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"Sie haben etwas Furchtbares angerichtet": Urteil gefallen: Ex-Freundin und eigene Tochter am Jungfernstieg erstochen

Die Tat sorgte in Hamburg und weit darüber hinaus für Entsetzen: Im vergangenen April erstach ein 33-Jähriger seine einjährige Tochter und seine Ex-Freundin. Jetzt fiel am Landgericht das Urteil.

Angeklagter im Doppelmord-Prozess von Hamburg, Rettungsarbeiten am Bahnhof Jungfernstieg

Die Einsatzkräfte konnten die beiden Opfer des Doppelmordes am Jungfernstieg nicht mehr retten, der Täter muss nun für lange Zeit ins Gefängnis

DPA

Urteil am Hamburger Landgericht: Wegen des Mordes an seiner einjährigen Tochter und seiner 34-jährigen Ex-Partnerin muss der Täter lebenslänglich ins Gefängnis. Das Gericht stellte zusätzlich die besondere Schwere der Schuld fest. Eine vorzeitige Entlassung nach 15 Jahren ist daher so gut wie ausgeschlossen.

Die Kammer sah es als erwiesen an, dass der heute 34-jährige Mourtala M. im April 2018 in der Hamburger Innenstadt ein Messer gezogen und seine beiden Opfer damit ermordet hat. Das Kleinkind erlag noch am Tatort den schweren Bauch- und Halsverletzungen, die Mutter starb wenig später im Krankenhaus. Sie hinterließ vier weitere Kinder.

"Sie (...) haben durch die Tötung Ihrer Frau und Tochter etwas Furchtbares angerichtet", sagte der Vorsitzende Richter Joachim Bülter an die Adresse des Angeklagten. 

Doppelmord am Hamburger Jungfernstieg

Die Tat ereignete sich auf einem Bahnsteig der stark frequentierten unterirdischen S-Bahnstation Jungfernstieg. Rund um den Tatort verfolgten geschockte Passanten das Geschehen. Zum Teil mussten auch sie von Rettungskräften betreut werden. Wenige Minuten nach der Attacke hatte der Täter selbst die Polizei gerufen und sich in der Nähe des Bahnhofs festnehmen lassen. (Lesen Sie hier beim stern mehr über die Tat, die Hamburg schockierte.)

Mit ihrem Urteil folgten die Richter dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft. Sie hatte Mourtala M. vorgeworfen, den Doppelmord aus niedrigen Beweggründen und heimtückisch begangen zu haben. Er habe seine Tochter "zum Werkzeug seiner Rache" an der in der Nähe stehenden Mutter gemacht. Dem Doppelmord war ein Sorgerechtsstreit vorausgegangen. Der 34-Jährige sei voll schuldfähig und habe nicht im Affekt gehandelt, so die Anklagebehörde.

Die Verteidigung forderte eine zeitlich begrenzte Haftstrafe wegen Totschlags. Sein Mandant sei nur eingeschränkt schuldfähig und habe sich spontan zu der Tat entschieden, sagte der Anwalt. "Es gibt ein ganzes Bündel an Emotionen, die zur Tat geführt haben." Das Gericht folgte dieser Argumentation nicht.

Wie der stern berichtete, kam Mourtala M. 2013 als Flüchtling aus dem nordafrikanischen Niger nach Hamburg und stellte einen Antrag auf Aufenthaltsgenehmigung. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge habe diesen im Juni 2017 – über vier Jahre später – abgelehnt, teilte die Hamburger Ausländerbehörde im April auf Anfrage mit. Weil 2016 jedoch die gemeinsame Tochter des Nigrers und des späteren Opfers zur Welt kam, erteilte die Ausländerbehörde eine bis zum Juli 2019 befristete Aufenthaltsgenehmigung. Er hielt sich also zum Zeitpunkt der Tat legal in Deutschland auf.

Mourtala M. war den Behörden bekannt

Die Beziehung des Paares ging danach in die Brüche. Es soll in der Folge häufiger Streit um das Sorgerecht gegeben haben, im Januar 2018 erstattete die 34-jährige Frau dann Anzeige wegen Bedrohung gegen M. Er sei "übergriffig geworden" und habe sie verfolgt, hatte ein Gerichtssprecher erklärt. Hinweise auf Gewalttaten habe es jedoch nicht gegeben. Die Polizei habe mit einer sogenannten Gefährderansprache reagiert, schrieb das "Hamburger Abendblatt". Der Doppelmörder war den Behörden Medienberichten zufolge in der Vergangenheit zudem wegen Sachbeschädigung aufgefallen.

Ob Mourtala M. vor der vollständigen Verbüßung der Haftstrafe in sein Heimatland abgeschoben werde, habe das Gericht nicht zu entscheiden, sagte Richter Joachim Bülter. Dies sei Sache der Staatsanwaltschaft. Ob der Verurteilte Rechtsmittel gegen die lebenslange Haftstrafe einlegen will, ist nicht bekannt.

Doppelmord in Hamburg: Ein Kindermörder wird gesucht

Quellen: "Hamburger Abendblatt", Nachrichtenagentur DPA