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TV-Tipps 13.5: "Frida und die Zeit vor mir": In sieben Minuten durch ein Menschenleben

Kann man ein gesamtes Menschenleben auf sieben Minuten eindampfen? Regisseurin Meike Fehre hat ihrer Uroma ein filmisches Denkmal geschaffen. "Frida und die Zeit vor mir" ist unser TV-Tipp des Tages.

Auf Vaters Arm mit Regenschirm: Selbst Uroma Frida war einmal ein kleiner Hüpfer.

Auf Vaters Arm mit Regenschirm: Selbst Uroma Frida war einmal ein kleiner Hüpfer.

"Frida und die Zeit vor mir"
21.50 Uhr, ZDFkultur
ANIMATIONS-BIO Meine Urgroßmutter war eine liebe Frau mit zerknittertem Gesicht. Sie trug einen langen Kittel. Wenn ich sie besuchte, hielt sie stets ein Überraschungsei im Küchenschrank für mich versteckt. Und sie las mir aus meinen "Fix und Foxi"-Comics vor, weil ich selbst noch nicht lesen konnte.

Es ist seltsam, dass ich von einem Menschen, den ich so abgöttisch geliebt habe, so wenig weiß. Nicht einmal an ihren Vornamen kann ich mich mehr erinnern, sie war einfach immer nur Omi. Und das reichte völlig aus. Aber nun, über zwanzig Jahre nachdem Omi friedlich eingeschlummert ist, frage ich mich manchmal doch: Wie war es, auf einem kleinen Dorf im Osnabrücker Land großzuwerden, zu einer Zeit, als Deutschland noch von einem Kaiser regiert wurde? War meine Omi schon immer in ihren Mann verliebt gewesen, oder gab es da andere? Und wie sehr hatten die großen zeitgeschichtlichen Ereignisse, die beiden Weltkriege, der Kalte Krieg oder die Studentenbewegung, ihre Lebenspläne durcheinander gewürfelt?

Im Gegensatz zu mir hat Meike Fehre, die Schöpferin des Kurzfilms "Frida und die Zeit vor mir" ihre Urgroßmutter nie kennengelernt. Frida starb 1974, in jenem Jahr, in dem ihre Urenkelin geboren wurde. Doch jeder in ihrer Familie kennt folgende Geschichte über Frida: Jede Straße überquerte sie mit aufgespanntem Regenschirm. Weil es noch keine Zebrastreifen gab und die junge Dame so keck ihren Anspruch auf Durchlass reklamierte.

Meike Fehre wollte mehr wissen, durchwühlte die Familienalben, fragte nach und erfuhr so manches über die eigene Vorfahrin, was ihr den Regenschirm hochgehen ließ: Über Fridas Vater, den Pianisten, der bei Franz Liszt lernte. Über eine unglückliche Liebe, die nicht sein durfte. Über Fridas superberühmten Brieffreund, der einst selbst die Geschicke Deutschlands lenkte.

Und dann setzte sich die Urenkelin an den Rechner und vermengte all diese Erinnerungsfetzen und Schnipsel mit der Zeitgesichte, rührte einmal um und kochte daraus eine berührende Collage. Entstanden ist ein liebevoller Kurzfilm, der Privates und Historisches frech vermischt und ganz dem Andenken an die Uromi gewidmet ist.

Obwohl schon nach sieben Minuten Schluss ist, der Erste Weltkrieg in einem Nebensatz abgehandelt wurde, und wir vom Zweiten nur erfahren, dass Dresden, Fridas langjährige Heimat, innerhalb eines Tages in Schutt und Asche gelegt wurde, glaube ich doch, diese Frau, die im selben Jahr geboren wurde, in dem Karl Marx und das letzte Quagga starben, zu kennen. Jedenfalls besser als meine eigene Uromi. Es ist wohl dringend an der Zeit, zu Hause vorbeizuschauen und in der eigenen Familiegeschichte zu wühlen - bevor es zu spät ist.

PS: Falls Sie zur TV-Ausstrahlung keine Zeit haben, können Sie sich "Frida und die Zeit vor mir" auch hier legal im Stream ansehen.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor bei stern.de


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Mit Herz und Hand"
22.25 Uhr, Super RTL
ROADMOVIE Burt hat einen Herzinfarkt hinter sich, eine klapprige 1920er Indian Scout unterm nimmermüden Arsch und einen großen Traum vor Augen. Der Rentner aus Neuseeland will in die USA, um in der Salzwüste von Utah den Geschwindigkeitsweltrekord zu brechen. - Der alte Mann und das (Salz-) Meer ist klassisches Erzählkino im hemingwayschen Stil, mit einem emotional anrührenden Anthony Hopkins. Gar nicht senil, sondern hals- und herzbrecherisch spielt er gegen sein blutiges Hannibal-Lecter-Image an: "Den Psychopathen zu mimen habe ich satt", so Sir Anthony. "Ich bin privat ein glücklicher Typ, der Burt passt zu mir." Und beide passen in diesen wunderbaren Film. (bis 0.55)

"Irdische Paradiese"
22.45 Uhr, Bayern

DOKUMENTARFILM Sie geben ihren Kürbissen Namen und finden Frieden im feuchten Gras. In zauberhaften Bildern und Interviews porträtiert Regisseurin Virpi Suutari finnische Gartenfreaks. Eine anrührende Grabung über die Kraft des Chlorophylls, Liebe und Vergänglichkeit. (bis 23.55)

Themen in diesem Artikel
Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo