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Was macht eigentlich ...: ... Karl-Heinz Schwensen?

Der Sohn eines US-Besatzungssoldaten avancierte in Hamburg zur "Rotlichtgröße". Er war viele Jahre fester Bestandteil des Milieus - und manchmal auch der "feinen" Hamburger Society.

Herr Schwensen, wie geht's?

Zum Leidwesen vieler lasse ich es mir nie schlecht gehen.

Prima. Was machen Sie zurzeit?

Einen guten Eindruck. Ansonsten beschäftige ich mich schwerpunktmäßig mit meiner Talent- Casting-Agentur, die ich letztes Jahr an den Start gebracht habe.

Sie sind also neuerdings so was wie der Bohlen vom Hamburger Kiez?

Das hat mit Kiez nix zu tun. Wir casten bundesweit. Und wir nehmen jeden: klein, groß, dick, dünn. Für alle gibt es irgendwo und irgendwann die Möglichkeit, sich zu präsentieren. Wenn Sie einen Krimi im Altersheim drehen, brauchen Sie Komparsen ab 50.

Sie sind sicher ehrenamtlich tätig?

Leistung muss bezahlt werden. Die Leute bekommen ein Fotoshooting, werden auf unserer Homepage präsentiert, kriegen eine Sedcard. Das kostet 290 Euro, das kosten sonst 'ne Jeans und ein Paar Turnschuhe.

Und wie nennen Sie Ihren Beruf?

Kalle.

Kalle?

Genau. Kalle - taking care of business. Ich kümmere mich selbst ums Geschäft, und es gibt nichts, was ich nicht mache. Außer Kinderpornografie und Rauschgift.

Aha. Und wie wird man "Kalle"?

Geboren und leben. Ich leiste mir den Luxus, so zu sein, wie ich bin. Es ist nicht meine Aufgabe, Schubladendenken zu erfüllen. Wenn ich in ein Restaurant gehe, ist es mir egal, ob die Leute mich lieben, respektieren oder ob sie Angst haben. Wichtig ist nur, dass ich einen Tisch bekomme.

Reden wir über den Kiez. Was hat sich verändert?

Der Kiez verändert sich ständig. Als ich in den Siebzigern kam, hatte ich kein Interesse, ein Hippodrom weiterzubetreiben, wo die Leute so lange auf dem Esel reiten konnten, bis sie runterfielen. In den Fünfzigern war das das Unterhaltungsding! So verändert sich der Kiez.

Ist es härter geworden, brutaler?

Nee. Überhaupt nicht. Wenn Sie sehen, wie viele Zigtausend Leute da jedes Wochenende bummeln und wie wenig passiert - da ist es in Hamburgs feinem Blankenese viel gefährlicher als auf der Reeperbahn. Fakt ist nur: Wir haben heute eine ganz andere Medienlandschaft. Wenn Sie früher nicht um acht vor dem Fernseher saßen, wussten Sie nicht, was in der Welt passiert. Heute wird schon der Versuch eines Überfalls auf einen Lottoladen in den Nachrichten gebracht.

Halten Sie sich eigentlich für ein Vorbild für kleine Kinder?

Das kann ich nun wirklich nicht beurteilen. Ich weiß aber, dass ich komischerweise eine Menge positiven Einfluss bei Jugendlichen habe. Wenn die sehen, dass jemand wie ich nicht trinkt, nicht raucht, keine Drogen nimmt, finden sie das nicht mehr uncool.

Haben Sie noch Pläne, Ziele?

Die Pläne sind groß und mannigfaltig. Ich setze mich zum Beispiel ernsthaft damit auseinander, ein Haus zu bauen, in dem ich direkt von der Garage in die Küche gehen kann. Allerdings wird das Haus nicht hier sein, sondern auf dem Mars, verstehen Sie? Und wenn ich da dann ein paar Tage unterwegs bin, möchte ich anschließend gleich in die Küche und ein Sandwich essen.

Selbstverständlich. Man wird ja auch nicht jünger.

Das ist nicht mal gesagt! Ich zum Beispiel sage: Sterben ist out. Das ist nur noch was für Loser. Es gibt keinen Grund mehr zu sterben, solange man keinen Raubbau am eigenen Körper betreibt.

Apropos. Was machen die Narben?

Och, andere haben Tätowierungen, ich habe halt Narben. Frauen finden Narben schön. Auch wenn es nicht meine Aufgabe ist, schön zu sein.

Interview: Christoph Wirtz / print
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