WAS MACHT EIGENTLICH... Günther Sigl

Dem Sänger und seiner bayerischen Band Spider Murphy Gang gelang in der Blüte der Neuen Deutschen Welle mit »Skandal im Sperrbezirk« einer der Top-Hits des Jahres 1982.

Dem Sänger und seiner bayerischen Band Spider Murphy Gang gelang in der Blüte der Neuen Deutschen Welle mit »Skandal im Sperrbezirk« einer der Top-Hits des Jahres 1982.

Zur Person:

Sigl lebt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in München. Der gelernte Bankkaufmann gründete 1977 die Gang, die mit ihrem Rock'n'Roll in bayerischer Mundart im Süden der Republik zur Kultband avancierte. Der landesweite Durchbruch kam 1982 mit dem Hit »Skandal im Sperrbezirk«. Weitere Erfolge wie »Schickeria«, »Wo bist du« und »Ich schau dich an« folgten. Der 54-jährige Günther Sigl und Gitarrist Gerhard »Barny Murphy« Gmell sind als einzige von der Urbesetzung der Gruppe übrig geblieben.

Man hört die Spider Murphy Gang kaum noch. Trotzdem behauptet Ihr Manager, Sie würden so viel verdienen wie nie.

Das ist ja wohl auch das Wichtigste! Nein, im Ernst: Wir haben 75 Konzerte im vorigen Jahr gegeben. Vielleicht werden wir etwas vergessen, weil unser Schwerpunkt im bayerischen Raum liegt. Und wir haben eben keine Hits mehr.

Zu faul, was Neues zu schreiben?

Ich arbeite gerade an Songs für unser 25-jähriges Bandjubiläum nächstes Jahr. Das Gute ist, niemand erwartet mehr was von uns. Wir können jetzt machen, was wir wollen.

Haben Sie was falsch gemacht, dass Sie es nicht mehr in die Charts schaffen?

Sicher. Bei der Produktion von Songs hätten wir uns mehr Zeit nehmen müssen. Wir ließen uns unter Druck setzen, jährlich eine neue Platte rauszubringen. Außerdem sind wir eine Live-Band. Für mich ist es auch ein Erfolg, wenn ich in einem kleinen Club vor 200 Leuten spiele, und es war ein schöner Abend.

Aber damit wird man doch nicht reich.

Wir treten oft bei Firmenfeiern auf. Manchmal lädt uns auch der FC Bayern ein. Bei der Meisterfeier haben wir gespielt und in Mailand zum Champions-League-Finale. Außerdem werden wir für Rock 'n' Roll-Feten genauso gebucht wie für Neue- Deutsche-Welle-Partys. Die Spiders kann man wohl nicht ganz einordnen. Wir haben damals als bayerische Rock 'n' Roll-Band angefangen und sind zufällig in die Neue-Deutsche-Welle-Phase gerutscht.

Mit Erfolg. Sind Sie da nicht ausgeflippt?

Ich war ja schon 35. Wäre der Erfolg mit 20 gekommen, hätte das vielleicht anders ausgeschaut. Meine Kollegen haben damals über mich gelästert, weil ich mich nicht von meinem alten Renault 9 trennen wollte. Erst 89 bin ich dann auf einen BMW umgestiegen, weil ich einen günstigen Leasingvertrag angeboten bekam.

Die Spider Murphy Gang wird heute nur noch zwischen Schlagern und Volksmusik gespielt. Gefällt Ihnen das?

Ist mir inzwischen egal. Aber in den Achtzigern haben wir mit unserer Plattenfirma einen harten Kampf ausgefochten, weil wir nicht in der Hitparade auftreten wollten. Wir verstanden uns ja nicht als Schlagerband. Erst als der Plattenboss uns bekniete, sind wir hingefahren. »Skandal im Sperrbezirk« wollte man da übrigens gar nicht hören. Das war denen zu hart, und in Bayern stand es auf dem Index.

Eigentlich war das doch eher seichte Kost.

Wir wollten mit »Skandal im Sperrbezirk« schon sozialkritisch sein. Der Text prangert die Doppelmoral an. Aber 1982 war das dann auf einmal der Faschingshit. Ja mei, was willst da machen?

In dem Lied gibt es eine Telefonnummer: »Unter 32168 herrscht Konjunktur die ganze Nacht...«

Eine fiktive Nummer, die ich in München überprüft hatte. Dass das Lied dann bundesweit so ein Erfolg wurde, konnte ich nicht ahnen. In kleineren Orten hatten natürlich viele diese fünfstellige Nummer. Da haben sich dann einige Jugendliche einen Spaß erlaubt: »Jetzt rufen wir mal die Rosi an.« Im Rheinland traf es eine Dame im Seniorenheim. Wir haben ihr dann Blumen geschickt und die Kosten für die Nummernänderung übernommen.

Spielen Sie noch in der alten Besetzung?

Nur noch Barny Murphy, unser Gitarrist, und ich sind dabei.

Wollen Sie mit der Band alt werden?

Ich kann mir schon vorstellen, mit den Spiders noch 20 Jahre unterwegs zu sein - solange es kein Gequäle wird. Ich muss ja nicht mehr meine Miete damit verdienen.

Interview: Susanne Schormann


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