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Stühle & Seesel: Einfach aussitzen

Richtig Aufregendes ist ihnen nicht eingefallen. Die Möbel-macher setzen auf braves -Êund damit verkäufliches Design.

Ein bisschen ratlos machte es schon, das triste Einerlei bei Bett und Tisch im "Salone del mobile", der Hochburg des internationalen Möbeldesigns in Mailand. Offenbar hat der Wagemut die Designer und Produzenten verlassen, jedenfalls blicken sie nicht wie sonst üblich in die Zukunft unseres Wohnens, sondern lieber auf die Geschäftskasse. Statt Avantgarde, Experiment und Futurismus sind nun Funktionalität und Qualität Trumpf, ohne Farbenfreude wird auf schwarzweiße Klassik gesetzt. Wie in der Modebranche scheut man derzeit das Risiko und präsentiert vor allem Betten und Sofas, die sich gut verkaufen lassen. Statt opulenter Polsterlandschaften im Lounge-Stil gibt's Sessel und bequeme Stühle, die in jede Wohnung passen. Oder schnörkellose Zweisitzer wie die aus Alfredo Häberlis "TT"-Linie für Alias - ihr Design ist durchweg auf das Wesentliche reduziert. Ausgefallenes präsentierte allein Moroso. Mit einer Mischung aus Minimalismus und Hippie-Häkeldecken-Stil bot die italienische Firma die mit Abstand originellsten Kollektionsteile, darunter einen roten Drehstuhl namens "Smock" von Patricia Urquiola.

Beachtung fand auch die Linie "New Antiques" von Marcel Wanders, die im Cappellini-Showroom präsentiert wurde. Wie fast alle seiner Kollegen bediente er sich bei klassischen Formen, doch ihm gelang es immerhin, mit seinen zierlichen Stühlchen samt passendem Tischchen die Atmosphäre eines Teesalons im 19. Jahrhundert aufleben zu lassen. Einen richtungsweisenden Trend lieferte Mailand diesmal nicht, die meisten der Hersteller setzten auf viele Stile gleichzeitig, um ja nichts zu verpassen. Für den geschätzten Kunden macht es die Wahl leicht: Alles ist möglich. Immerhin, bei Alias ist noch ein bisschen Farbe im Spiel.

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