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Interview

Body Positivity: Curvy Model: Warum mir dieses Vorher-Nachher-Foto meinen größten Shitstorm einbrachte

Charlotte Kuhrt kämpft gegen den Schlankheitswahn und für mehr Liebe zum eigenen Körper. Cellulite oder Bauchfalten sind für das Model natürliche Begleiter, die es zu lieben gilt – auch, wenn selbst ihr das manchmal schwer fällt. Der NEON-Lovestorm mit Charlotte Kuhrt.

Body Positivity: Curvy Model: Warum mir dieses Vorher-Nachher-Foto meinen größten Shitstorm einbrachte

Hasskommentare und sogenannte Shitstorms sind im Netz leider allgegenwärtig. In der neuen NEON-Serie "Lovestorm" wollen wir das Positive aus den sozialen Netzwerken in den Vordergrund rücken. Wir stellen euch ab sofort jeden Montag herausragende Persönlichkeiten vor,  die mit ihrem Engagement einen Unterschied in dem sonst so oberflächlichen Instagram-Kosmos machen. Unter dem Hashtag #happymonday und #mondaymotivation legen wir unseren Leser damit Kanäle ans Herz, die inspirieren, mitreißen oder uns ein bisschen schlauer machen.

"Beauty not size", Schönheit statt Kleidungsgröße – so der Name von Charlotte Kuhrts Blog. Es ist auch das Motto der Berlinerin, die sich in den sozialen Netzwerken für mehr Liebe, Akzeptanz und weniger Selbstzweifel mit Blick auf den eigenen Körper einsetzt. Charlotte ist zu einer Aktivistin für Body Positivity geworden, die gegen den Schlankheitswahn rund um Größe 36 ankämpft. Cellulite, Speck oder Bauchfalten sind für das Curve Model natürliche Begleiter, die es zu lieben gilt – auch, wenn selbst ihr das manchmal schwer fällt. Häufig wird sie für ihr Übergewicht kritisiert, doch für die Bloggerin steht fest: „Gesundheit fängt auch im Kopf an.“

Auf Instagram hat die junge Frau über 95.000 Follower. Woher nimmt sie ihre Inspiration, was was ihr bisher schlimmster Shitstorm und was kann sie an der Social-Media-Welt nicht leiden?

Wer bist du und worum geht es auf deinem Blog?

"Hi, mein Name ist Charlotte Kuhrt. Ich komm aus Berlin und hab meinen Blog BeautyNotSize vor zwei Jahren gegründet – so ein bisschen aus der Not heraus. Ich hab damals noch als Curve Model und Art Direktorin hauptberuflich gearbeitet und war so auf dem Weg zur Selbstliebe und hab gemerkt: Es gibt gar keine Plattform darüber. Niemand redet darüber. Niemand redet über Themen wie Körperbild oder ich fühl mich unwohl oder wohl in meinem Körper. So entstand BeautyNotSize. Eigentlich als Plattform für alle Frauen, die mal mit ihrem Körper gestruggelt haben oder auf dem Weg zur Selbstliebe sind. Ich wollte einfach inspirieren und zeigen: Egal welche Größe ihr habt, ihr könnt euch lieben und ihr könnt euch wohlfühlen."

Warum ist dir deine Plattform so wichtig?

"Ich stecke so viel Herzblut in diesen Blog, weil ich über die Jahre gemerkt habe, wie vielen Frauen es eigentlich nicht gut geht mit ihrem Körper. Wie viele Frauen sich unwohl fühlen und wie viele Frauen, auch jeder Größe – mir folgen auch Mädels mit einer Größe 38 – immer wieder Probleme haben, sich zu akzeptieren. Ich merke einfach, ich kann unglaublich viel bewegen, indem ich einfach ich bin und mich so zeige wie ich bin. Das bedeutet mir unglaublich viel und ist echt zu einem Herzensprojekt geworden."

Wer oder was inspiriert dich?

"Ich selbst folg einer relativ großen Bandbreite an Frauen. Auch nicht nur kurvigen Frauen wie mir selbst. Mich inspirieren vor allem Frauen, die ihr eigenes Business aufgebaut haben. Ich folge sehr, sehr vielen Yogalehrern. In die spirituelle Richtung geht es bei mir oft. Mich inspirieren aber auch viele meiner Freunde. Ich habe gerade in meinem näheren Umfeld Leute, die sich etwas aufgebaut haben, die für etwas stehen und auch eine eigene Meinung zu Dingen haben und das finde ich mit das Inspirierendste."

Was kotzt dich in der Social-Media-Welt an – und was liebst du daran?

"Was mich tatsächlich oft nervt bei Social Media ist das Nachgeahme. Viele probieren so zu sein wie all die anderen Blogger. Somit ergibt sich eine riesige Masse an Mädels, die gleich aussehen, die das gleiche transportieren und die vor allem sehr oberflächliche Profile haben.   Ich würde mir wünschen, viel mehr Leute würden Themen mit Tiefgang behandeln, würden über Rassismus, Nachhaltigkeit, Körperliebe etc. sprechen. Ich finde, oft gehen wichtige Themen wirklich unter. Ich kann komplett ohne Regeln, ohne dass jemand mir etwas vorschreibt, sein wer ich bin. Ich kann so viele Leute inspirieren und hab so eine große Community bilden können, wie ich es im echten Leben nicht hätte tun können. Außerdem liebe ich den Austausch. Ich hab nicht nur Freunde gefunden über Instagram. Ich hab Frauen gefunden, die mich unglaublich inspirieren, mit denen ich jeden Tag schreibe und mich austausche, die ich sonst nie kennengelernt hätte." 

Was war dein bisher größter Shitstorm und wie bist du damit umgegangen?

"Meinen bisher größten Shitstorm hab ich tatsächlich unter einem Bild bekommen, unter einem Vorher-Nachher-Bild, wo ich total aufgeregt war, das zu posten. Und zwar ein Bild von mir früher mit circa 20 Kilo weniger als jetzt, und ein Bild jetzt. Beides in Wäsche. Und darunter ein relativ langer Text über mentale Gesundheit. Dass ich nicht nur zugenommen habe, sondern vor allem an mentaler Gesundheit zugenommen habe. Darunter haben natürlich sehr, sehr viele Leute kommentiert, dass ich doch lieber schlank geblieben wäre, dass ich jetzt ungesund bin. Mich hat es tatsächlich gar nicht berührt. Einfach weil ich dieses Bild gepostet hab für mich. Um anderen zu zeigen: ‚Hey, schlank ist nicht gleich gesund, weil Gesundheit fängt auch im Kopf an.’ Tatsächlich hat mir das nur gezeigt, wie weit unsere Gesellschaft noch kommen muss." 

Was ist das Schönste, was dir je von einem deiner Follower gesagt wurde?

"Ich glaube, ich hab gar nicht die eine schönste Nachricht oder den einen schönen Satz, den ich je bekommen hab. Es ist tatsächlich eine Summe an Dingen, dir mir gesagt wurden. Meistens sind das Sachen wie, du hast mein Leben verändert. Dank dir trau ich mich jetzt jenes oder dieses. Ich möchte, dass meine Kinder dich sehen, wenn sie groß werden. Das sind echt die Sachen, die mich doll berühren, wenn du das Leben von Leuten beeinflussen kannst, positiv beeinflussen kannst und Dinge veränderst."