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Neues Album "Blick": Station 17: Warum euch diese Band glücklich machen wird

Wer diese Band noch nicht auf dem Zettel hat, sollte dringend Papier und Stift herauskramen. Station 17 gibt es seit 30 Jahren in immer wieder neuen Besetzungen. Jetzt haben sie mal wieder ein neues Album herausgebracht. NEON traf die Bandmitglieder zum Interview und sprach mit ihnen über Touren im Nightliner, Krautrock und wieso es manchmal besser ist, wenn man ohne Plan ins Tonstudio geht.

Station 17 aus Hamburg

Neun Mitglieder zählt Station 17 zur Zeit – da kann es auf der Bühne ganz schön eng werden

Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so breit gegrinst habe. Aus den Lautsprechern im kleinen Berliner Club dröhnt die und ich bekomme langsam Wangenkrämpfe. "KENNST DU DAS", brülle ich meiner Freundin von hinten ins Ohr, "WENN DU SO GLÜCKLICH BIST, DASS DU GAR NICHT AUFHÖREN KANNST, ZU GRINSEN?" Sie dreht sich um und strahlt mich an. "JAAAA!"

Es ist November 2014 und auf der Bühne steht eine Hamburger Band, die mir wenige Tage zuvor noch kein wirklicher Begriff war: Station 17. Seit 1989 gibt es sie bereits. Damals wurde sie von Kai Boysen als Projekt einer Wohngruppe für Menschen mit geistiger Behinderung der "Evangelischen Stiftung Alsterdorf" in Hamburg gegründet. Seitdem ist viel passiert. Zehn Alben haben die Musiker bereits rausgebracht, unzählige Konzerte gespielt. Und die sind ein echtes Erlebnis.

Die Band ist mit neun Mitgliedern sehr groß, die Bühne ziemlich eng. Aber: kein Problem für Station 17. Wer gerade nicht aktiv mitspielt, steht vor der Bühne und tanzt wild mit den Fans. Und wenn man mal ehrlich ist, verhält es sich bei der Musik doch wie mit dem Essen: Traue keiner Band, die nicht zu ihrer eigenen Mucke tanzt.

Die Besetzung von Station 17 hat sich in 30 Jahren immer wieder verändert

Nun haben Station 17 ein neues Album herausgebracht. "Blick" heißt das gute Stück und ich hab mich auf den Weg gemacht, um im kleinen Probenraum in -Altona mal hinter die Kulissen zu schauen. Kaum habe ich das Gebäude betreten, halte ich bereits einen Kaffee in der Hand. Den "besten schlechten Kaffee der Stadt", wie man mir mitteilt. Sehr sympathisch. Der Probenraum ist prall gefüllt, dabei sind noch nicht einmal alle Mitglieder der Band da. Doch davon lässt sich hier niemand irritieren. Enge Räume stören nicht, wenn man sich untereinander so gut versteht wie Station 17.

Die Besetzung hat sich in den letzten 30 Jahren immer wieder verändert, einige blieben länger dabei, andere waren schnell wieder weg. Sebi ist inzwischen seit 2000 dabei, erzählt er, das macht ihn zum Dienstältesten. So sehr viel Fluktuation habe es in den letzten Jahren gar nicht gegeben, meint er, es mache nunmal genug Spaß, als dass man lange dabei bleiben wolle. Sebi spielt Keyboard und singt. Er ist blind, doch die Tatsache, dass er den Rest der Band, das Publikum oder sein Instrument nicht sehen kann, scheint ihn nicht weiter zu stören. Musik hat ja ohnehin viel mehr mit Hören zu tun. Und auch "Blick" sei dadurch entstanden, dass sich die Band ohne jegliche Vorgaben, gemeinsam mit prominenten Gästen wie Schneider TM und Faust, zusammengesetzt und aufeinander gehört habe. "Wir haben teilweise gar keine Tonarten oder irgendwelche Takte vorgegeben. Einer hat einfach losgelegt", erzählt Sebi. "Da haben wir dann teilweise auch einfach eine Stunde Musik aufgenommen. Natürlich muss das dann geschnitten werden, aber im Grunde ist es so, wie wir da aufgenommen haben, auch auf der CD."

"Blick" könnte nicht weniger mit dem letzten Album ("Alles für alle") zu tun haben. Tschüss durchproduzierter Pop – Hallo Krautrock! "Das ist so in den 70er-Jahren entstanden", erzählt Alex, der seit 2009 bei Station 17 Schlagzeug spielt. "Eine experimentelle Form von Rock. Aber wir haben versucht, das mit aktuellen und zeitgemäßen Einflüssen zu kreuzen, das Album sollte ja keine Hommage an die 70er werden." Die Band wolle versuchen, sich mit jedem Album selbst wieder neu zu überraschen, fügt Bassist Hauke hinzu.

Herausgekommen ist ein Album, das jedes Mal, wenn man es hört, irgendwie nochmal anders klingt. Jetzt ist die Band erst einmal auf Tour. Kommt da kein Lagerkoller auf, wenn so viele Menschen gemeinsam im Nightliner durch die Republik cruisen? "Bis Tag Vier macht es auf alle Fälle Spaß", lacht Bassist Hauke. Und Gitarrist Ennesto hat eigentlich nur einen Kritikpunkt am Touren: "Das auf der Bühne stehen macht großen Spaß – nur das Abbauen nicht so, aber das gehört halt auch dazu." Na, wenn's weiter nichts ist … 

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