Nach langem Warten
Lana Del Reys neuer Song verrät (fast) alles über das kommende Album

Lana del Rey steht beim Reading-Festival auf der Bühne und hält sich ein Mikrofon vor den Mund
Über ihren neuen Song sagte Lana del Rey in ihrer Instagram-Story: „Es sind  viele Ideen und Formulierungen von anderen Leuten eingeflossen“
© Justin Ng / Avalon / Picture Alliance
Von Country zu Gothic: Das Konzept für ihr zehntes Album hat Lana Del Rey mehrmals überarbeitet. Mit der neuen Single enthüllt die Sängerin die endgültige Richtung des Werkes. 

Auf neue Musik von Lana del Rey zu warten, fühlt sich mittlerweile so an, als würde man sich mit dieser einen Freundin zum Kaffee verabreden, die jedes Mal kurz vorher absagt. Die den Termin immer wieder um mehrere Wochen, gar Monate, verschiebt. Die vielleicht noch ein anderes Café vorschlägt, das näher an ihrem Zuhause liegt. Die aber auch jedes Mal entschuldigend hinterherschiebt: „Dann aber wirklich.“ Und erst, wenn man die Hoffnung fast vollständig aufgegeben hat, sieht man sich tatsächlich. So dürften sich zahlreiche Lana-Fans angesichts der musikalischen Durststrecke fühlen, die die Sängerin ihren Anhängern seit zwei Jahren bereitet.  

Doch kein Country mehr?

Anfang 2024 kündigte Lana Del Rey ihr zehntes Album an. Seitdem wurde die Platte gefühlt öfter neu erfunden als das Genre, dem es angehören soll (Country, wobei das vermutlich nicht mehr stimmt). Anders als der Vorgänger aus dem Jahr 2023 mit dem opulenten Namen „Did you know that there’s a tunnel under Ocean Boulevard“ soll der Nachfolger nur ein einziges Wort als Titel tragen. Der Entscheidung ging ein langes Tauziehen voran. Erst sollte das Werk „Lasso“ heißen, dann „The right one will stay“ und jetzt „Stove“ – Ofen. 

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Einen ersten Vorgeschmack auf das Album lieferten zwei Single-Auskopplungen, die jedoch vor so langer Zeit erschienen sind (zehn und sechs Monate), dass man bereits vergessen haben dürfte, wie warm und melodisch die beiden Tracks klingen. Wie viel die Songs klanglich mit der neuen Platte zu tun haben, ist aber ohnehin fraglich. Denn die aktuelle Single „White Feather Hawk Tail Deer Hunter“, die die endgültige Atmosphäre des kommenden Albums enthüllen soll, klingt anders: düster, intim, mythisch. 

Was mit sparsamen Gitarrenklängen beginnt, entwickelt sich schnell zu dem, wofür man Lana Del Rey kennt: Mit dem ihr eigenen melancholischen Hauch in der Stimme bewegt sich die Künstlerin irgendwo zwischen Singen und Erzählen, es klingt fast, als würde sie dem Hörer direkt ins Ohr flüstern. Ihre Stimme steht klar im Mittelpunkt des Stücks. Die Instrumente sowie die ganze Produktion wirken bewusst zurückhaltend. 

Der Lieblingssong von Lana Del Rey

Trotzdem liefern Gitarren, Streicher und ein insgesamt warmer Unterton die perfekte träumerisch-filmische Stimmung, in der man die 40-jährige Sängerin verorten würde. Im weiteren Verlauf verleiht sie dem Song einen geheimnisvollen, fast unheimlichen Anstrich. Mehrfach trällert sie in hoher Tonlage „Whoopsie-daisy, yoo-hoo“, wobei es fast scheint, als würde sich ihre Stimme überschlagen. Am Schluss legt sie sich selbst als zweite Stimme unter die Lead Vocal – ein schwebender, fast geisterhafter Ausklang.

Lana del Rey und ihr Mann Jeremy Dufrene auf dem roten Teppich der New York Fashion Week
Lana del Rey und Jeremy Dufrene sind seit September 2024 verheiratet
© Evan Agostini / Picture Alliance

Den Song hatte Lana Del Rey vor zehn Tagen als ihren Lieblingssong des kommenden Albums angekündigt. Sie teilte ihren Fans mit, dass sie „total glücklich“ über die neue Single sei, an der sie mit den Produzenten Drew Erickson und Jack Antonoff gearbeitet habe. Gemeinsam hätten sie „endlich den magischen Akkord gefunden, der noch fehlte“. Ebenfalls beteiligt an dem Entstehungsprozess waren der Sängerin zufolge ihr Ehemann Jeremy Dufrene, ihr Schwager und ihre Schwester. Am Veröffentlichungstag, dem 17. Februar, ließ die Künstlerin ihre Fans aber noch einmal warten. Statt um Mitternacht, wie von ihren Anhängern erwartet, veröffentlichte sie den Track erst im Laufe des Tages. 

Erst Leichtigkeit, dann Zweifel

Der Song präsentiert genau das, was man von Lana Del Rey erwartet: Americana und Southern Gothic. Das hätte vor zwei Jahren möglicherweise noch anders ausgesehen. Denn die Sängerin hatte zunächst angekündigt, ein Country-Album zu produzieren. Bei den Billboard x NMPA Songwriter Awards verkündete sie: „Wir machen Country, es ist so weit.“ Damals sollte die Platte noch den Namen „Lasso“ tragen und im September 2024 erscheinen. 

Von dem Genre zeigte Lana Del Rey sich damals zutiefst überzeugt: „Vor acht Jahren, als ich ein Country-Album machen wollte, dachte niemand an Country. Jetzt macht jeder Country“, sagte sie im Interview mit dem „W Magazin“. Die Sängerin schien zunächst begeistert von ihrem neuen Projekt. 

Im Mai 2024 äußerte sie gegenüber dem Magazin „NME“, dass sie in ihrer Karriere keinen Druck mehr verspüre. „Jetzt fühlt es sich einfach nur spielerisch an“, sagte sie in dem Gespräch. Der Spaß und die Leichtigkeit seien es auch, die die Songtexte des kommenden Albums inspirieren würden, erklärte Lana Del Rey – und dass sie melodischer geworden sei und weniger Persönliches in die Lyrics einfließen lassen würde als auf den vergangenen Alben. 

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Im Oktober schien sich Lana Del Rey dann doch nicht mehr so sicher. Gegenüber dem „People Magazine“ sprach sie von einer „energetischen Pause“. Normalerweise brauche sie keine Auszeiten im kreativen Prozess, doch nun wolle sie abwarten, „wie sich die musikalische Atmosphäre anfühlt“. Die Songs, die sie bisher für das Album produziert habe, hätten „zu viel von dieser sehr amerikanischen Ästhetik“, betonte sie auch gegenüber der italienischen „Vogue“. Sie kündigte an, das kommende Werk mehr in die Richtung „Southern Gothic“ zu entwickeln, ihm also einen düstereren Anstrich zu verleihen.

Alles deutet auf ein typisches Lana-Werk hin

Eine weitere Ankündigung, die die Sängerin wieder einkassierte, war der Abstand von autobiografisch inspirierten Songs. Zu dem Zeitpunkt – im August 2025 – war der Release-Termin der Platte bereits dreimal verschoben und das Album zweimal umbenannt worden. Ein Grund für die Verzögerungen waren sechs neue Songs, die Lana Del Rey noch hinzufügen wollte. „Sie sind autobiografischer, als ich dachte, und das hat mehr Zeit in Anspruch genommen“, sagte sie dem „W-Magazin“. 

Lana del Rey in einem Abendklei bei der Pariser Fashion Week
Klassischer Radio-Country ist von Lana del Rey nicht zu erwarten. Sollte es auf dem neuen Album doch Country-Songs geben, wird die Sängerin ihnen vermutlich den für sie typischen atmosphärische, dunklen Anstrich verliehen haben
© Laurent VU / Picture Alliance

Den letzten öffentlich genannten Release-Termin (Januar 2026) hat die Sängerin zwar ebenfalls verpasst, doch in der Story, in der sie den aktuellen Song ankündigte, sagte sie, das Album werde „bald“ folgen. Dass sie keinen neuen exakten Termin nennt, ist angesichts der vielen Verzögerungen nachvollziehbar. 

Für loyale Hörer, die Lana Del Rey für ihren cinematischen, melodramatischen Sound lieben, wird sich das lange Warten trotzdem lohnen. Denn es sind nicht nur die vielen Änderungen am Konzept und an den Songs und die Zusammenarbeit mit ihrem langjährigen Produzenten Jack Antonoff, die auf ein klassisches Lana-Werk hindeuten, sondern auch der aktuelle Track.  

Quellen: „Billboard“, „NME“, „People Magazine“, „Rolling Stone“, „Russh“, „Vogue“, „W Magazin

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