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TV-Tipps des Tages für den 24.4.: Wenn Liebe richtig weh tut

Liebe in Rohform: Unser TV-Tipp "Liebe auf Finnisch" ist ein wunderbar schmerzhaftes Porträt über das schlimmste und schönste Gefühl in unserem Leben. Und meilenweit von allem Schmalz entfernt.

Eigentlich sind Make (Deogracias Masomi) und Iiris (Laura Birn) glücklich verliebt - wenn nur nicht Makes Schulden wären.

Eigentlich sind Make (Deogracias Masomi) und Iiris (Laura Birn) glücklich verliebt - wenn nur nicht Makes Schulden wären.

"Liebe auf Finnisch"
00.10 Uhr, Arte
LIEBESFILM Wer schon einmal der Liebe wegen in Helsinki gestrandet ist, dem sticht ein Film mit dem Titel "Liebe auf Finnisch" natürlich ins Auge. Liebe, das ist wohl die schönste Sache der Welt. Und auch die schrecklichste. Denn Liebe macht verletzlich. Ganz egal, ob es um Liebe im romantischen Sinne geht, die Liebe von Eltern zu ihren Kindern oder um die Gefühle, die wir für gute Freunde hegen.

Leider ist es gerade deshalb so schwierig, dieses janusköpfige kleine Arschloch glaubwürdig im Film darzustellen. Fast immer gleitet der Versuch in wahnsinnig kitschige Momente ab. Oder der Film verschanzt sich hinter meterdickem Panzerglas aus Ironie und Sarkasmus. Das ist zwar angenehmer anzuschauen und oft auch amüsant, weicht aber der Herausforderung aus, dem Gefühl selbst ehrlich entgegenzutreten.

Aku Louhimies Film ist weder kitschig noch sonderlich amüsant - aber der Regisseur traut sich was: Er versucht nicht mehr oder weniger, als die in ihrer rohen, unberechenbaren, widersprüchlichen Urform zu porträtieren. Dazu lernen wir im Laufe von zwei Stunden eine ganze Reihe von Personen kennen, die alle in Vuosaari, einem Stadtteil im Osten Helsinkis, leben: Das fünfjährige Mädchen, das um seine krebskranke Mutter fürchtet. Die Jugendliche, die unbedingt ein Star werden will und bereit ist, dafür alles, wirklich alles zu tun. Die russische Putzfrau, die bei einer Upperclass-Familie arbeitet und ein Verhältnis mit dem unglücklichen Ehemann hat. Der hoch verschuldete Kleinkriminelle, für den seine Freundin alles bedeutet. Und am Ende singt auch noch Robbie Williams.

Dass bei so vielen ineinander verschachtelten Handlungsfäden nicht der Überblick verloren geht, ist dem Regisseur hoch anzurechnen. Die Momente, in denen sich die Leben der Figuren überschneiden, wirken zu keiner Zeit gekünstelt. Die Gefühle, die Sehnsüchte, die Trauer und die Verzweiflung der Filmfiguren lassen den Umweg über das Hirn beiseite und treffen - ja, wirklich! - ins Herz.

Zurück bleibt die eine, die entscheidende Frage: "Wen würdest du am meisten vermissen, wenn er nicht mehr da wäre?"

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor bei stern.de


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Wolfman"
22.50 Uhr, SWR/SR
HORROR Sein Bruder ist unter ungeklärten Umständen verschwunden. Nach vielen Jahren kehrt Theaterstar Talbot (Benicio Del Toro) in die Heimat zurück. Sein Vater (Anthony Hopkins) begrüßt den verlorenen Sohn mit der bestürzenden Mitteilung, die Leiche des Bruders sei gefunden. Fürchterlich entstellt, grausam zugerichtet. Talbot begibt sich mit der schönen Gwen (Emily Blunt) auf die Suche nach dem geisterhaften Täter, wird bei einer Attacke gebissen und als das nächste Mal der Vollmond am Nachthimmel steht, hat er nicht nur auf der Zunge etwas Pelz. - Die gelungene Gruselhommage hüllt das viktorianische England in wabernde Nebel. Ein Leckerbissen für Genrefans. (bis 0.45)

"Trickfilm-Festivalnacht im Südwesten"
0.15 Uhr, SWR/SR

TRICKFILME Beim europaweit größten Trickfilmfestival messen sich vom 22. bis 27.4. in Stuttgart internationale Könner mit Filmstudenten aus Baden-Württemberg. Eine Auswahl gekürter Werke.

"Bright Star - Meine Liebe. Ewig"
22.25 Uhr, 3Sat

ROMANZE Jane Campion ("Das Piano") inszeniert die Liebe zwischen der britischen Schneiderin Fanny (Abbie Cornish) und dem 1821 jung verstorbenen Dichter John Keats (Ben Whishaw) wie eine bittersüße Ode an die Schönheit. Achtung: Für Nüchterne dauert das ewig. (bis 0.15)

Themen in diesem Artikel
Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo