HOME

Vom Nutzobjekt zum Stilmittel: Sie gehörte zu ihm wie der Zopf: Darum trug Karl Lagerfeld immer eine Sonnenbrille

Karl Lagerfelds Uniform bestand aus Handschuhen, hohen Kragen und seiner dunklen Sonnenbrille. Vor der Sonne sollte die ihn aber nicht schützen.

Karl Lagerfeld

So kannte man Karl Lagerfeld: Mit hohem Hemdkragen, Handschuhen und Sonnenbrille

Picture Alliance

Karl Lagerfeld ohne seine Sonnenbrille: kaum vorstellbar. Wann immer der am Dienstag verstorbene Designer in der Öffentlichkeit auftrat, trug er das dunkle Gestell wie ein Schutzschild auf der Nase.

Karl Lagerfeld: Darum trug er immer eine Sonnenbrille

Tatsächlich diente die Sonnenbrille Lagerfeld seinerzeit als modische Abgrenzung von den Menschen, die ihn umgaben. Die Gläser geschliffen, korrigierte die Brille außerdem Lagerfelds Kurzsichtigkeit. Dem bayrischen Rundfunk sagte der Designer im vergangenen Jahr: "Ich will auch den Gesichtsausdruck dem Publikum nicht zu sehr offenbaren." Und erklärte: "Wissen Sie, kurzsichtige Leute, die haben oft etwas traurige Augen, da sieht man beinahe dann aus wie ein Hund, der adoptiert werden möchte oder so etwas. Da muss man die Brille zwei, drei Stunden ablegen, damit das nicht mehr so aussieht und der mitleiderregende, nette Blick ist nun wirklich etwas, was ich nicht haben will und den Eindruck, den ich nicht geben will, denn das entspricht nicht der Realität." 

Brille als Schutzschild

Dem Magazin "ZEITmann" erklärte er außerdem mal, dass die Brille für ihn auch körperlicher Schutz sei. "Ich war mit einer Bekannten in einem Nachtklub", sagte er. "Da kam so ein Knilch, mit dem hatte sie mal ein Verhältnis gehabt. Wie der mich mit ihr sah, wollte er ihr ein Glas an den Kopf schmeißen. Er traf aber mein Auge. An dem Tag hatte ich zufällig eine Brille auf, ich bin nämlich leicht kurzsichtig. Da wurde mir bewusst, dass meine Augen das Wertvollste sind, was ich habe. Seitdem gehe ich nicht mehr ohne Brille aus dem Haus."

Karl Lagerfeld Chanel

Karl Lagerfeld mit Brille bei einer Chanel-Schau Anfang Oktober vergangenen Jahres

AFP

Seine Kurzsichtigkeit behinderte ihn schon in seiner Kindheit. Lagerfelds Mutter Elisabeth fand Brillen jedoch unansehnlich. "Kinder mit Brille sind das Hässlichste auf der Welt", soll sie mal gesagt haben. Gegen die Sonne brauchte Lagerfeld die Brille hingegen am wenigsten. Denn das Sonnenlicht mied der Hamburger bereits seit vielen Jahren. "Ich will nicht aussehen wie eine alte Schildkröte", sagte er mal. 

Zur Chanel-Schau Anfang Oktober erschien Lagerfeld - zum Erstaunen aller im Publikum - mit einer normalen Brille. Lange stand Lagerfeld damals auf dem Laufsteg, ließ sich beklatschen, winkte den Gästen. Es sollte einer seiner letzten Auftritte gewesen sein. 

Lesen Sie auch das stern-Sonderheft über das Leben und Wirken von Karl Lagerfeld, das am Samstag (23. Februar) im Handel erscheint.

Das Sonderheft ist ab Samstag auch im stern-Shop sowie in der stern-Magazin-App (iOS und Android) verfügbar.

ls
Themen in diesem Artikel