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Talkshow: Boris Becker will die richtigen Fragen stellen

Ab dem Frühjahr erhält Ex-Tennisstar Boris Becker seine eigene Talkshow im DSF. In den nächsten drei Jahren will er als Moderator neue journalistische Maßstäbe setzen.

Boris Becker will als Talkshow-Moderator neue journalistische Maßstäbe setzen. "18 Jahre hatte ich das Gefühl, nie die richtige Frage gestellt bekommen zu haben", sagte das Tennis-Idol am Dienstag in Hamburg bei der Vorstellung seines Projektes im Deutschen Sportfernsehen (DSF). Von April an will der 36-Jährige 15 Sendungen moderieren, in denen er einen prominenten Gast mit Bezug zum Sport 30 Minuten interviewt.

"Wir Sportler sehen Journalisten als Gegner. Mir gegenüber traut sich der Interviewte vielleicht etwas, denn ich weiß, wie es sich anfühlt", meinte der dreimalige Wimbledonsieger. Er räumte ein, Lampenfieber vor der ersten Sendung wie vor einem wichtigen Tennismatch zu haben. Seine Gäste, aus denen er noch ein Geheimnis macht, sollen nicht nur auf der Gewinnerseite stehen. "Ich habe viele Traumgäste. Mich interessiert nicht nur der Weltmeister, sondern viel mehr der Vize-Weltmeister. Er ist derjenige, der leiden muss."

Weniger anfassen, mehr nachbohren

Becker hat in den vergangenen drei Jahren reichlich TV-Erfahrung gesammelt. Bei verschiedenen Sendern war er als Co-Kommentator tätig. Hilfestellung für die neue Aufgabe erhält Becker von Medienprofi Friedrich Küppersbusch, der die Becker-Sendung produzieren wird. Der Journalist wurde von 1990 bis 1994 als Moderator des ARD-Magazins "ZAK" bekannt. Mit ihm wird sich Becker professionell vorbereiten, um seinen eigenen, einfühlsamen Stil zu entwickeln: "Ich werde die Gäste weniger anfassen, dafür aber sicherlich nachbohren", meinte der frühere Tennisstar in Anspielung auf die Methoden anderer Moderatoren.

Neue Chance nach einigen Rückschlägen

Das DSF hüllt sich über die Honorierung des prominenten Talkmasters in Stillschweigen. "Ehrenamtlich mache ich das nicht", flachste Becker. Nach seinem im vergangenen Herbst erschienenen Buch "Augenblick, verweile doch", das zum Bestseller wurde, betritt er wieder einmal Neuland. "Normalerweise wünsche ich mir gar keine Schlagzeilen mehr, höchstens, dass Boris Becker einen guten Job gemacht hat", sagte er und drückte damit nach einigen beruflichen und privaten Rückschlägen seine Hoffnungen aus.

Erstmals Gewinn bei DSF

Das Spartenprogramm DSF, das sich laut Geschäftsführer Rainer Hüther in den kommenden Jahren verstärkt als "Männersender" profilieren will, wird Becker auch als Co-Kommentator bei sportlichen Highlights wie Wimbledon und Fußball-Spielen einsetzen. Leisten könne man sich den Sportstar, denn erstmals in der elfjährigen Geschichte des Senders habe man ein Plus von 300.000 Euro im Hauptgeschäft Fernsehen (operativ) erwirtschaftet. Nach Steuern liegt das Gesamtergebnis nach Unternehmensangaben im Minus bei unter einer Million Euro, in 2002 hatte der Sender noch 22 Millionen Minus gemacht. Erst im Sommer hatte ein Konsortium aus KarstadtQuelle, dem früheren Metro-Manager und Becker-Freund Hans-Dieter Cleven und der Medienfirma EM.TV den Sender gekauft.

Für 2004 rechnet die Geschäftsführung mit einem Gewinn im Millionenbereich. Vor allem die Übertragung der Fußball-Bundesliga am Sonntag und die Verschlankung von 400 (2002) auf 216 Mitarbeiter habe den Sender nach vorn gebracht. Die TV-Verhandlungen zur nächsten Bundesliga-Saison warte man gelassen ab, betonte Hüther. Er kann sich auch mit dem Gedanken an ein Freitagabend-Spiel anfreunden: "Die zwei Sonntag-Partien funktionieren gut, aber wir könnten eine Begegnung auch in unsere Zweitliga-Sendung am Freitag integrieren".

Britta Körber, dpa / DPA
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