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Vorwürfe gegen Luke Mockridge "Luckyland" ist abgebrannt

Luke Mockridge schaut in die Kamera und hält die Hände nach vorne
Zuletzt saß er bei "Fame Maker" in der Jury: Luke Mockridge legt eine Fernsehpause ein.
© ProSieben
Luke Mockridge hat lange geschwiegen. In einem Video bestreitet der Comedian jetzt die Vergewaltigungsvorwürfe gegen ihn. Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen eingestellt. Und trotzdem: Seine Karriere ist in Gefahr.

"Er besitzt jenen Charme, um generationsunabhängig zu bezaubern." Oder: "So etwas nennt man einen Senkrechtstart." Aber auch: "Ständig sucht er den Dialog mit dem Publikum und glänzte mit den sich daraus ergebenden Spontan-Pointen." Diese Sätze finden sich auf der Homepage von Luke Mockridge. Der Comedian zitiert Zeitungskritiken und beweihräuchert sich selbst. Fast so, als gelte es ein bislang unbekanntes Musical zu bewerben. Die Botschaft: Mockridge ist ein Guter. Witzig, charmant, intelligent – die Wunderwaffe des deutschen Stand-up.

Doch sein "Luckyland", wie Mockridge sein Comedy-Reich nennt, ist in Gefahr. Oder wie es im Freizeitpark-Jargon heißen würde: Die Attraktion ist vorübergehend wegen Wartungsarbeiten außer Betrieb. Der "Luckyland"-Zug stotterte schon seit einigen Monaten. Mit dem Debakel im "ZDF-Fernsehgarten" fing es 2019 an. Um Werbung für seine neue Show zu machen, veräppelte Mockridge Andrea Kiewel und ihre Zuschauer. Die fand das gar nicht lustig und empörte sich vor laufender Kamera. Der erste Dämpfer in der Karriere des 32-Jährigen.

Der kleine Betriebsunfall war schon fast vergessen, da kam der Großalarm. Eine Ex-Freundin des Comedy-Stars behauptete öffentlich, es habe in der Beziehung eine versuchte Vergewaltigung gegeben. In Sozialen Medien machten die Vorwürfe die Runde. Im Zuge der MeToo-Debatte war das Urteil über Mockridge schnell gefällt – und fiel vernichtend aus. Er selbst schwieg. Auch als die Staatsanwaltschaft eine entsprechende Anzeige prüfte. Im fröhlichen "Luckyland" verstummte das Lachen.

Mockridge bestreitet alle Vorwürfe

Am Samstagabend äußerte sich Mockridge zum ersten Mal zu den Vorwürfen. Monate nach den ersten Gerüchten. Er bestreitet die Vergewaltigung und spricht von einer "toxischen Beziehung", in der er und seine Ex-Freundin sich befunden hätten. Als er die Anzeige im Briefkasten gehabt habe, sei das für ihn "unfassbar gewesen, weil es sich einfach nicht deckt mit dem, was wir zu dieser Zeit erlebt haben", sagte er. "Die versuchen einen Menschen aus mir zu machen, der ich nicht bin. Ich werde mit Sachen konfrontiert, die nie passiert sind.“ Mockridge kündigte an, eine Fernseh- und Auftrittspause bis zum Ende des Jahres einzulegen. Vorübergehend geschlossen.

Doch wird "Luckyland" im kommenden Jahr einfach so wiedereröffnen können? Comedy-Motor an und weiter geht's, so als wäre nichts gewesen? Sein Sender Sat.1 hält zu Mockridge. Man freue sich, "dass Luke Mockridge im nächsten Jahr als Künstler wieder in SAT.1 mit seinen erfolgreichen Shows und neuen Programmen zu sehen sein wird. Wir respektieren, dass er entschieden hat, dass er in diesem Jahr nicht mehr auf dem Bildschirm sein möchte", sagte Sendersprecher Christoph Körfer dem stern. Die Zuschauer könnten weniger loyal sein.

Luke Mockridge äußert sich erstmals zu Vergewaltigungsvorwürfen

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Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen gegen Mockridge eingestellt. Es habe keinen hinreichenden Tatverdacht gegen ihn gegeben. Für ihn muss die Unschuldsvermutung gelten. Doch sein Image hat unter den Vorwürfen stark gelitten. Die Liste an Männern, die wegen ähnlicher Anschuldigungen an den Pranger kamen, ist lang. Manchmal zu Recht, manchmal aber auch zu Unrecht. Jörg Kachelmann ist das wohl prominenteste Opfer falscher Anschuldigungen. Doch hat er immerhin den Vorteil, rechtskräftig von allen Vorwürfen freigesprochen worden zu sein. Den hat Mockridge nicht.

Gagverbot für Mockridge

So werden sich seine Fans und die Fernsehzuschauer ihr eigenes Urteil bilden. Oder haben es schon. Was stimmt? Wir wissen es nicht. Und werden es vielleicht nie wissen. Dass er zu den Vorwürfen lange geschwiegen hat, war ein Fehler. Die Vorverurteilung ist längst geschehen. Das Image beschädigt. Ob das gerecht oder gar gerechtfertigt ist, ist nicht mehr die Frage. Der "Luckyland"-Zug wird vorerst nur noch mit halber Geschwindigkeit fahren können. Witze über Frauen: tabu. Über Sex: tabu. Über Beziehungen: tabu. Der Comedy-Express bekommt Gagverbot.

Mockridge wird akzeptieren müssen, dass "Luckyland" längst abgebrannt ist. Der "bezaubernde Charme", von dem er auf seiner Homepage schwärmen lässt, hat plötzlich den Gruselfaktor einer Geisterbahn. Mockridge braucht einen Neustart. Mit neuen Attraktionen.


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