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Stern Logo Der TV-Tipp des Tages

TV-Tipps des Tages für den 20.2.: Ein unglaublicher Film für einen verrückten Abend

Aerobic-Wahn, Spandex, Vokuhila: Heute Abend feiert SuperRTL die Achtziger ab - und wir feiern mit: "Die unglaubliche Entführung der verrückten Mrs. Stone" ist unser TV-Tipp des Tages.

"Hände hoch, oder ich... nein, doch nicht": Ken Kessler (Judge Reinhold) und seine Frau Sandy (Helen Slater) können einfach nicht böse sein.

"Hände hoch, oder ich... nein, doch nicht": Ken Kessler (Judge Reinhold) und seine Frau Sandy (Helen Slater) können einfach nicht böse sein.

"Die unglaubliche Entführung der verrückten Mrs. Stone" 20.15 Uhr, Super RTL
GROTESKE Eine US-Produktion, die in den 80er Jahren über den großen Teich schwappte, musste damit rechnen, von den deutschen Synchronstudios etwas rauer angefasst zu werden. Mit dezentem Understatement und filigranem Wortwitz ließ sich im Jahrzehnt von Neon und Schweißband eben kein Blumentopf an den Kinokassen gewinnen. Insbesondere bei den Filmtiteln überschritten die Übersetzer ihren kreativen Rubikon gern um Kilometer. Da wurde "Airplane!" kurzerhand zu "Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug" umgemünzt, die Kifferkomödie "The Stoned Age" nannte sich plötzlich "Chicks - Total bekifft und wild auf Girls".

Ähnlich erging es auch jener Komödie, die 1986 unter dem Titel "Ruthless People" in die US-Kinos kam und nun bei SuperRTL auf dem Silbertablett der Unterhaltung präsentiert wird. Aus "Unbarmherzige Menschen" wurde kurzerhand "Die unglaubliche Entführung der verrückten Mrs. Stone" - ein Titel, der irgendwie auch viel besser zum klamaukigen Ton eines Streifens aus der Schmiede ZAZ (Zucker-Abrahams-Zucker) passt.

Das Setting ist klassisch, aber herrlich überdreht: Unternehmer Sam Stone (schleimig-fies: Danny DeVito) hat es mit Spandex-Miniröcken zu einem gewissen Reichtum gebracht und greift nun nach dem Erbe seiner Ehefrau Barbara (einfach nur wahnsinnig: Bette Middler) Doch ausgerechnet an jenem Tag, an dem Stone sie um die Ecke bringen will, wird Barbara entführt. Dumm nur, dass Stone seine Frau gar nicht wieder haben will - und die Entführer (Judge Reinhold und Helen Slater als junges Ehepaar), einfach viel zu nett sind.

Bette Middler im Aerobic-Wahn, bis unter die Achseln gezogene Stoffhosen, ein Titelsong von Mick Jagger - jede Faser dieses Bewegtbildwahnsinns atmet den Zeitgeist der Achtziger. Und zu erleben, wie Danny DeVito den fiesen Giftzwerg mimt, ist doch immer wieder schön.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor bei stern.de


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Jazz für die Russen"
22.30 Uhr, SWR/SR
KULTUR Argwöhnisch bewacht vom KGB, gastierten Benny Goodman und seine Band 1962 in der Sowjetunion. Musiker wie Joya Sherrill und Bill Crow (Bass), russische Kollegen und Aufnahmen aus zuvor nie gezeigten Amateurfilmen erinnern an Auftritte in Moskau, Leningrad, Kiew und Tiflis. (bis 23.15)

"Lido"
22.30 Uhr, Phoenix

PORTRÄT 2009 erhielt sie den Literaturnobelpreis. "Innerlich ist er bei mir nie angekommen", bekennt Herta Müller. Hier gewährt die 60-Jährige Einblick in ihr Zuhause in Berlin - und in ihre Securitate-Akte im Bukarester Archiv: Drei Ordner voll Abhöraktionen, Verleumdungskampagnen (bis 21.45)

Themen in diesem Artikel
Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo