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Interview

30 Jahre "Looking for Freedom": Ich habe David Hasselhoff erzählt, was er mir bedeutet - er findet es "amazing"

Berlin. Mauerfall. David Hasselhoff. Für viele Menschen sind die Erinnerungen an den November 1989 für immer mit dem US-Star und seiner Wiedervereinigungs-Hymne "Looking for Freedom" verbunden. Unsere Autorin hat da so ihr ganz eigenes Verhältnis zu Mr. Baywatch.

David Hasselhoff 1989 an der Berliner Mauer - legendär und unvergessen

David Hasselhoff 1989 an der Berliner Mauer - legendär und unvergessen

Picture Alliance

Es gibt Menschen, die sich wie ein roter Faden durch das eigene Leben ziehen. In Zusammenhang mit bestimmten Ereignissen tauchen sie plötzlich wieder auf und sind genauso schnell auch wieder weg – aber vergessen tut man sie nicht.

Für mich ist einer dieser Menschen David Hasselhoff. Ich war wenige Monate alt, als sich der US-Star 1989 in Berlin mit "Looking for Freedom" in die Herzen der wiedervereinigten Deutschen sang. Bis heute hält sich hartnäckig der Mythos, dieser legendäre Auftritt habe mit dazu geführt, dass die Mauer überhaupt fallen konnte. Doch das, so stellte Hasselhoff erst vor wenigen Tagen klar, sei "eine Lüge" und habe er so nie gesagt. Na gut.

Meine Eltern, die damals gerade mit mir von München nach Hamburg gezogen waren, betrachteten die Wiedervereinigung berufsbedingt eher durch die volkwirtschaftlich-skeptische Brille und konnten der Euphorie über den Mauerfall nicht sonderlich viel abgewinnen. An Hasselhoffs Hymne aber kamen auch sie nicht vorbei, schließlich beherrschte sie das Programm der Radiosender in der ganzen Republik. Somit dürfte "Looking for Freedom" auch einer der ersten Popsongs gewesen sein, die in mein kindliches Ohr drangen.

"Abi Looking for Freedom" - und eine große Sause mit David Hasselhoff

Anschließend wurde es in meinem Leben 18 Jahre lang still um den "Baywatch"-Helden. 2008 aber kehrte er mit Rumms zurück – dann nämlich, als meine Münchner Schulfreunde und ich als Abi-Motto die 80er-Jahre auserkoren. Schließlich waren wir der letzte Jahrgang der Schule, der in diesem glorreichen Jahrzehnt geboren war – worauf wir mächtig stolz waren.

Plakat mit David Hasselhoff: Looking for Freedom

Wir waren der letzte Jahrgang der Schule, der in den 80ern geboren wurde - und mächtig stolz darauf


Unser genialer Slogan auf T-Shirts, Flyern, meterlangen Bannern: "Abi Looking For Freedom". Hasselhoffs Mauerfall-Hymne lief auf Dauerschleife - beim Abischerz, der Abifahrt, der Abifeier und bei vielen Gelegenheiten drum herum. Erstaunlicherweise gelang es uns dennoch, in Sachen Textsicherheit nicht über den Refrain hinwegzukommen, aber das nur am Rande.

Seitdem sind weitere zehn Jahre vergangen – und auf fast mysteriöse Weise schließt sich der Kreis. Ich bin, wie schon 1989, gerade wieder nach Hamburg gezogen. David Hasselhoff bereitet sich auf seine "Looking for Freedom"-Revival-Tour in Deutschland vor. Und vor einigen Tagen fand ich eine Interviewanfrage seines Managements in meinem Postfach.

 Noch am selben Abend habe ich David Hasselhoff am Telefon, der sowohl mein Geburtsjahr "amazing" findet als auch die Tatsache, dass meine Schulfreunde und ich uns vor zehn Jahren betrunken zu seinem Song in den Armen lagen. Ob es ihn störe, dass so viele Deutsche von ihm nur dieses eine Lied kennen, frage ich ihn. "Nein, überhaupt nicht", schmettert er gut gelaunt in den Hörer. "Immer, wenn ich den Song singe, drehen alle durch." Es ist acht Uhr morgens bei ihm in den USA, wie kann der Mann zu der Uhrzeit so voller Elan sein?

"Looking for Freedom" als tägliche Suche

Ich denke an die Abifeier zurück. Wenn der Rest von "Alle" nur halbwegs so durchdreht wie wir damals, verstehe ich seine gute Laune aber. "Im Leben geht es einzig und allein darum, glücklich zu sein", sagt er. Wow. Amerikaner durch und durch. "Looking for Freedom" bedeute für ihn die tägliche Suche, sagt er. "Sie beginnt damit, dass wir morgens aufstehen und dankbar dafür sind, dass wir aufwachen durften. Es ist großartig für mich, immer noch über Freiheit zu singen – denn schließlich ist sie ein so wichtiger Teil des Lebens."

Looking for Freedom von David Hasselhoff als Abi-Motto

Abi Looking for Freedom - das Motto meines Abischerzes 2008 in München

Ob es denn auch heute noch Mauern gebe, die es einzureißen gilt, will ich von ihm wissen. Seine Stimme nimmt einen bedrückten Tonfall an. "Die Situation auf der Welt ist sehr schwierig geworden für viele Menschen", sagt er. "Hunderttausende mussten wegen Krieg und Terror ihre Heimat verlassen. Manche Mauern wurden niedergerissen, andere neu gebaut." Doch genug der dunklen Ernsthaftigkeit - schon ist Strahlemann David zurück: "Ich bin der Überzeugung, dass Veränderung damit beginnt, wie wir uns gegenseitig behandeln", sagt er. "Wenn mich jemand aus seinem Auto heraus blöd anmacht oder mich anhupt, versuche ich, ihn anzulächeln und ihm zu sagen 'Hey, hab einen schönen Tag, Mann!'"

Sein Rat: Jeder müsse bei sich selbst anfangen. "Wir sollten uns viel öfter denken 'Ich habe ein fantastisches Leben – warum genieße ich nicht mehr, was ich habe? Und was auch immer passieren mag, soll passieren.'" Gute Einstellung. Nicht neu, aber damit kann ich mich trotzdem anfreunden.

David Hasselhoff muss man ins Herz schließen

Sind die Mauern in den Köpfen der Menschen undurchdringlicher geworden? "Sehr gute Frage", findet David Hasselhoff. Nach kurzem Nachdenken antwortet er: "Ich glaube, dass wir zu gleichgültig geworden sind." Wir akzeptierten einfach, was Schlimmes in der Welt passiere. "Doch es ist nicht akzeptabel. Wir müssen miteinander sprechen, eine Diskussion führen und die anderen fragen 'Warum verhältst du dich gerade so?' Vielleicht gibt es einen Grund dafür. Nehmen wir die Olympischen Spiele: Während der Spiele kommen alle Länder prima miteinander aus und danach fahren alle wieder nach Hause und die Kriege gehen weiter."

 Dass die Welt seit 1989 unkomplizierter geworden ist, kann also auch David Hasselhoff nicht feststellen. Beruhigend. Meine zweite Erkenntnis aus dem Gespräch: Der Held aus "Knight Rider" ist nett – und für eine veritable 80er-Ikone ziemlich wenig abgehoben. Und als er am Ende unseres Telefonats noch davon erzählt, welche Superkraft er gerne hätte, habe ich ihn bereits ins Herz geschlossen - obwohl er in wenigen Minuten gefühlt 40 Mal das Wort "awesome" verwendet hat und so euphorisch amerikanisch ist, dass man sich als vergleichsweise unterkühlte Europäerin eigentlich nur unwohl fühlen kann.

Die Superkraft, die er nämlich gerne hätte, wäre "die Macht, andere Menschen zum Lächeln zu bringen". Das ist wahnsinnig kitschig und wahnsinnig naiv und doch muss man ihn dafür gern haben. Schließlich leben wir in einer Welt, in der es den Menschen immer schwerer zu fallen scheint, sich gegenseitig anzulächeln. Ein bisschen hasselhoffsche Unbeschwertheit ist da genau richtig.  

Tickets für David Hasselhoffs "30 Years Looking For Freedom"-Tour bekommt ihr hier.

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