Frankfurt und die Figuren Hamza Kulina (Edin Hasanovic) sowie Maryam Azadi (Melika Foroutan) – das passt. Gerade wurde ihr Debüt-Fall, der "Tatort: Dunkelheit", mit dem begehrten Grimme-Preis ausgezeichnet. Ein Coup des Hessischen Rundfunks, denn vielen Krimis mit zynisch-kaputten Ermittlern geht genau die Menschlichkeit ab, die die Cold-Case-Ermittler auszeichnet.
Auch der dritte Frankfurt-Fall, dem "Tatort: Fackel", handelt von Gerechtigkeit – und Empathie mit den Opfern. Der Krimi, bei dem Schauspielstar Tom Schilling am Drehbuch mitschrieb, sollte jedoch auch aufrütteln. Brandkatastrophen wie im Film drohen auch in der echten Welt.
Worum ging es?
Die namenstiftende "Fackel" brannte vor fünf Jahren im fiktiven Frankfurter Goliathviertel, aus dem auch Kommissar Kulina stammt. Ein 50 Meter hohes Haus, in dem vorwiegend arme Leute wohnten, war offenbar mit billigem, leicht entflammbaren Dämmmaterial Klima-saniert worden. Deshalb, so die protestierenden Überlebenden und Angehörigen, sollte im Untersuchungsausschuss nun der Schuldige, Bauunternehmer Steffen Böttcher (Stephan Luca), zur Rechenschaft gezogen werden.
13 Menschen kamen damals ums Leben. Doch die Abschlussuntersuchungen könnten im Sande verlaufen. Hamzas Ex-Freundin Almila Adak (Seyneb Saleh) bat deshalb den Cold Case-Ermittler, den Fall kurzfristig noch mal aufzurollen. Mit Kollegin Azadi stieß er schnell auf Ungereimtheiten: Der damalige Brandermittler beging Selbstmord. Und Polizeikollege Christian Möller (Michaek Schenk) hatte den Fall wohl nur halbherzig untersucht.
Worum ging es wirklich?
"Tatort: Fackel" ist die erste realisierte Langfilm-Drehbucharbeit von Schauspielstar Tom Schilling, der den Krimi mit Sebastian Heeg erdachte und zu Papier brachte. Zum einen ist der Fall ein klassischer Gesellschaftskrimi. Es geht um die Schuld jener, die sich vertreten von teuren Anwaltsheeren gerne aus der Verantwortung stehlen: große Unternehmen und Konzerne, die zum Wohle des eigenen Geldbeutels und der Shareholder der Versuchung erliegen, vorhandene Schuld von sich zu weisen – auch wenn die menschliche Moral etwas anderes verlangen würde.
Darüber hinaus wird die persönliche Geschichte von Hamzas Freundin und den oft migrantisch geprägten Menschen im Viertel erzählt, die in ihrem Leid gesehen werden wollen – aber nicht die Mittel dazu haben, so wie Wirtschaftsunternehmen, die angedeuteter Weise im Krimi von der Politik unterstützt werden.
Welche Brandlkatastrophe diente als Vorbild?
Vorbild des fiktiven Frankfurter Falles war laut der Autoren und des Hessischen Rundfunks der Brand des Londoner Grenfell Tower am 14. Juni 2017. Dabei kamen 72 Menschen ums Leben, als sich ein in einer Wohnung im vierten Stock ausgebrochenes Feuer in kurzer Zeit über die Fassade des 24‑stöckigen Hochhauses ausbreitete. Auslöser war ein defekter Kühlschrank. Zur Katastrophe wurde das Ereignis jedoch vor allem durch die hoch brennbare Fassadenverkleidung und gravierende Sicherheitsmängel beim Umbau und Betrieb des Gebäudes.
Wie gefährlich ist im Haus verbautes Dämmmaterial?
Brennbares Dämmmaterial im Haus birgt Risiken, insbesondere bei Polystyrol (Styropor), das sich schnell entzünden und wie ein Kamineffekt wirken kann, wenn es in Fassaden verbaut ist. In Deutschland sind strenge Brandschutzregeln vorgeschrieben – bei Gebäuden über 22 Metern Höhe brennbare Stoffe verboten. Kritiker fordern ein Verbot vom Verbauen brennbarer Stoffe, da sie in Kombination mit Luftspalten die Flammen beschleunigen.
Beim Brand in der Bar "Le Constellation" im Schweizer Urlaubsort Crans-Montana am 1. Januar 2026 starben 41 Menschen, als Sprühfontänen an Champagnerflaschen die brennbare, schalldämmende Deckenverkleidung aus Schaumstoff entzündeten. Das Feuer führte innerhalb von Sekunden zu einem Flashover, bei dem der gesamte Raum explodierte. Auch bei dieser verheerenden Brandkatastrophe steht der Vorwurf mangelnden Brandschutzes im Raum.
Wer spielte die Ex-Freundin des Ermittlers?
Almila, Hamzas Ex-Freundin, wird von der charismatischen Seyneb Saleh gespielt. Die deutsche Schauspielerin mit libanesisch-irakischen Wurzeln kam 1987 in Aalen (Baden-Württemberg) zu Welt. Sie wuchs teilweise in Marokko auf, wo sie eine amerikanische Schule besuchte. Nach dem Abitur studierte sie bis 2012 Schauspiel an der Universität der Künste Berlin und erhielt dafür 2010 ein Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes.
Man kennt sie durch Rollen in Serien wie "Dogs of Berlin", "Munich Games" und Filmen wie "Mute". Zuletzt spielte Saleh eine Ermittlerin in der erfolgreichen deutschen Netflix-Spionageserie "Unfamiliar" sowie die in eine Künstleragentin (Karin Hanczewski) verliebte Finanzbeamtin in der Disney-Serie "Call My Agent Berlin".
Wie geht es beim Frankfurter "Tatort" weiter?
Die Folgen "Tatort: Licht" und "Tatort: Fackel", Fall zwei und drei der Frankfurter Ermittler, wurden am Stück gedreht. Damit war das charismatische Duo aus der Mainmetropole seit dem mit dem Grimme-Preis gekrönten "Tatort: Dunkelheit", der im Oktober 2025 das Debüt des Duos darstellte, dreimal binnen eines halben Jahres im Einsatz.
Wie es scheint, ist nun erst mal Pause für die beiden gefragten Schauspieler angesagt. Dass es mit den beiden weitergeht, ist aber sicher. Aktuell wurden jedoch noch keine neuen Dreharbeiten verkündet.