HOME
Meinung

Das Tränenmeer von Mexiko: Liebe Heulsusen beim "Bachelor": Was stimmt denn nicht mit euch?

Eine Show zum Heulen: Sowohl die Kandidatinnen als auch der "Bachelor" höchstpersönlich scheuen sich nicht, große Gefühle zu zeigen. Im Gegenteil: Der emotionale Ausnahmezustand ist in dieser Staffel die Regel. Unser Autor zeigt für die Krokodilstränen kein Verständnis.

Der Bachelor

Stellvertretend für den Heul-Alarm beim "Bachelor": Tränen bei Kandidatin Nathalia

Ich bin ein sensibler Dude. Ich habe in meinem Leben schon Tränen der Freude, der Wut und der Verzweiflung vergossen. Ich finde es völlig legitim, Gefühle zu zeigen und zu ihnen zu stehen. Nichts ist schlimmer als verklemmte Gefühlskrüppel und unterdrückte Emotionen. Sie sind die Wurzel vielen Übels auf dieser Welt.

Aber man kann es auch übertreiben. Vor allem im Fernsehen.

Zum Beispiel der Bachelor: Mit zunehmender Staffeldauer scheint ihm die Rolle als Hahn im Korb über den kurzgeschorenen Kopf zu wachsen. Oder wie ist es zu erklären, dass er nun schon in der zweiten Woche hintereinander in Tränen ausgebrochen ist – und wir uns als Zuschauer deshalb zum wiederholten Male fragen müssen, was zur Hölle eigentlich sein Problem ist?

Bachelor: Andrej, was ist dein Problem?

Anfangs hatte Andrej noch einen aufgeräumten und für Bachelor-Verhältnisse erfrischend unschmierigen Eindruck gemacht. Aber inzwischen nervt er fast so hart wie seine Kandidatinnen. In der letzten Woche verabschiedeten sich mit Luisa und Natalie gleich zwei Damen auf einmal vorzeitig von Andrej, was diesem doch arg zusetzte – kurz: Er musste erstmal weinen.

In der aktuellen Folge kam es nun zum romantischen Einzeldate mit Jennifer und zum ersten Kuss. Business as usual also für den Bachelor? Sollte man meinen. Aber nicht für Andrej: Er musste erstmal weinen. Und reiht sich damit nahtlos ein in die Riege seiner Ladies, die inzwischen kaum noch eine Gelegenheit auslassen, in Tränen auszubrechen – ob aktuell Nathalia (weil Christina ihr dumm kommt) oder Nadine (weil Jenny ihr Gespräch mit Andrej crasht) oder in der kommenden Folge (der Vorschau nach zu urteilen) ungefähr alle "Mädels", wie sie vom Bachelor traditionell bezeichnet werden.

Die Frage ist nur: Was stimmt denn nicht mit euch? Werden euch die Tränen etwa ins Drehbuch geschrieben, um den langweiligen Balztanz emotional aufzupeppen? Es wäre noch die harmlosere Begründung. Denn wenn Andrej und sein Harem das ganze Geheule wirklich ernst meinen, haben sie entweder die Show nicht als das verstanden, was sie ist: ein stumpfes Spiel für junge Hedonisten, die ihre unmittelbare Umwelt so erfolgreich ausblenden können wie sonst nur Swinger oder Pornodarsteller.

Oder, und das wäre die schlimmstmögliche Erklärung, sie haben den Kopf so tief in ihrem eigenen Hintern und reiten die Welle ihrer enthemmten Selbstverliebtheit so schamlos, dass sie wirklich denken, in der Villa oder bei den Dates gelten wie auch immer geartete ethische und moralische Regeln, die vor allem auf ihre ganz persönlichen Befindlichkeiten Rücksicht nehmen.

Was auch immer der Grund für das aktuelle Tränenmeer von Mexiko ist: Lieber Bachelor, liebe Kandidatinnen, dieses erbarmunsgwürdige Schauspiel macht euch nicht sympathischer, sondern bloß lächerlich. Niemand hat euch zu dem albernen Quatsch gezwungen, den ihr da unter der schönen Sonne von Los Cabos über euch ergehen lassen müsst. Und eure Krokodilstränen kommen so fake rüber, dass es auch keinen Unterschied mehr machen würde, wenn sie echt und ehrlich gemeint wären.

Viel Alkohol hilft beim "Bachelor" immer viel

Also entweder macht ihr es wie Luisa und Natalie und zieht freiwillig Leine – oder ihr reißt euch zusammen und redet euch endlich ein, dass das Glas doch eigentlich halbvoll ist in eurem Dating-Game: Denn wer darf schon so üppig gesponsert um den potenziellen Partner buhlen, wer darf dabei schon im Helikopter fliegen, Bungee springen oder am Strand chillen?

Apropos Glas halbvoll: Ihr scheint es noch nicht wirklich mitbekommen zu haben, aber viel Alkohol hilft in dieser Show immer viel. Zumindest wurde in früheren Staffeln doch deutlich mehr gesoffen. Denkt mal darüber nach, wenn euch mal wieder alles über den Kopf wächst an einem dieser endlosen Tage in der Villa. Oder vielleicht doch lieber nicht: Je nachdem, wie viel ihr vertragt, hört ihr womöglich gar nicht mehr auf zu weinen.

"Bird-Box-Challenge": Tätowierer sticht Kunden mit verbundenen Augen
Themen in diesem Artikel
Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?