Miuccia Prada im Portrait Dezente Zweiflerin


Modemacherin Miuccia Prada hat das heutige Modeverständnis grundlegend gewandelt und die "Neue Lady" auf den Laufsteg gehoben. Trotzdem zweifelt sie an ihrem Berufsstand.

Für den Winter sieht Modeschöpferin Miuccia Prada Schwarz. Und wenn die Trendsetterin so stark eine Farbe propagiert wie jüngst in ihrer fast komplett in Schwarz gehaltenen Damenkollektion für Herbst/Winter 2005/2006, dann folgt ihr die Modewelt. Vieles spricht dafür, dass die 1950 geborene Mailänderin die einflussreichste Designerin unserer Zeit ist. Das "Time"-Magazin aus den USA kürte sie jedenfalls im vergangenen April zu einer der "100 wichtigsten Personen der Welt".

Das Haus Prada hat vor drei Saisons die 50er Jahre in Mode gebracht, sie hat die "Neue Lady" auf den Laufsteg gehoben und die zur Zeit kursierende Liebe zur Exotik mit entfacht. Doch mehr noch: Durch sie hat sich das heutige Modeverständnis grundlegend gewandelt. Ohne Prada würde man wahrscheinlich weniger mutig Schräges mit Korrektem mischen, "unpassende" Farben kombinieren oder Kunststoff so tragen, als handele es sich um Seide. "Jeder, der einmal in eines der 165 Prada-Geschäfte gegangen ist, deren Wände allesamt in den gleichen Mint-Nuancen gestrichen sind, muss anerkennen, dass sie die Art, in der viele Leute über Kleider denken, verändert hat", schrieb der "New Yorker".

Den eigenen Berufsstand für "dumm" erklärt

Dabei hat die Modemacherin nichts von einem Superstar. Miuccia Prada ist eine Zweiflerin, die manchmal den eigenen Berufsstand für "dumm" erklärt. Neben exzentrischen Kollegen wie John Galliano mutet sie geradezu dezent an. Dabei trägt sie auch mal einen limettengrünen Rock zum lilafarbenen Oberteil und schwarzen Socken. Doch stets wirkt die Italienerin mit der aristokratischen Nase und den Antik-Ohrringen unter langem Haar stilvoll und formvollendet. Sie beherrscht es, Dinge zu mixen, die auf den ersten Blick nicht zusammengehören.

Pradas Kindheit war vom Umgang mit edlen Materialien und schönen Dingen geprägt. Sie stammt aus einer Lederwaren-Dynastie und wurde von ihrer eleganten Mutter relativ streng erzogen. Als sie erwachsen war, brach sie aus, studierte Politische Wissenschaften, trat in die Kommunistische Partei Italiens ein und verteilte - in Yves Saint Laurent gekleidet - Flugblätter. Nach der Promotion 1970 ging sie zum Theater. Doch dann beugte sie sich dem Willen der Familie und trat ins elterliche Geschäft ein.

Ein überzeugter Mann steht hinter der sensiblen Frau

Die Begegnung mit ihrem späteren Ehemann und Geschäftspartner Patrizio Bertelli 1978 auf einer Lederwarenmesse legte den Grundstein für den späteren Erfolg des Labels. Bertelli gilt als Macho und Macher. Er überzeugte die sensible Miuccia davon, Mode zu kreieren und entwickelte die feine Lederwarenmarke zum globalen Lifestyle-Label. Legendär wurden der Prada-Rucksack aus schwarzem Nylon, ein "Must-Have" der frühen 90er Jahre, und Pradas "Tapetenkleider" 1995 - Entwürfe, die an alte Duschvorhänge und Wandbekleidung erinnerten und trotzdem superschick wirkten.

Heute gleicht das Mailänder Unternehmen einem Imperium, und der Name der Marke ist, ob in Buchtiteln oder Ausdrücken wie "Pradaismus", viel variiert. Sogar in der Kunstszene hat "Prada" einen Klang. Miuccia gilt als eine der bedeutendsten Kunstsammlerinnen der Welt. Allerdings: Der Versuch Bertellis, aus Prada einen großen Luxuskonzern durch den Zukauf anderer Modehäuser zu machen, wurde bislang nicht von Erfolg gekrönt. Marken wie Jil Sander oder Helmut Lang ziehen die Bilanz nach unten, während Prada selbst sehr gut verkauft. Miuccia Pradas Image schadet dies allerdings wenig. Sie bleibt - wie eine Zeitschrift sie nannte - "The Designer", die moderne Designerin schlechthin.

DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker