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#whatthekack: Bad ohne Tür: Warum wollen uns Hotels unseren letzten Rest Privatsphäre nehmen?!

Halbdurchsichtiges Milchglas und keine richtigen Türen: Hotelbadezimmer sehen vielleicht schick aus, erweisen sich in der Praxis aber meist als äußerst Privatsphäre-feindlich. Auf Reisen mit anderen teilt man so nicht nur das Bett, sondern auch alles andere.

Von NEON-Community-Autorin Ramona

Hotelbadezimmer: Warum wollt ihr uns unsere Privatsphäre nehmen?

Die Milchglastüren im Hotelbadezimmer nehmen einem selbst das letzte Bisschen Privatsphäre auf der Toilette

Getty Images

Ob in einer Partnerschaft, mit Familie oder mit Freunden – es gibt Momente im Leben, da möchte man gerne für sich sein und seine Privatsphäre genießen. Und selbst die hartgesottensten Hardcore-Pärchen unter uns brauchen hin und wieder eine Pause voneinander. Zumindest wenn es um das grundlegendste Bedürfnis des Menschen geht: den Toilettengang. 

Doch immer mehr Hotels wollen uns dieses Bedürfnis und das Recht auf diese fünf Minuten Privatsphäre am Tag streitig machen. Und zwar mit ihren immer skurriler gestalteten Badezimmern. So kommt es durchaus vor, dass die Dusche ohne jegliche Abtrennung mitten im Hotelzimmer zu finden ist. Oder Toilette und Dusche finden sich ganz diskret hinter einer durchsichtigen Schiebetür. Auch hier bleibt wenig Raum für Phantasie. "Shit happens", das weiß ich –aber muss es direkt vor meiner Nase passieren? Vielleicht mag es prüde erscheinen, aber ich möchte weder von Freunden, noch von meiner Familie, geschweige denn von meinem Partner beim Stuhlgang beobachtet werden und ich möchte auch niemanden dabei beobachten müssen.

Defäkation auf Instagram?

Ist unsere Gesellschaft so voyeuristisch geworden, dass wir uns sogar dabei begutachten und beurteilen müssen, wie wir gerade einen abseilen? Da kann man ja gleich eine Instagram-Story erstellen und jeden Morgen ein neues Video bezüglich des Ablaufs seiner Defäkation hochladen. Hier können dann alle Follower unter dem Hashtag #Kackhaufen ihren jeweiligen Kommentar dazu abgeben, Verbesserungsvorschläge liefern oder Produktinformationen zur jeweils verwendeten Klopapiermarke einblenden. #dreilagig, #superflauschig, #Shitporn.

Und Psychologen können aufgrund der Form deiner produzierten Hinterlassenschaft auf deine Persönlichkeit schließen. #zeigmirdeinenKackhaufenundichsagdirwerdubist. Astrologen können anhand deines Häufchens dein ganz persönliches Horoskop erstellen: "Einer glücklichen Zukunft steht nichts im Wege, sofern du künftig auf Ballaststoffe verzichtest." Wenn da mal kein Shitstorm aufzieht. Und unter dem Hashtag #Shitzeljagd kommst du direkt zu einem Quiz, in welchem du erraten kannst, welche Hinterlassenschaft von welchem Promi produziert wurde. #whatthekack?

Mehr Privatsphäre in Hotelbadezimmern!

Ich sage Nein. Nein zu nicht vorhandenen oder verglasten Badezimmertüren. Diejenigen unter uns, die gerne auf diese Privatsphäre verzichten, denen steht es schließlich frei, die Türen einfach offen zu lassen. Doch für die meisten von uns, die sich nicht gerne in aller Öffentlichkeit ihren Hintern abwischen oder vor den Augen der Familie ihr Tampon wechseln wollen, für all jene – und es dürfte sich hier um die absolute Mehrheit handeln – fordere ich abschließbare, vom Schlafzimmer separierte, am besten auch schalldichte Badezimmertüren. Erst dann gibt es fünf Sterne in der Yelp-Bewertung.