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TV-Tipps 19.5: "Transfer": Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust

Kurz vor ihrem Tod erkauft sich ein reiches Upperclass-Paar ein neues Leben im Körper von zwei jungen Afrikanern. Illegaler Organhandel konsequent weitergedacht - unser TV-Tipp des Tages.

Alte Körper, junge Körper: Anna (Ingrid Andree, r.), Hermann (Hans-Michael Rehberg, l.), Sarah (Regine Nehy) und Apolain (BJ Britt) beim Picknick im Garten

Alte Körper, junge Körper: Anna (Ingrid Andree, r.), Hermann (Hans-Michael Rehberg, l.), Sarah (Regine Nehy) und Apolain (BJ Britt) beim Picknick im Garten

"Transfer - Der Traum vom ewigen Leben"
00.20 Uhr, ZDF
SCIFI-DRAMA "Gestern war ich alt und todkrank. Jetzt bin ich jung, schön und kerngesund. Und schwarz." Die Mittsiebzigerin Anna kann noch immer nicht glauben, wie perfekt ihr neuer Körper ist. Wir befinden uns in einer nahen Zukunft, irgendwo in Deutschland. Die Firma "Menzana" bietet Bewusstseinstransfers für alle an, die dem Tod ein Schnippchen schlagen wollen - und die es sich leisten können. Die frischen Körper stammen aus Afrika, ein Vertrag regelt das genaue Prozedere. Die Familie der "Körperspender" wird versorgt, für vier Stunden in der Nacht erhalten sie die Kontrolle über ihre Körper zurück.

Wer hat ihn nicht schon einmal geträumt, den Traum von der ewigen Jugend? Was wäre, wenn wir die Gebrechen des Alters tatsächlich abwerfen könnten? Und welchen Preis sind wir dafür bereit zu zahlen? In seinem zweiten Langfilm denkt der deutsche Regisseur Damir Lukacevic den Handel mit illegalen Organen konsequent weiter. Glücklicherweise hält sich "Transfer" nicht mit langatmigen wissenschaftlichen Ausführungen auf, sondern erzählt die Geschichte des alten und glücklich verheirateten Upperclass-Paares Hermann und Anna und ihrer Körperspender Apolain und Sarah sehr eng an den Figuren.

Auch wenn die Schwarz/Weiß-Metaphorik in manchen Dialogen doch ein wenig arg überspannt wird, gelingt Lukacevic das Kunststück, dass wir Anna - und vor allem Hermann - nicht für ihre Tat verabscheuen. So entspinnt sich eine spannende Was-Wäre-Wenn-Geschichte, die neben einer unverhohlenen Kritik an der Ausbeutung Afrikas durch die westliche Welt auch spannende Fragen der Identität aufwirft: Ist es wirklich nur der Geist, der unser Wesen ausmacht? Und wie lebt es sich im Alltag, wenn tatsächlich "zwei Seelen, ach! in meiner Brust wohnen"?

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor bei stern.de


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Halt auf freier Strecke"
20.15 Uhr, Arte
DRAMA Glioblastom, ein bösartiger Gehirntumor. Die Therapie baut auf drei Säulen: Operation, Chemo, Bestrahlung. Im Fall des 44-jährigen Frank (Deutscher Filmpreis für Milan Peschel) ist eine OP nicht möglich. Lebenserwartung? Monate, sagt der Arzt. Dann schweigt er. Sein Gegenüber will einfach weiterleben, im frisch bezogenen Eigenheim am Stadtrand, mit seiner Frau (Steffi Kühnert) und den Kindern (Talisa Lilli Lemke, Mika Seidel). - Die Anfangsszene wurde mit einem echten Arzt improvisiert, ein richtiges Drehbuch gab es nicht. Der Tod ist für Andreas Dresen kein "Vorwand für etwas anderes", konsequent und unerschrocken gehen hier alle Beteiligten an die Grenze. (bis 22.00)

"Die Unbestechlichen"
23.15 Uhr, NDR

POLITTHRILLER Alan J. Pakula schuf 1976 diesen mit vier Oscars prämierten Klassiker des Politkinos: Robert Redford und Dustin Hoffman verkörpern die berühmten Journalisten Woodward und Bernstein, deren Recherchen zur Watergate-Affäre den Sturz Präsident Nixons einleiteten. (bis 1.20)

"Die Katze"
23.40 Uhr, NDR

EHETRAGÖDIE Nach 25 Jahren ist ihre Liebe in Hass umgeschlagen, statt Worten fliegen Zettelchen. Nett ist Julien (Jean Gabin) nur zu einer zugelaufenen Katze. Das provoziert Clémence (Simone Signoret) noch mehr... Grandios gespielte Ehehölle nach Georges Simenon. (bis 1.05)

Themen in diesem Artikel
Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo