stern-Gespräch mit Giorgio Armani "Gelassenheit? Das wäre das Ende"


Auch vor der 500. Modenschau ist Giorgio Armani noch nervös. Altersmilde ist ein Fremdwort für ihn. An die Rente denkt er nicht. Für die Ära nach ihm hat er dennoch vorgesorgt.
Von Dirk van Versendaal und Christine Zerwes

Der 79-jährige Modeschöpfer Giorgio Armani hält nicht viel von Abgeklärtheit. Vor der Präsentation seiner neuen Kollektion gestand er dem stern, dass er vor lauter Nervosität unter Schnappatmung leide. Auch habe er einen immer wieder kehrenden Albtraum: "Das Publikum sitzt, die Lichter erlöschen, das Defilee beginnt – aber es fehlen die Kleider!" Bedauern tut er die Anspannung jedoch nicht: "Gelassenheit? Das wäre das Ende."

Von einem Ausstieg aus dem eigenen Unternehmen will der Mode-Star nach wie vor nichts wissen: "Rente, das hört sich für mich an wie eine Verzichtserklärung", sagte er dem stern. Allerdings sei alles gut organisiert: "Seit Jahren plane ich für 'die Zeit nach Armani'. Es gibt da eine Gruppe von Leuten, denen ich vertraue, die das Unternehmen ohne mich weiterführen werden, wenn nötig."

Die Deutschen? Grob, aber fair!

Seine französischen Konkurrenten hält der Mode-Star für wenigstens teilweise überschätzt: "Wenn wir von Image und den Drolligkeiten sprechen, die die Pariser Mode bietet, dann schlagen die Franzosen uns tatsächlich. Das aber ist der Presse dort zu verdanken, die einen Riesenrummel macht um eine oft untragbare Mode. An der Kasse nämlich schlägt uns Paris ganz und gar nicht."

Über die Deutschen hat Armani ein weitgehend freundliches Urteil. Er bewundert ihre Disziplin – und sieht sich ihnen sogar familiengeschichtlich verbunden: "Sie sind eine starke Nation, selbstbewusst, sie wissen um ihre Stärke. Sie spielen ein bisschen weniger fair als die Engländer und sind einen Tick gröber. Jetzt haben sie begonnen, sich besser anzuziehen, das war ja lange eine tragische Angelegenheit. Wissen Sie, ich habe weit zurück forschen lassen, und dabei erfahren, dass wir Armanis deutsch-österreichische Wurzeln haben. Irgendeiner meiner italienischen Vorfahren war wohl mal in nördlichen Breiten unterwegs."


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker