Was Minderjährige online konsumieren, können Eltern oftmals kaum kontrollieren. Dass dabei vor allem die überall verfügbaren pornografischen Inhalte oft schwerwiegende Folgen haben, dokumentiert nun ein ZDF-Film zur Primetime. Die Doku unter dem Titel "Generation Porno – Was unsere Kinder online sehen" begleitet betroffene Kinder und Jugendliche, fragt nach ihren Erfahrungen mit Übersexualisierung insbesondere in den sozialen Medien und konfrontiert auch ihre Familien.
Hannah Hartwich und Marc Schlömer haben für ihren Film junge Menschen getroffen, die früh mit sexualisierten Inhalten in Berührung gekommen sind – ob freiwillig oder nicht. Sie berichten, wie ihr Alltag und Leben davon geprägt und ihre Selbstwahrnehmung und Beziehungen dadurch beeinflusst werden. Von neugierigem Interesse an dem, was nicht für Kinderaugen gedacht ist – bis hin zur Überforderung durch das Gesehene, das bis in die tiefen Strukturen der Psyche verunsichern kann. Expertinnen und Experten begleiten die oft sehr privaten und emotionalen Berichte im Film und zeichnen mit ihren Einordnungen das Bild einer von vielen Seiten herausgeforderten jungen Generation.
"Kinder und Jugendliche glauben, im Netz wäre alles erlaubt"
Zu Wort kommt etwa ein pornosüchtiger Jugendlicher, der schildert, wie die Sucht ihn einnahm und wie er sie schließlich abschütteln konnte. Ein anderer Betroffener berichtet, wie er durch die Taten pädophiler Krimineller zum Opfer von Cyber-Grooming wurde. Und eine 16-Jährige schockt ihre Eltern mit anzüglichen Nachrichten in ihren TikTok- und Instagram-Accounts, in denen fremde erwachsene Männer sie zu Treffen überreden wollen. Die Erziehungsberechtigten sind entsetzt – so wie viele andere haben sie kaum Einblick in die digitale Welt ihrer Kinder, die dank Smartphone überall und jederzeit explizite Bilder, Videos oder Nachrichten abrufen können.
Zur Realität gehört dabei auch, dass manche Minderjährige in Sachen Pornografie selbst grenzüberschreitend agieren: "Kinder und Jugendliche glauben, im Netz wäre alles erlaubt", berichtet Kriminalhauptkommissar Eric Dieden im Film: "Wir haben mittlerweile Straftäter, die acht Jahre alt sind." Welche Folgen ihr Handeln haben kann, wüssten sie demnach meist nicht. Und: "Wir bekommen dann auch sehr schnell ein sehr großes Problem mit dem Frauenbild", warnt der Experte. An den Schulen, so die ehemalige Schulleiterin und Autorin Silke Müller, sei das Thema "deutlich schlimmer als wir denken und viel massiver als wir wissen. Und das genau ist die Problematik."
"Fantasyfilme für Erwachsene"
Wie sich sozialer Anpassungsdruck und fehlende Vorbilder im Digitalen auf Kinder und Jugendliche auswirken können, ordnen in der Dokumentation Expertinnen und Experten ein, darunter etwa Sexualtherapeutin Madita Oeming, Medienpädagogin Saskia Nakari und Social-Media-Coach Thomas Hillers. Sie liefern auch Ratschläge für einen Umgang mit der herausfordernden Realität, der sich Minderjährige und ihre Eltern in diesen Zeiten stellen müssen.
Expertin Madita Oeming erklärt etwa: "Ganz oft geht es nicht darum, ins Detail zu gehen, wenn wir mit Kindern über Pornos reden. Viel wichtiger ist, das übergeordnete Wissen und zu erklären: 'Wenn dir Pornos im Internet begegnen, sind das Fantasyfilme für Erwachsene und keine Anleitung für Sex, den du später haben wirst." Wie man Jugendlichen beschreiben könne, welche Fotos in Ordnung seien, weiß Kommissar Dieden: "Sagen sie ihrem Kind Folgendes: 'Das Foto, was du gerade gemacht hast, schickst du jetzt im Kopf deiner Oma. Und im Gesicht deiner Oma kannst du dann ablesen, ob das Bild okay ist oder eben nicht.'"
Ab Dienstag, 2. Juni, ist eine längere Version der Dokumentation in drei Teilen à 30 Minuten ("Aufklärung", "Liebe" und "Verhütung") online abrufbar.
Generation Porno – Was unsere Kinder online sehen – Di. 02.06. – ZDF: 20.15 Uhr