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PARISER PRET-A-PORTER: Lebenslust und Bohème erobern den Pariser Laufsteg

Bürgertum und die antibürgerliche Kunstwelt der Bohème scheinen sich auszuschließen. Doch der Bohème-Chic erobert bei den Pariser Kollektionsschauen nun die hochpreisige Welt der Designermode.

Die »Bobos« - die Bourgeois Bohemians - kommen jetzt auch auf den Laufsteg. Eigentlich scheinen sich Bürgertum und die antibürgerliche Kunstwelt der Bohème auszuschließen, doch seit Aufkommen des Ausdrucks »Bobo« für wohlhabende junge Schöngeister hat sich das geändert. Bohème-Chic erobert bei den laufenden Pariser Kollektionsschauen der Damenmode für Herbst/Winter 2002/3 nun die hochpreisige Welt der Designermode. Flattrige Röcke, Kleider, wie aus alten Teppichen oder Vorhängen genäht, und dicke Strickschals, die um die Hüfte geschlungen werden, waren in den vergangenen Tagen zuhauf zu sehen.

Lagenlook, Luxus und Leder

In einem neuen Lagenlook werden Hosen, Röcke, Mäntel und Westen übereinandergezogen. Und doch verbirgt sich hinter diesem Stil, der wie auf dem Flohmarkt zusammengesucht scheint, purer Luxus. Lange waren nicht so viele prunkvolle Pelzmäntel in Paris zu sehen, hinzu kommt feinstes Leder und Frackjacken wie vom Maßschneider gemacht. Paradebeispiel für den neuen Stil war die Kollektion des britischen Designers Julien Macdonald für Givenchy.

»Die vier Musketiere«

An den Spitznamen der Künstlergruppe »Die vier Musketiere« aus Henri Murgers Roman über die Bohème von 1851 erinnerten sogar die langschaftigen Lederstiefel der Models und die bauschigen Hosen. Lockere Patchwork-Anzüge sind aus kostbaren Lederarten gefertigt. Umhänge aus einem beigefarbenen Seide-Leinen-Gemisch wirken wie mit Goldfäden durchwirkt, andere erinnern an alte französische Tapisserien. Hinzu kommen filzige Zottelpullover, zipfelige Chiffon- Röcke, Samthosen und edle Fuchsmäntel. Alles scheint einfach umgewickelt oder schnell übergeworfen zu sein; der Gesamteindruck wirkt dennoch perfekt.

Kombi-Mode von Gaultier

Jean Paul Gaultier kombinierte Stilmix und Lagenlook. An eine lange über den Laufsteg rotierende Kleiderstange konnten die Models Teile ihrer Kombi-Garderobe hängen. Unter einer schwarzen dicken Steppjacke kommt so eine durchsichtige Tunika hervor, über einer langen Weste mit Frackschößen sitzt ein kurzes abnehmbares Spenzerjäckchen. Feine camelfarbene Wollmäntel ergänzen Jeans, Stulpen und eine duftige blaue Schalkragenbluse. Viel Beifall erntete Gaultier für seine aus verschiedenen Stofflagen zusammengenähten Kleider: Mit Jugendstilmustern und Goldschimmer, Rottönen oder Türkis wirkten sie wie kleine Kunstwerke.

Tapetenmuster und verwaschene Jeans

Die Liebe des für Cacharel tätigen britischen Kreateur-Duos Clements-Ribeiro zu Vorhang- oder Tapetenmustern ging so weit, dass sie diesmal mit einer auf Innendekoration spezialisierten Stoffdesignerin für ihre Entwürfe zusammenarbeiteten. Heraus kommen fließende weite Röcke mit Blattdruck in Melonenrot, Hemdblusenkleider mit grafischen Mustern oder Entwürfe mit geometrisch angeordneten Blüten und Ranken in hellen Braun- und Blautönen. Verwaschene Jeans und schmale mädchenhafte Mäntel ergänzen die Kollektion.

Transparenz und Pailletten

Marcel Marongiu mischt Flohmarkt und Eleganz: Seine glockigen Bahnenröcke sind aus Antikleder gefertigt, Cargohosen aus silbrigem Satin oder roséfarbene Hemdchen weisen eine leichte Patina auf. Abends gibt es transparente Tops mit Pailletten und dazu eine leicht knittrige schwarze Spitzenstola.

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