Karl Lagerfeld Möbel statt Mode


Für Karl Lagerfeld müsste der Tag 48 Stunden haben. So rastlos hantiert er zwischen Couture und Kamera, verlegt Bücher und wirbt für Warnwesten. Neuester Schauplatz seiner Kreativkünste: In Hamburg verdingt sich der Modemacher als Innendesigner privater Wohnungen.
Von Julia Mäurer

Kaiser Karl lässt auf sich warten. Der Stuhl ist schon zurechtgerückt, das Namensschild platziert, die Cola Light eingeschenkt. Allein, der Platz bleibt leer. Er sei doch nicht in der Schule, dass er pünktlich kommen müsse, scherzt Karl Lagerfeld, als er mit einer Stunde Verspätung in Hamburg eintrudelt. Wie immer elegant in schwarzweiß gekleidet, das weiß gepuderte Haar zum Zopf geflochten, die Augen hinter einer dunklen Sonnenbrille versteckt. Wie ein Schatten folgt ihm sein Assistent Sebastien Jondeau. Er und mehrere Bodyguards spalten die wartende Menge und machen Lagerfeld den Weg frei zu Podium.

Lagerfeld ist nach Hamburg gekommen, um über sein neuestes Projekt zu informieren. Im noblen Stadtteil Harvestehude, dort, wo die Villen parkähnliche Gärten besitzen und private Bootstege zur Außenalster, hält Lagerfeld Hof. Bis 2012 werden auf dem Areal Sophienterrassen fünf komfortable Stadthäuser entstehen, zwei davon soll Lagerfeld als Innendesigner gestalten. Hinzu kommt eine alte Villa, die zum Restaurant umgebaut und ebenfalls von Lagerfeld optisch verschönert werden soll. Das Investitionsvolumen für das gesamte Projekt beläuft sich auf 340 Millionen Euro. Wer zukünftig in einem echten Lagerfeld wohnen möchte, muss tief in die Tasche greifen: Die rund 500 Quadratmeter großen Residenzen kosten bis zu 15.000 Euro - pro Quadratmeter.

Lagerfeld ist ein Workaholic. Zehn Kollektionen entwirft er pro Jahr, fotografiert, verlegt Bücher, bringt CDs heraus, wirbt für Warnwesten und kreiert eine Stoffteddy nach seinem Ebenbild. Nun geht er also auch noch unter die Innendesigner. Es ist nicht das erste Mal, dass Lagerfeld Möbel gegen Mode tauscht. Anfang der Neunziger verhalf er der Berliner Luxusherberge Schlosshotel Grunewald zu neuem Glanz und in Dubai entstehen derzeit 80 luxuriöse Anwesen, bei denen Lagerfeld ebenfalls als Innendesigner zum Einsatz kommt. "Ich liebe es, Häuser zu machen. Das ist etwas, was parallel zu meinem anderen kreativen Beruf passt", so Lagerfeld, der neben seinem Hauptwohnsitz in Paris noch Wohnungen in Monaco, New York und Vermont sein Eigen nennt.

Bis vor wenigen Jahren besaß er auch ein Anwesen in Hamburg Blankenese, das er allerdings wieder verkaufte, weil er es kaum nutzte. Er brauche die Nähe zur Stadt, so Lagerfeld. Dass er sich nun an einem Projekt in seiner Geburtstadt Hamburg beteiligt, erfülle ihn mit Freude. "Auch wenn ich hier nicht lange gelebt habe, so habe ich doch das Gefühl, die Stadt auswendig zu kennen. Oft wundere ich mich selbst, wie familiär Hamburg für mich ist", sagt Lagerfeld. Vor allem der Stadtteil Harvestehude sei ihm vertraut. "Mein Vater hat hier nach dem Krieg ein Haus gebaut, meine Halbschwester hat hier gewohnt, ich bin hier zur Schule gegangen."

Wie genau die Wohnungen made by Lagerfeld aussehen sollen, kann der Designer noch nicht sagen, dafür sei es zu früh, schließlich werde erst in knapp sechs Monaten mit den für ihn relevanten Innenausstattungen begonnen. Lagerfeld, kein Freund der langen Reden, sagt daher nur knapp: "Ich werde das machen wie ich es für mich machen würde. Spitzengardinen und Tapeten werden Sie bei mir aber defintiv nicht finden." Sicher werden die Wohnungen nicht so extravagant wie seine eigenen vier Wände, das sei ja schließlich auch eine Frage des Preises, aber Qualität wird bei ihm ganz groß geschrieben. Das gilt für Möbel ebenso wie für Mode.


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