Jackson-Prozess Popstar trifft auf Richter "Gnadenlos"


Michael Jackson muss sich ab sofort vor Gericht verantworten. Schwerster Vorwurf: sexueller Missbrauch eines Minderjährigen. Höchststrafe: 29 Jahre Haft. Und das bei einem Richter, der als strenger Zuchtmeister gilt.

In der normalerweise ruhigen kalifornischen Kleinstadt Santa Maria kommt mit der Geschworenenauswahl der Prozess gegen Michael Jackson ins Rollen. Der Vorsitzende des Obergerichts, Rodney Melville, will bis Mittwoch zunächst einmal 750 Kandidaten für die Jury aufrufen: Am Montag und Dienstag jeweils 300, am Mittwoch 150. Daraus sollen die zwölf Geschworenen und acht Ersatzmitglieder ausgewählt werden - einen Monat und länger kann das nach Einschätzung von Experten dauern.

Denn es handelt sich um einen Prozess wie keinen anderen: Auf der Anklagebank sitzt der 46-jährige "King of Pop", von Millionen Fans in der Welt verehrt. Ihm wird vorgeworfen, einen krebskranken Jungen, damals 13, heute 15 Jahre alt, sexuell belästigt und Alkohol eingeflößt zu haben. Der Junge soll in den Zeugenstand gerufen werden.

Schwierige Auswahl der Geschworenen

Es wurde erwartet, dass Jackson zum Prozessbeginn erscheint. Nach der Anhörung der 750 Geschworenen-Kandidaten werden die Anwälte beider Seiten drei Tage über deren schriftlichen Antworten brüten: Diejenigen, die eine feste Meinung über den Fall erkennen lassen, werden sofort ausgeschlossen. Die, die im Pool verbleiben, werden anschließen ausführlich befragt.

Um als Geschworener ausgewählt zu werden, müssen Anklage wie Verteidigung davon überzeugt sein, dass die Person sich nicht von der bisherigen Berichterstattung und ihrem Vorwissen beeinflussen lässt und sich nur von im Gericht präsentierten Beweismaterial leiten lässt.

Ein Prozess wie kein anderer

Verteidigt wird Jackson von Thomas Mesereau, der sich in scheinbar aussichtslosen Todesstrafen-Prozessen im Süden einen Ruf erarbeitet hat. Mesereau ist alles andere als zimperlich: Den Beschuldiger und seinen Bruder hat er schon als Lügner bezeichnet, die von ihrer gierigen Mutter manipuliert worden seien.

Zimperlich ist aber auch nicht der Ankläger, der 61-jährige Staatsanwalt Thomas Sneddon. Der hatte schon einmal vor zehn Jahren versucht, Jackson wegen Kindesmissbrauchs vor Gericht zu bringen. Das scheiterte in letzter Minute daran, dass der beschuldigende Junge sich mit Jackson außergerichtlich einigte. Nach Zahlung mehrerer Millionen Dollar weigerte er sich fortan, gegen Jackson auszusagen.

Jackson hat Sneddon in einem Lied als "kalten Mann" dargestellt, der von Rachsucht getrieben wird und eine Art Hexenjagd gegen ihn veranstalte. Sneddon bat Richter Melville kürzlich, derartige Attacken zu unterbinden. Wenn die Verteidigung den Fall weiter als plumpen Versuch darstelle, einen Prominenten fertig machen zu wollen, werde er alles enthüllen, was er über den Angeklagten wisse, drohte er.

Richter "Gnadenlos"

Der 63-jähriger Richter Melville hat den Ruf eines strengen Zuchtmeisters. Verzögerungen und säumiges Verhalten lässt er nicht zu; in einem Fall hat er einem Angeklagten sogar eine Toilettenpause verweigert. Melvilles Bemühungen aber, die 1.900 Seiten lange Anklage bis zum Prozessbeginn geheim zu halten, scheiterte in diesem Monat: Auszüge erschienen auf der Enthüllungs-Webseite thesmokinggun.com und im Fernsehsender ABC.

Großes Medieninteresse

Das Medieninteresse ist gewaltig: Mehr als 1.000 Journalisten warteten am Sonntag in einer langen Warteschlange auf die Ausgabe ihrer Akkreditierungen. Unter ihnen waren auch Reporter aus Australien, Deutschland, Großbritannien, Japan, Kanada der Schweiz und Mexiko.

DPA / AP / Reuters AP DPA Reuters

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