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London Fashion Week: Mehr als Mode

Begeistert hat das Publikum die Kreationen der Designer auf der London Fashion Week beklatscht. Dies lag wohl mehr an den pompösen Shows als an den Kreationen - denn tragbar waren die meisten nicht.

Bei der Londoner Fashion Week geht es nicht nur um Mode, sondern auch um Schau. So warteten sowohl Robert Cary-Williams als auch Michiko Koshino am Dienstagabend mit einer filmreifen Inszenierung ihrer Kollektionen auf. Das Publikum zeigte sich begeistert, auch wenn die Entwürfe der Modeschöpfer nicht unbedingt tragbar sind.

Inspiration aus dem Tierreich

Schon zur Eröffnung der Schau von Michiko Koshino brandete Beifall auf. Ein Model präsentierte einen ausladenden, knielangen Tellerrock mit einem Durchmesser so breit wie der Laufsteg. Auch die anderen Entwürfe von Koshino waren überdimensional, extravagant und erinnerten - was Farben und Materialien angeht - an das Tierreich. Zu den Stammkunden der Designerin zählen unter anderem Gwen Stefani, David Bowie und David Beckham.

Dann wurde es richtig winterlich. Riesige, kugelrunde Pelzmützen wippten bei jedem Schritt der Models mit. Knielange, mehrlagige Baumwollröcke in Beige- und Brauntönen bauschten sich auf. Capes, Tops und Röcke waren mit Pelz, Baumwollzotteln oder -schleppen versehen, die an Flokatiteppiche erinnerten. Einen Kontrast zu den üppigen Stoffmengen um Kopf und Beine bildete häufig ein freier Bauch und Oberkörper. Bisweilen blieb zwischen dem Ausschnitt, der bis unter den Bauchnabel reichte, und einem Rockschlitz, der sich bis zur Hüfte hochzog, gerade eben noch Platz für einen Gürtel.

Die Schlagzeilen der Boulevard-Zeitungen

Auf Überraschungseffekte setzte auch der für seine Experimentierfreude bekannte Robert Cary-Williams. Er schickte seine Models in mit Schlagzeilen aus Zeitungen überzogenen Kleidern über einen gepflasterten Laufsteg. Bei den Modebotschaften ging es um Boulevard-Themen wie die umstrittene Affäre des Supermodels Kate Moss mit dem Rocker Pete Doherty oder Prinz Harrys Nazi-Kostüm (´"God Save the Queen from the Prince of Fools" - "Gott schütze die Königin vor dem Prinz der Narren").

Jasper Conran berief sich auf das, was ihm am besten liegt: Klassische, aber moderne Frauenmode mit kleinen Raffinessen. Dank schlichter Schnitte und begrenzter, von Schwarz dominierter Farbpalette, kamen seine Hosenanzüge, Kostüme und Abendkleider sehr edel und zugleich tragbar daher. So schickte er Naomi Campbell in einer schwarzen Federjacke mit schwarzem rückenfreien Jerseykleid, das im Nacken gebunden wurde, auf den Laufsteg.

Laura Sunder-Plassmann/DPA / DPA
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