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Einfluss von Filmen und Serien: Hollywood feiert sich für die Homo-Ehe - zu Recht?

Die Befürworter der Homo-Ehe feierten euphorisch die Entscheidung des obersten US-Gerichts. Vor allem die Film- und Fernsehbranche Hollywoods ist sich sicher, dass sie den Weg zur Legalisierung geebnet hat.

Von Andreas Renner, Los Angeles

Homo-Ehe legal in den USA

Überall in den USA wurde am Wochenende die Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe gefeiert.

Am Freitag schickte der oberste amerikanische Gerichtshof die Befürworter der Homo-Ehe in ein Wochenende im Freudentaumel. Im "Land of the Free" dürfen gleichgeschlechtliche Paare ab sofort ohne Einschränkungen heiraten. Eine derartige Euphorie war zuletzt beim Wahlsieg von Barack Obama in 2008 zu spüren. Prominente aller Couleur twitterten was das Zeug hielt, um ihre Freude über die Entscheidung der Richter zu bekunden. Taylor Swift, Katy Perry, Lady Gaga, Justin Timberlake, John Legend, Sam Smith  - die Liste der überschwänglichen Promis ist nahezu unendlich. Und kaum ist der seit mehr als zwanzig Jahren andauernde Kampf für eine Gleichstellung homosexueller Paare gewonnen, beginnt die Diskussion darum, wer eigentlich den größten Anteil an diesem historischen Sieg hatte? In Hollywood ist man der festen Meinung: "Wir!"

Was hat "Sex and the City" damit zu tun?

Welchen Einfluss haben Film und Fernsehen auf Kinder, Kultur oder unsere Gesellschaft? Die Frage ist so alt wie das Medium selbst. Inspiriert Gewalt in Filmen die junge Generation, selbst gewalttätig zu werden? Hat die Darstellung von Schauspieler Dennis Haysbert als schwarzer Präsident David Palmer in der Erfolgsserie "24" tatsächlich dazu beigetragen, dass Barack Obama ins Weiße Haus einziehen konnte, weil die Gesellschaft so langsam an die Vorstellung eines schwarzen Präsidenten gewöhnt wurde? Und ist Hollywood der eigentliche Wegbereiter für die Homo-Ehe? "Absolut", glaubt der Programm-Chef des Bezahlsenders HBO, Michael Lombardo. "Filme und das TV haben eine immense Rolle dabei gespielt, dass wir heute da sind, wo wir sind. Schwule und Lesben wurden durch diese Medien akzeptabel in unsere Gesellschaft." Tatsächlich hatte HBO eine Vorreiterrolle: In Serien wie "Angeles in America", "Six Feet Under" oder "Sex and the City" gehörten Homosexuelle zu den Hauptfiguren der Handlung. "Vor allem das Fernsehen hat eine große Verantwortung, denn es brachte das Leben von Schwulen und Lesben direkt in die Wohnzimmer der Menschen und hat damit erreicht, dass mehr Verständnis wachsen konnte“, sagt Lombardo. 

Tom Hanks und der Oscar für "Philadelphia"

Bis in die frühen 1970er-Jahre fanden Homosexuelle so gut wie gar nicht statt im US-Fernsehen oder Kino. Die erste Studioproduktion, die sich um einen schwulen Hauptdarsteller drehte, war 1970 "The Boys in the Band" von William Friedkin. Billy Crystal war es, der 1977 den ersten offen homosexuellen Charakter in einer TV-Serie namens "Soap" spielte - und dafür von konservativen Gruppierungen reichlich Prügel bezog. Die Folge: man ließ Crystals Charakter sich selbst "heilen" und heterosexuell werden. Rock Hudsons Tod Mitte der 1980er-Jahre und die AIDS-Panik bedeuteten für viele Jahre das Ende von homosexuellen Charakteren im TV und beim Film. Bis 1993 Tom Hanks für seine Rolle als schwuler Anwalt in "Philadelphia" einen Oscar einheimste. Serien wie "Will & Grace", "Glee" oder "Modern Family" wurden auch wegen der schwulen Hauptfiguren zu Hits. Filme wie "Brokeback Mountain" transportierten die Liebe zwischen Männern auch auf die Kinoleinwand. Im Zuge der langsam wachsenden Akzeptanz wagten immer mehr Stars wie Ellen DeGeneres, Rosie O’Donnell und Neil Patrick Harris ihre sexuellen Neigungen auch öffentlich zu machen.

Keine Frage: die Darstellung von Schwulen und Lesben als "normale" Menschen beim Film und TV hatten sicher einen Anteil daran, dass die Gesellschaft Homosexuelle weniger als abartig oder gar als Gefahr betrachtet. Matt Kane, Direktor bei GLAAD: "Es gab zahlreiche Meilensteine in den vergangenen Jahrzehnten im Bereich TV und Film, die definitiv halfen, die Konversation über die Akzeptanz von Schwulen und Lesben weiter nach vorne zu bringen." Dennoch: Bei allen Bemühungen der Film- und Fernsehindustrie, die eigentlichen Aktivisten für die Gleichstellung von Homo-Paaren sitzen nicht in den Chefetagen der großen Studios in Hollywood. Sie kämpften auf den Straßen, vor Gerichten oder in ihrem privaten Umfeld für ihre Rechte. 

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