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Meinung

Aktion in Amsterdam: In diesem Pop-up-Store kannst du Sportkleidung mit Drogen bezahlen. Wie bitte?

Darauf muss selbst ein komplett zermartertes PR-Gehirn erstmal kommen: In Amsterdam hat ein Pop-up-Store eröffnet, in dem Sportkleidung mit Drogen bezahlt werden können. Die Aktion hat natürlich eine Message. Aber die hinkt ein bisschen.

Marketing ist ein hart umkämpftes Feld, erst recht in den Metropolen. Es wird immer schwieriger, noch Aufsehen zu erregen in Zeiten, in denen jede Schlagzeile um einen Superlativ weitergedreht wird, in denen jeden Tag ein neues virales Video durchs Netz gejagt wird, in denen alle schon alles gesehen haben. Mehr denn je gilt leider, was Kevin Spacey als John Doe im Film "Sieben" bereits 1995 zynisch feststellte: "Wenn die Leute einem zuhören sollen, reicht es nicht, ihnen einfach auf die Schulter zu tippen. Man muß sie mit einem Vorschlaghammer treffen. Erst dann können Sie sich ihrer Aufmerksamkeit gewiß sein."

Das müssen sich auch die PR-Leute der Sportartikelmarke Björn Borg gedacht haben, als sie in Amsterdam ihren neuen Pop-up-Store planten – nicht irgendeinen Store, sondern, wie es in der Instagram-Caption heißt: "Der erste und einzige Laden der Welt, in dem du Drogen gegen Sportkleidung tauschen kannst. Es ist brillant, wissen wir."

Brillant? Nun ja. Neugierig macht die Nummer auf jeden Fall. Wer bereit ist, seine Substanzen einzutauschen, erhält vakuumverpackte Artikel aus einer limitierten Kollektion mit Illustrationen des britischen Künstlers Patrick Savile. Und natürlich steckt hinter der Idee der Stockholmer Agentur Nord DDB auch eine Message: Man benötigt keine Drogen, um high zu werden, denn die gleichen Wohlfühlstoffe werden beim Sport freigesetzt.

Amsterdam: Björn-Borg-Store mit Spezial-Deal

Glaubt man den Videos, die Björn Borg zur Aktion bei Youtube und Instragram veröffentlicht hat, sind einige Kunden den Deal eingegangen. Klar, irgendwer findet sich immer. Und natürlich ist die Message, lieber zu trainieren als zu kiffen, keine schlechte. Auf Dauer dürfte das Geschäftsmodell aber trotzdem kaum Sinn machen. Denn sollte in dem Store weiter ausschließlich mit Drogen bezahlt werden können, müssten sich schließlich auch "cleane" Kunden in Zukunft vor jedem Einkauf erstmal ein bisschen Stoff besorgen.

tim
Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?