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TV-Tipp 31.7.: Doku "Sex - Made in Germany": Wie Deutschland zum Sextourismusland wurde

2002 wurde die Prostitution in Deutschland legalisiert. Profitiert haben vor allem Bordellbetreiber und der Staat. Unser TV-Tipp des Tages folgt den Spuren des Geldes im Rotlichtmilieu 2.0.

Einblick ins deutsche Rotlichtmilieu des 21. Jahrhunderts: Die Prostituierte Candy Cash erzählt

Einblick ins deutsche Rotlichtmilieu des 21. Jahrhunderts: Die Prostituierte Candy Cash erzählt

"Sex - Made in Germany"
23.30 Uhr, NDR
DOKU Mittwochs ist Dessous-Tag, montags Kleidertag. "Das hat sich mittlerweile durchgesetzt. Das kommt bei den Kunden gut an", sagt Bordellbetreiber Jürgen Rudloff und lächelt in die Kamera. Nur nackt ist auf die Dauer offenbar langweilig - auch in einem FKK-Bordell. Dass Rudloff überhaupt offen vor der Kamera sitzt und nicht hinter einer Schattenwand mit verzerrter Stimme, hat er der rot-grünen Regierung zu verdanken, die 2002 die Prostitution legalisierte.

Was haben wir damals gestritten, eine Freundin und ich. Sie verurteilte die Gesetzgebung als moralische Bankrotterklärung unserer Gesellschaft, warnte davor, dass käuflicher Sex zu billiger Ramschware verkommen würde. Bei mir herrschte eher optimistischer Pragmatismus vor: Würde es nicht gerade den Prostituierten - männlich wie weiblich - besser gehen, wenn sie ihrer Tätigkeit nicht mehr im Dunkel der Illegalität nachgehen müssten?

Ein gutes Jahrzehnt später zieht diese Doku Bilanz - und je nachdem, auf welcher Seite man steht, sieht die entweder rosig oder ernüchternd aus. Die Branche boomt, Bordelle leisten sich mittlerweile Pressesprecher, die nicht mehr von Freiern sprechen, sondern von ihren "Gästen". Der Staat hält derweil die Hände auf, die Steuereinnahmen, die seit der Legalisierung in die Säcke der Kommunen fließen, sind immens. Rosig sieht es auch für die Freier aus, denen der Sprung in den ersten Arbeitsmarkt einen Preisverfall ungeahnten Ausmaßes beschert hat. Und die kommen mittlerweile von überall her: Deutschland ist zum Sextourismusland geworden, befinden die Macherinnen Sonia Kennebeck und Tina Soliman. Und sehen das äußerst kritisch.

Gerade diejenigen, die das Gesetz offiziell stärken und schützen wollte, seien "zur Ressource verkommen, die so effizient wie möglich genutzt wird". Nicht alle Frauen, die Kennebeck und Soliman in ihrer Doku zeigen, würden das Fazit wohl genauso ziehen. "Ich hätte auch woanders arbeiten können, es ist halt auch eine Kosten-Nutzen-Rechnung," hat mir Sonia Rossi, die während ihres Studiums als Prostituierte gearbeitet hatte und für die Doku interviewt wurde, einmal erzählt. Und: "Würde ist immer so ein großes Wort." Meine Freundin von damals würde ausrasten. Die Diskussion bleibt offen.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor beim stern


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Wilde Kreaturen"
20.15 Uhr, ZDFneo


KOMÖDIE Passend zum Hype um das Revival der Monty Pythons vereinigt die Komödie von 1997 das Team von "Ein Fisch namens Wanda" ein zweites Mal. Um einen ruinierten Zoo zu retten, machen sich John Cleese, Jamie Lee Curtis und Kevin Kline zum Affen. – Für Fans. (bis 21.40)

"Mea Maxima Culpa"
22.15 Uhr, Phoenix


DOKU Pater Lawrence Murphy (Foto) verging sich über Jahre an Jungen einer Gehörlosenschule in Milwaukee. Anfang der 70er machten vier von ihnen die Verbrechen publik – der erste Fall dieser Art in den USA. Alex Gibney verfolgt ihren Kampf gegen eine Kirche, die alles zu vertuschen suchte. (bis 23.55)

"Die Relativitätstheorie der Liebe"
23.00 Uhr, Eins Plus


KOMÖDIE Mit Mut zur abstrusen Verwandlung, mit Spielfreude und einem exzellenten Masken- und Garderobenteam hinter den Kulissen spielen Katja Riemann und Olli Dittrich fünf Paare, die in unterschiedlichen Stadien des Verliebtseins (fest)stecken. – Gut beobachtet, charmant gemacht. (bis 0.35)