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TV-Tipps des Tages für den 27.2.: Überlebenskampf nach dem Völkermord

Ron Moores "Battlestar Galactica" verfrachtet das amerikanische 9/11-Trauma ins All. Die düstere Scifi-Serie mischt gute Action mit kontroversen politischen Themen - unser TV-Tipp des Tages.

"Battlestar Galactica - Pilotfilm" 22.15 Uhr, Tele 5
Als ich hörte, dass "Kampfstern Galactica" neu aufgelegt wird, musste ich erst einmal herzhaft lachen. 1978 war die Serie im Kielwasser der allgemeinen "Star Wars"-Begeisterung produziert worden und genauso schnell wieder verschwunden. Als Trash war "Battlestar" lustig, inhaltlich aber eine Enttäuschung. Dabei versprach die Prämisse der Serie durchaus Potenzial: Die letzten Überlebenden der Menschheit suchen in den Weiten des Weltraums nach ihrem mythischen Heimatplanet, der Erde - stets verfolgt von den mörderischen Zylonen, einer Roboterrasse, die sie beinahe ausgerottet hätte.

Mein damaliger Mitbewohner überredete mich trotzdem, der Neuauflage eine Chance zu geben. Mit Edward James Olmos ("Blade Runner") hatten sie einen genialen Charakterkopf als alternden Raumschiffkommandanten gecastet - und Showrunner Ronald D. Moore galt als Drehbuchautor, der sich nicht scheute, moralische Abgründe zu erkunden.

Doch was Moore mit den holzschnittartigen Vorlagen des Originals anstellte, verschlug mir die Sprache. Schon der Pilotfilm, der heute auf Tele 5 anläuft und ursprünglich als Miniserie veröffentlicht wurde, macht unmissverständlich klar: This is not your father's "Battlestar"! Die Menschheit erlebt ihren Untergang - und nichts, aber auch gar nichts ist lustig daran. Moores Neuauflage umarmt die Düsternis der Prämisse - und liefert eine beißende Satire auf die Terrorangst der USA nach 9/11. Den leichten Humor der Vorlage tauscht das neue "Battlestar" gegen Zynismus und Ironie: Ausgerechnet Baltar, der Wissenschaftler, der die Menschheit verriet, überlebt das Gemetzel und wird als ihre letzte Hoffnung gefeiert.

Ron Moore macht "Battlestar" zu einem Experimentierkasten für anspruchsvolles und gewagtes Storytelling - im Gewand einer Abenteuerserie. Helden gibt es hier keine. Nur Überlebende, traumatisierte Menschen, ständig auf der Flucht vor jenen künstlichen Wesen, die sie einst als Diener geschaffen hatten, die rebellierten, einen Völkermord begingen - und mir trotzdem immer sympathischer wurden. Und jedes Mal, wenn ich glaubte, ja hoffte, es gehe nicht heftiger, legte Moore einen drauf: Niemand sonst hatte den Mut, seine Serienhelden kurz nach 9/11 als Selbstmordattentäter mit nachvollziehbaren Motiven zu zeigen. Ja, "Battlestar Galactica" ist eine kontroverse, nachdenkliche, hochpolitische und bisweilen sehr philosophische Serie. Und sie macht süchtig. Sagen Sie nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor bei stern.de