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Weihnachten in der Pandemie Kein Shopping vor dem Lockdown: Lasst die Bescherung dieses Jahr ausfallen!

Eine Person trägt ein Weihnachtsgeschenk
Schnell noch die Weihnachtsgeschenke kaufen: Vor dem Lockdown am Mittwoch befürchten viele einen Ansturm auf die Geschäfte im Einzelhandel.
© Frank Rumpenhorst/dpa
Ab Mittwoch bleibt der Einzelhandel in Deutschland zu. Und das ausgerechnet so kurz vor Weihnachten. Doch es gibt eine viel bessere Idee, als jetzt panisch die Geschäfte zu stürmen: Macht euch dieses Jahr einfach gar keine Geschenke.

Der 24. Dezember sieht bei mir meist so aus: Ich checke panisch, wann die letzten Geschäfte schließen, weil mir noch mindestens ein Geschenk fehlt. Ich ärgere mich über mich selbst, weil ich nicht vorbereitet bin. Und dann über die Menschen, die besser vorbereitet waren als ich und die Fußgängerzonen und Geschäfte für einen letzten gemächlichen Spaziergang in die Zivilisation nutzen, bevor sie sich für drei Tage zwischen epischen Bergen an Geschenken und Nahrungsmitteln einigeln.

Dieses Jahr wird mir das nicht passieren. Und obwohl ich noch kein einziges Geschenk gekauft habe, bin ich so entspannt, wie man es in einer Pandemie sein kann. Denn ich habe akzeptiert: 2020 ist alles anders – und wenn das bedeutet, dass unter dem Baum kein schimmerndes Glitzer-Rentier-Einpackpapier darauf wartet, eifrig von einem Geschenk gerissen zu werden, dann ist das so.

Ab Mittwoch geht Deutschland in einen harten Lockdown. Das bedeutet unter anderem: Der Einzelhandel schließt, das analoge Weihnachtsshopping fällt aus. Geschenke kaufen ginge dann nur noch online oder per Abholstation. Ob sie rechtzeitig zum Fest bei den Beschenkten ankommen, weiß allerdings niemand. Und auch für die Mitarbeitenden im Versandhandel und bei den Paketdiensten könnten die ohnehin stressige Pandemie und die ohnehin stressige Vorweihnachtszeit noch anstrengender werden.

Natürlich wäre es eine finanzielle Unterstützung für die Geschäfte, wenn vor dem Lockdown noch alle in die Läden stürmten und ihr Geld daließen. Das Massenereignis könnte das Weihnachtsgeschäft aber auch zum Superspreader-Event werden lassen. Verkäufer und Verkäuferinnen riskieren dann umso mehr, sich mit dem Coronavirus anstecken. Die Shopping-App würde sagen: Kunden und Kundinnen, die sich für diese Form der Unterstützung für das Verkaufspersonal entschieden, interessierten sich auch für: Applaudieren auf dem Balkon für den Pflegesektor.

Warum sagen wir die Bescherung nicht ab?

Stattdessen könnten wir das mit den Geschenken 2020 zumindest unter Erwachsenen auch einfach ausfallen lassen – wie so viele andere Dinge in diesem Jahr. Die meisten von uns haben verstanden, warum der Sommerurlaub, die Party zum runden Geburtstag und das Glühweinbesäufnis im Sportverein in der Corona-Pandemie nicht stattfinden konnten. Wäre es dann nicht nur konsequent, weiterhin emotionale Reife zu zeigen und zu akzeptieren, dass auch das Christkind und der Weihnachtsmann in diesem Lockdown zu Hause bleiben müssen?

Es ist völlig legitim, in diesem Jahr wegen Weihnachten traurig zu sein: weil ein Familienmitglied nicht beim Fest dabei sein kann, weil ein Kind aus finanziellen oder organisatorischen Gründen kein Geschenk unterm Baum findet oder weil 2020 allgemein blöd war. Wer aber älter als 18 ist und über Weihnachten ohne Geschenke nölt, zeigt deutlich, worauf es ihm oder ihr wirklich ankommt: Konsum. Und darauf kann man angesichts der außergewöhnlichen Lage nun durchaus verzichten.  

Wir leben in einer Gesellschaft, in der sich viele Erwachsene kleinere materielle Wünsche ohnehin das ganze Jahr über direkt erfüllen können. Jene, die größer und dekadenter sind – etwa ein neuer Kühlschrank, eine Waschmaschine oder eine gute Winterjacke – können durch Geldbeträge von anderen erwachsenen Familienmitgliedern mitfinanziert werden. Das geht sogar während eines Lockdowns. Geschenke basteln, Gutscheine bemalen und Spendenkarten verschenken übrigens auch.


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