieren wird. Und doch habe ich gehofft, dass diese Verfilmung vielleicht Antworten bietet, die das Buch dem Leser verwehrt. Wer hat diese Wand aufgestellt? Warum? Handelt es sich um eine Naturkatastrophe? Außerirdische Invasoren? Doch der Film schweigt dazu. Natürlich.

Anti-"Under the Dome"

Denn so sehr es mich nach Aktion giert - danach, dass die Frau doch bitte Ausbruchsversuch um Ausbruchsversuch unternehmen soll; danach, dass ich mitfiebern kann, ob sie es schafft oder nicht -: darum geht es in dieser Geschichte einfach nicht. Wir sind hier eben nicht bei "Cast Away" oder "Under the Dome". Und ich tue mich schwer, damit klar zu kommen.

Nicht, weil der Film durch seine besondere Struktur langweilig wäre. Das ist er ganz und gar nicht. Regisseur Julian Pölsler gelingt das Meisterstück, bis zum Ende einen Spannungsbogen aufrechtzuerhalten, obwohl die gezeigte Handlung nur minimal ist. Es ist das Konzept der völligen Einsamkeit, das mir ganz grundsätzlich angst macht. Kein Mensch zum Reden, Diskutieren, Quatschen, Berühren, Scherzen und Streiten? Keine Ahnung, wie lange ich es aushalten würde, bevor mich der Wahnsinn packt oder ich mich selbst eine Klippe hinunter stürzen würde.

Am schlimmsten aber nagt an mir zu sehen, wie schnell sich die Frau ihrer Situation ergeben hat. Mit welcher Pragmatik sie dieses Leben, das ihr von außen aufgezwungen wurde, akzeptiert und sich von nun an dem Überleben widmet. Ja, es gibt diese Momente, in denen die Namenlose glücklich ist in ihrer kleinen Robinsonade. Momente, in denen die Schönheit der Natur ausreicht. Mir würde das nicht reichen. Eine irgendwie beunruhigende Erkenntnis. Aber wer sagt denn, dass gute Filme einen immer mit einem wohligen Gefühl zurücklassen sollen?

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor beim stern


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Die Architekten"
24.40 Uhr, MDR
DRAMA Jahrelang entwarf Architekt Brenner (Kurt Naumann) nur Wartehäuschen für Bushaltestellen. Mit fast 40 erhält er endlich den ersten Großauftrag. Sein ideenreiches Konzept für das neue Kulturzentrum wird von der SED-Obrigkeit torpediert… Erster DDR-Wendefilm. (bis 1.25)

"Alien - Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt"
20.15 Uhr, Kabel 1

SCI-FI Ein Notruf weckt die Crew der "Nostromo" aus dem Wachkoma. In einem verlassenen Raumschiff bewegt sich was… Klassiker mit der instinktsicheren Sigourney Weaver. (bis 22.40)

"Tod vor Lampedusa - Europas Sündenfall"
22.45 Uhr, ARD

REPORTAGE In Libyen, im Sudan und in Eritrea trafen Reporter von "Die Story" Menschen, deren Verwandte den Sprung nach Europa nicht geschafft haben. Ihr Film ist ein aufrüttelnder Appell. (bis 23.30)

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