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TV-Tipps des Tages für den 3.3.: Der Feind in meinem Gerichtssaal

Keine DVD veröffentlicht, kein Streaming verfügbar: Heute sendet Arte einen Film, an den Sie nicht so einfach herankommen. "Der Richter, den sie Sheriff nannten" ist unser TV-Tipp des Tages.

Zu gut für diese Welt: Untersuchungsrichter Jean-Marie Fayard (Patrick Dewaere)

Zu gut für diese Welt: Untersuchungsrichter Jean-Marie Fayard (Patrick Dewaere)

"Der Richter, den sie Sheriff nannten" 20.15 Uhr, Arte
Längst sind sie Geschichte, die Tage, in denen ich der Fernsehwiederholung eines seltenen Filmklassikers entgegenfieberte. Warum sollte ich auf etwas warten, was jederzeit verfügbar ist? Praktisch jeder Streifen, der einmal als DVD veröffentlicht wurde, liegt heute nur wenige Mausklicks entfernt. Und veröffentlicht wurde so ziemlich alles: ein Jahrhundert Filmgeschichte abrufbereit in der großen Mediathek Internet, mehr oder weniger legal anzuschauen.

Beim Film, den Arte heute Abend ins Programm hebt, läuft diese Taktik ins Leere. Warum auch immer - "Der Richter, den sie Sheriff nannten" hat nie ein eigenes DVD-Release erhalten. Gleichzeitig hat sich der Streifen von 1977 im Fernsehen so rar gemacht, dass es keine digitale Version im Netz gibt, die sich ohne große Komplikationen, rechtliche Probleme oder Malwaregefahren abspielen lässt.

Dabei hätte der Rechtsthriller, den das gestrenge "Zeit"-Feuilleton 1980 als "beachtlich" bewertete, durchaus seinen Platz neben den großen Namen im französischen Filmolymp verdient. Patrick Dewaere spielt Untersuchungsrichter Jean-Marie Fayard als eine Art jungen Atticus Finch, der auf die Spur eines Verbrechens gerät, in dem hochrangige französische Politiker verstrickt sind. Fayard, genannt der "Sheriff", gehört zu jener Sorte idealistischer Männer, von denen wir hoffen, dass sie auch im wahren Leben in unseren Gerichten sitzen. Ein Mensch, der sich dem Filz und den Bestechungsversuchen der Reichen und Mächtigen nicht beugt und den Kampf des 'kleinen Mannes' gegen Goliath aufnimmt.

Dunkle, französische Geschichte

Mit "Le juge Fayard dit Le Shériff", wie der Film im Original heißt, hat Regisseur Yves Boisset ein Thema aufgegriffen, das auch 37 Jahre nach seiner Erstausstrahlung traurige Aktualität besitzt: die Korruption von Staatsdienern. Damals handelte es dem Filmemacher eine Menge Ärger ein: Denn Fayard wurde nach dem Bild des real existierenden Richters François Renaud modelliert, der 1975 unter mysteriösen Umständen ermordet wurde. Stellen in dem Film, die auf eine Beteiligung der "gaullistische Parallelpolizei" SAC und auf real existierende Politiker hindeuten, wurden anlässlich der Kinovorführung zensiert.

Aus diesem Stoff hätte leicht ein schweres Kammerspiel werden können. Doch Boisset inszeniert die Geschichte mit viel mehr Action, als man es von einer Geschichte um einen Untersuchungsrichter erwarten würde. Der ungestüme Fayard ermittelt lieber auf der Straße, setzt schon mal seine Fäuste ein. Gleich mehrere Verfolgungsjagden, ein Gefängnisausbruch und ein spektakulärer Geldtransporter-Überfall verleihen dem Drama einen Hauch "Mission Impossible". Ob Fayards Kampf gegen "die da oben" genauso unmöglich ist - das sei an dieser Stelle nicht verraten.

PS: Falls Sie sich den Film heute abend nicht anschauen können - in der Mediathek "Arte+7" ist er noch eine Woche lang online zu sehen.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor bei stern.de


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Der zweite Mann"
23.50 Uhr, ZDF
PSYCHOTHRILLER Der unerfahrene Wirtschaftsprüfer Adrian (Max Riemelt) wird befördert. Er darf die Bücher einer Privatbank begutachten. Sein Vorgänger Victor sei am Ende etwas abgedriftet, verrät Buchhalter Peter (Fabian Busch) mit verschwörerischer Miene. Auch Adrian entdeckt Ungereimtheiten, von denen in der Bank niemand etwas wissen will. Die Lage spitzt sich zu, als sich herausstellt, dass Adrians Eroberung Rebecca (Anna Drijver) zuvor Victors Geliebte war… Das ZDF lässt den Nachwuchs ran: Die Langfilmdebütanten Christopher Lenke und Philip Nauck eröffnen die vierteilige Filmreihe "Stunde des Bösen". Für Liebhaber mitternächtlicher Paranoia. (bis 0.55)

"Herr Ober!"
22.00 Uhr, Bayern

KOMÖDIE Die erste Regiearbeit von Kabarettist Gerhard Polt („Und Äktschn!“) skizziert den Aufstieg eines Hobbypoeten (Polt), der sich während einer Odyssee durch Zeitgeistbio tope von der Eckkneipe über das Persönlichkeitsseminar bis zur literarischen Talkshow schwadroniert. (bis 23.35)

Themen in diesem Artikel
Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo