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Deutschland: Eignungstest und Wartezeiten

In Deutschland unterliegt die Adoption von ausländischen Kindern sehr strengen Regeln - zum Schutz vor Kinderhändlern.

  • In Deutschland unterliegt eine Adoption generell strengen Richtlinien. So dürfen Erwachsene Kinder nur adoptieren, "wenn die Adoption dem Wohl des Kindes dient und zu erwarten ist, dass ein Eltern-Kind-Verhältnis entsteht". Adoptiveltern müssen mindestens 25 Jahre alt sein. Handelt es sich um ein Ehepaar, darf ein Partner jünger sein, mindestens 21. Gewünscht wird, dass der Altersunterschied zwischen Adoptiveltern und Kind nicht höher ist als 40 Jahre, weil die Eltern dem Kind "bis über die Pubertät hinaus als belastbare Bezugsperson zur Verfügung stehen" sollen. Auf ein Kind, das zur Adoption freigegeben wird, kommen zwölf Bewerberpaare.
  • Viele Eltern in spe überlegen sich deshalb, ein Kind aus dem Ausland zu adoptieren. Auch dieses Verfahren unterliegt strengen Regeln. Seit 2002 gilt in Deutschland das "Haager Übereinkommen über den Schutz von Kindern und die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der internationalen Adoption". Es legt fest, dass die Behörden im Heimatland des Kindes prüfen müssen, ob die leiblichen Eltern der Adoption zugestimmt haben und dass keine illegalen Zahlungen geflossen sind.
  • Das Abkommen schreibt auch vor, dass die Adoption eines Kindes nur mithilfe einer staatlich anerkannten Vermittlungsstelle abgewickelt werden darf. Bewerber, die sich ein Kind aus dem Ausland wünschen, müssen sich in Deutschland an eine Stelle wenden, die eine Genehmigung zur internationalen Adoptionsvermittlung hat. Das sind unter anderen: staatlich anerkannte Auslandsadoptionsvermittlungsstellen, Jugendämter mit spezieller Genehmigung oder die zentralen Adoptionsstellen der Landesjugendämter (Anschriftenliste unter www.bundeszentralregister.de).
  • Um ein Kind aus dem Ausland zu adoptieren, benötigen die Eltern in spe einen Sozialbericht, mit dem die <"Adoptionseignung" geprüft werden soll. Für die Erstellung des Berichtes sind die örtlichen Jugendämter oder die anerkannten Auslandsadoptionsvermittlungsstellen zuständig. Die Sozialarbeiter führen Gespräche mit den Bewerbern, besuchen sie zu Hause, checken Einkommensverhältnisse und Leumund. Dieses "Eignungsfeststellungsverfahren" kann Monate dauern. Wenn die Sozialarbeiter eine Adoption befürworten, schreiben sie den Bericht über die "Adoptionseignung", die "home-study".
  • Sind Bewerbung und Sozialbericht abgeschickt, kann es Monate, gar Jahre dauern, bis die Vermittlungsstelle im Ausland einen "Kindervorschlag" - also einen Bericht über ein Kind, das für eine Adoption infrage kommt - nach Deutschland schickt. Denn es gibt keine Garantie für einen "Kindervorschlag". Trifft der "Kindervorschlag" in Deutschland ein, wird er zunächst von der hiesigen Auslandsvermittlungsstelle und vom Jugendamt geprüft. Darüber hinaus wird der "Kindervorschlag" der Zentralen Adoptionsstelle vorgelegt. Erst dann wird der Bericht über das Kind an die Eltern in spe weitergeleitet und sie können entscheiden, ob sie es adoptieren wollen.
  • Von der Bewerbung bis zur Adoption können zwei bis fünf Jahre vergehen. Wickelt das Jugendamt die gesamte Adoption ab, fallen Gebühren von 2000 Euro an. Hinzu kommen Kosten für Flüge, Übersetzungen, Beglaubigungen. Die Gesamtkosten schwanken je nach Land zwischen 10 000 und 20 000 Euro.
  • Viele Adoptionswillige scheuen jedoch die langen Wartezeiten und die juristischen Hürden. Sie begeben sich deshalb in die rechtliche Grauzone sogenannter Privatadoptionen. Sie reisen ins Ausland und adoptieren ein Kind vor Ort, ohne vorher staatliche Stellen in Deutschland einzuschalten. Diese "Selbstbeschaffungsadoptionen" werden nach der Rückkehr aus dem Ausland in aller Regel von deutschen Behörden legalisiert, weil es unmenschlich wäre, das Kind zurückzuschicken. Außerdem handelt es sich bei solchen Adoptionen um gültige Rechtsgeschäfte, wenn sie nach den Richtlinien des Heimatlandes abgewickelt worden sind. Kinderhilfsorganisationen appellieren deshalb an die Bundesregierung, diese Gesetzeslücke zu schließen und bei Auslandsadoptionen strikt auf die Einhaltung internationalen Rechts zu pochen.
  • Denn die steigende Nachfrage nach Kindern aus dem Ausland ruft kriminelle Kinderhändler auf den Plan. Im Juli wurde in Hamburg der größten anerkannten Auslandsvermittlungsstelle, dem Verein ICCO, die Zulassung entzogen. Gegen den Verein wird wegen Kinderhandels und Untreue ermittelt. ICCO soll die Kinder teilweise "wie Katalogware" angeboten haben. Je jünger das Kind, desto höher der Preis.
  • 2005 wurden in Deutschland 4762 Kinder adoptiert, 547 stammten aus dem Ausland.
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