Fall Gsell Fand ein Überfall niemals statt?


Der Fall der Nürnberger Arztwitwe Tatjana Gsell wird immer mysteriöser: Ihr Anwalt hält es mittlerweile für möglich, dass der ums Leben gekommene Franz Gsell den Überfall auf sich selbst inszeniert hat.

Der nach einem Überfall ums Leben gekommene Nürnberger Schönheitschirurg Franz Gsell soll stärker in kriminelle Machenschaften verwickelt gewesen sein als bisher bekannt. "Er hat die Polizei belogen, er wollte die Versicherung betrügen", sagte Tatjana Gsells Münchner Verteidiger Florian Ufer am Dienstag. Er vermutete, dass der 76-Jährige in die Vorbereitung des Überfalls involviert war. "Wenn es denn einen Überfall gab, kann er es gewesen sein, der ihn organisiert hat", sagte er. Vor diesem Hintergrund sei er optimistisch, seine Mandantin auf freien Fuß zu bekommen.

Witwe seit anderthalb Monaten in Haft

Die 32-Jährige war im April festgenommen worden. Ihr werden gemeinschaftliche Nötigung, Körperverletzung mit Todesfolge und versuchter Versicherungsmissbrauch vorgeworfen. Sie soll Autoschieber beauftragt haben, ihren wertvollen Mercedes zu stehlen und nach Osteuropa zu bringen. Sie habe eine Prämie dafür kassieren und den Wagen zusätzlich als gestohlen melden wollen. Ein Staatsanwalt, der den Überfall überwacht haben soll und das Geld von den Räubern entgegennehmen sollte, sitzt seit anderthalb Monaten in Untersuchungshaft.

Zweifel an Überfall

Ufer bezweifelte am Dienstag allerdings, dass es überhaupt einen Überfall gab. "Gsell hat nachweislich gelogen - warum soll dann überhaupt was stimmen", fragte er. Der Fakt, dass Gsell Geld im Haus versteckt und eine nicht existente Uhr als gestohlen gemeldet habe, deute auf eine Verwicklung des "Opfers" hin. Nürnbergs Justizsprecher Bernhard Wankel wies die Mutmaßungen zurück. "Es ist richtig, dass Gsell bei seiner Vernehmung im Krankenhaus so agierte, um seine Frau zu decken", sagte Wankel. Er erinnerte jedoch daran, dass Gsell mit einer Axt schwer verletzt worden sei. "Mit der müsste er also auf sich selbst eingeschlagen haben", sagte er.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker