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21 Quadratmeter Glück: Die erste eigene Wohnung: Eine Ode an die Studentenbutze

Sie war nicht groß, sie war nicht schön, aber sie war meins: Wenn ich heute an meine erste Studentenwohnung denke, wird mir warm ums Herz. Obwohl ich sie damals oft genug verflucht habe.

Klein, schäbig, aber irgendwie toll: Die erste eigene Studentenbude

Klein, schäbig, aber irgendwie toll: Die erste eigene Studentenbude

Mit 20 hatte ich sehr konkrete Wünsche an mein Leben: Eine Badewanne wäre toll. Ein richtiges Bett. Und eine Wohnung, die aus mehr als einem Raum besteht. Ich war damals zum Studieren von Zuhause ausgezogen, in eine andere Stadt. Aus sehr pragmatischen Gründen landete ich in einer Ein-Zimmer-Butze mit hässlichem grauen Linoleumboden, einem Mini-Bad ohne Fenster und einer Kochnische mit Pantryküche.

Letzteres hieß, dass ich mich zähneknirschend daran gewöhnen musste, dass der Kühlschrank in unregelmäßigen Abständen ohne Vorwarnung begann, zornig zu brummen. Auch nachts. Und – ein Zimmer, ne – da war keine Tür zwischen meinem Nachtlager und meinem Kühlschrank. Nachtlager deshalb, weil ich mir als arme Studentin kein Bett leisten wollte und stattdessen Matratzen auf dem Boden verteilte. Dem Boden, den ich, wegen des hässlichen Linoleums, mit einem hässlichen Teppich belegt hatte. Don't ask. Diese Wohnung war ein Desaster, so sehr, dass es im Nachhinein eigentlich lustig ist.

Diese Wohnung war ein sympathisches Desaster

Meine mühsamen Versuche, sie hübsch zu machen, scheiterten an handwerklicher Inkompetenz, wöchentlich wechselndem Geschmack und fehlenden finanziellen Mitteln. Der kleine Pizzaofen, den ich mir in Ermangelung eines Backofens irgendwann zulegte und der nach einigen Wochen anfing, bei jeder Benutzung Feuer zu fangen (ja, richtige kleine Flammen und nein, ich habe ihn nicht deswegen entsorgt) war da nur ein i-Tüpfelchen.

Und trotzdem hing mein Herz irgendwann sehr an diesen 21 Quadratmetern, die bei jeder Interior-Instagrammerin einen sofortigen Würgereiz ausgelöst hätten. Denn in diesem an sich so trostlosen Loch passierten Dinge, die mir heute in einer "anständigen" Wohnung schlicht nicht mehr passieren könnten. Angefangen damit, dass zu jedem Besuch eine ganz zwangsläufige Nähe entstand. Nicht nur zwischen mir und eventuellen Partnern, sondern auch zwischen Freunden, die zum Übernachten kamen.

Auf meinem Matratzenlager entstanden Beziehungen (und ich will nicht sagen, dass mich das nicht traumatisiert hätte, denn es waren nicht meine), hätten Beziehungen beinahe geendet (ach, lange Geschichte) und haben Beziehungen geendet (in dem Fall meine, ja). Mit Freunden lümmelte ich dort herum, löffelte Tomatensuppe aus Pulver mit angebranntem Toast (das Geld für den Monat war alle) und trank den billigen Weißwein aus der Schraubverschluss-Flasche. Wir kamen uns sehr intellektuell dabei vor. An den Wänden sammelten sich Fotos von lieben Menschen und gemeinsamen Abenteuern, Konzerttickets, Festivalbändchen und sonstige Mementos.

Hier entstanden und endeten Beziehungen

Obwohl ich immer wieder ratlos meine hübsch-hässlichen vier Wände betrachtete und mich fragte, warum andere Wohnung nicht so eine skurrile Mischung aus Bohemian-Bude und Ausverkaufecke bei Möbel-Roller waren, liebte ich sie irgendwann wirklich. Weil sich mein Leben so darin widerspiegelte. Und mein Studentenleben war wirklich ziemlich gut. 21 Quadratmeter Freundschaft, Drama, Musik, Pläne und Träume.

Heute habe ich eine richtige Wohnung mit richtigen Möbeln. Mit einer richtigen Küche und einem Backofen. Mit einem Bett und einer Badewanne. Einigermaßen instagramtauglich. Aber manchmal, manchmal vermisse ich meine winzige, ewig provisorische Studentenbude. Denn so konkret und bescheiden waren meine Wünsche ans Leben nie wieder.

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