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TV-Tipp 3.5: "Vergiss mein nicht!": "Inception" für Verliebte

Diesen Film sollten Sie unbedingt zu zweit auf der Couch gucken. "Vergiss mein nicht!" ist anrührend, romantisch und äußerst clever - unser TV-Tipp des Tages.

Tatsächlich Liebe? Joel Barish (Jim Carrey) und Clementine Kruczynski (Kate Winslet) in "Vergiss mein nicht!"

Tatsächlich Liebe? Joel Barish (Jim Carrey) und Clementine Kruczynski (Kate Winslet) in "Vergiss mein nicht!"

"Vergiss mein nicht!"
21.50 Uhr, Servus TV
LIEBESFILM Halt! Klicken Sie bitte noch nicht weiter! Ja, genau, Sie da vor dem Bildschirm meine ich. Geben Sie es ruhig zu: In dem Moment, als Sie das Wort "Liebesfilm" gelesen haben, ist Ihnen die Lust am Weiterlesen vergangen. Weil Sie an so eine weichgespülte Cameron-Diaz-Jennifer-Aniston-Klamotte gedacht haben. Und dann spielt auch noch Jim Carrey mit. Kann ich gut verstehen. Geht mir ja genauso. Aber diesmal ist es anders. Versprochen.

Das fängt schon mit dem Titel an. Nicht der deutsche natürlich, der schrammt so haarscharf an einem Spoiler vorbei, dass man am liebsten den Hulk auf die zuständigen Übersetzer loslassen möchten. "Eternal Sunshine of the Spotless Mind" heißt "Vergiss mein nicht!" im Original - nach einem Gedicht von Alexander Pope. Lassen Sie sich das einmal auf der Zunge zergehen. Wie poetisch, wie träumerisch das klingt. Und so gar nicht nach Jim Carrey.

Genau deswegen wäre dieses großartige Stück Kino auch fast an mir vorübergegangen. So sehr mich meine Freunde auch überzeugen wollten, dass Carrey eigentlich ein guter Schauspieler sei - Filme mit ihm hatte ich bislang wie die Pest gemieden. Dieses Rumgehampel, diese ausladende Mimik waren so gar nicht mein Fall. Und ich hasste sein Grinsen. Eine Hackfresse, als hätten Jack Nicholson und die Grinsekatze aus "Alice im Wunderland" einen Bastard gezeugt.

"Eternal Sunshine of the Spotless Mind" hat mich bekehrt. Carrey überrascht mit einem ungewohnt zurückgenommenem Spiel, das so gut (und trotzdem stellenweise noch so komisch ist), dass man ihm für alle künftige Zeiten Brachial-Comedy-Verbot erteilen möchte. Und zwischen ihm und Kate Winslet funkt es so unglaublich echt auf der Leinwand, wie ich es zuletzt bei Ethan Hawke und Julie Delpy in "Before Sunrise" erlebt habe. Im Gegensatz zu dem Linklater-Film wird der Plot aber nicht linear erzählt, sondern schlägt dermaßen viele Haken, dass man schon genau aufpassen muss, um der Handlung noch folgen zu können.

Wer das tut, wird mit einem äußerst schlau erzähltem Filmhighlight belohnt, das es tatsächlich schafft, der alten Geschichte von Frau und Mann und Liebe ein neues Kapitel hinzuzufügen.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor bei stern.de

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