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Running Gag im Internet: Ein kleines Plädoyer für all die Lisas, die ein Jahr in Australien waren

Die Lisas dieser Welt haben es nicht leicht. Auf Plattformen wie Jodel steht der Name für Abiturientinnen, die besonders individuell sein wollen und ein Jahr in Australien verbringen. Unser Community-Autor möchte eine Lanze für all die Lisas brechen.

Von NEON-Community-Mitglied Bennet von der Laden

Work and Travel in Australien

Tolle Zeit in Australien gehabt, aber keinem davon erzählen können. Die Lisas dieser Welt haben es nicht leicht.

Getty Images

Lisa war für ein Jahr in Australien. Lisa war für ein Jahr in Australien, aber das weiß niemand. Dass Lisa Work & Travel in Down Under gemacht hat, ist sowas wie ihr kleines Geheimnis. Davon erzählt sie keinem. Niemand soll jemals erfahren, was in den letzten zwölf Monaten in Lisas Leben passiert ist. Damit das auch so funktioniert, hat sich Lisa ihre eigene kleine Geschichte zurechtgeschustert - für den Fall, dass sie auf ihre Aktivitäten nach dem Abitur angesprochen wird. Am liebsten erzählt sie dann, sie hätte ein Praktikum im Betrieb ihres Onkels gemacht. Der wohnt in Süddeutschland, deswegen hat sie hier so lange keiner gesehen.

Die Lisas vor Lisa, also die Lisas vor etwa zehn Jahren, haben früher noch stolz von ihren Erfahrungen am anderen Ende der Welt berichten können. Doch schon bald zog es so viele Lisas nach Australien, dass ihre Berichte erst Desinteresse, schließlich sogar Wut beim jeweiligen Zuhörer verursachten. Seit einiger Zeit wird nun also nicht mehr über längere Reisen nach Australien – neuerdings nicht mal mehr über die nach Neuseeland gesprochen.

Lisa überlässt das Reden lieber den anderen

Wenn Lisa nun mit ihren Freunden im Café sitzt, überlässt sie das Reden am liebsten den anderen. Markus spricht dann meistens von seinen erfolgreichsten Vollsuff-Abenden des letzten Jahres. Letztes Jahr war er dadrin nämlich besonders erfolgreich. Markus erzählt diese Geschichten ziemlich oft. Zurecht – denn seine Zuhörer finden die Stories ziemlich interessant. 

Wenn Markus gerade nicht spricht, berichtet Sofia von ihren zerbrochenen Beziehungen im letzten Jahr. Die Geschichten sind nicht so lustig wie die von Markus, aber mindestens genauso spannend. So sehen das zumindest die Zuhörer. Lisa findet das auch. Zwar würde Lisa gerne auch von ihren Erfahrungen aus Australien berichten, aber sie weiß, das sollte sie lieber nicht tun. Das gehört sich nämlich nicht. Schaltet sie sich doch mal ein, um Markus und Sofia für ihre gelungenen Erzählungen zu loben, achtet sie stets darauf, dass ihr Auslandsaufenthalt nicht auffliegt und vermeidet dementsprechend konsequent die Nutzung von verräterischen Anglizismen.

In Australien Erfahrungen sammeln, die man niemandem erzählen kann

Als Lisa in Sydney war, hat sie einen Surfkurs besucht und den Sport lieben gelernt. Das Gefühl von Freiheit, das sie inmitten der Wellen erfährt, hat sie noch nirgendwo anders je erlebt. Den Neoprenanzug hat sie allerdings an den Nagel gehangen. Wer in Deutschland surft, der war auch schon während seines Auslandsjahres in Australien surfen. Das würde direkt jedem, der Lisa auf dem Board sieht, klar werden. Ist also keine Option. Zurzeit überlegt Lisa dafür, an welcher Stelle sie sich am besten ein Wellensymbol tätowieren lässt, das sie an die schöne Zeit im Wasser erinnert – ohne dass jemand anders es zu Gesicht bekommt.

In Canberra hat Lisa für ein paar Monate jeden Tag zwölf Stunden Äpfel gepflückt, um Geld für ihren Road Trip zu verdienen. Dort hat sie mit Menschen zusammengearbeitet, die ihr ganzes Leben nichts anderes getan haben, und mit dem Geld gerade einmal ihre Familie ernähren können. Die Geschichten dieser Menschen haben Lisa ganz schön berührt und ihr das Gefühl gegeben, sie solle sich sehr viel mehr über ihre Privilegien freuen, als sich ständig über Nichtigkeiten zu beschweren. Manchmal würde Lisa dieses Wissen gerne an ihre Freunde weitergeben, aber bisher kam sie noch immer rechtzeitig zur Besinnung und hielt den Mund.

Auf ihrer Reise durchs Land hat Lisa viel in Hostels genächtigt. Dort kam sie zum ersten Mal im Leben in Kontakt mit Menschen aus der Ukraine, Israel oder den Philippinen. Oft unterhielt sie sich dort stundenlang mit ihnen, lernte allerhand über die politische Lage in den jeweiligen Ländern und den Umgang der normalen Bürger mit den Situationen, denen sie dort ausgesetzt sind. Wenn Themen wie die Krim-Krise oder der Nah-Ost-Konflikt von Lisas Kommilitonen diskutiert werden, denkt sie oft, die Meinungen ihrer internationalen Freunde könnten den Konversationen guttun. Das Problem ist nur, dass niemand von den Bekanntschaften erfahren darf. Das würde nämlich wohl oder übel zum Ende ihres Geheimnisses führen.

Irgendwie ein bisschen schade.

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