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Sexrettung Das hat mein Sexleben gerettet: "Sie konnte gut schlagen"

Sexrettung: Das hat mein Sexleben gerettet: "Sie konnte gut schlagen"
© Illustration: Mrzyk & Moriceau
Nikolai, 35, träumte schon lange davon, im Bett geohrfeigt zu werden, hatte dafür aber keine Partnerin. 

Antonie und ich waren essen gegangen, hatten in ihrem Büro gevögelt und waren anschließend durch die Stadt spaziert. Es war Zeit, sich zu verabschieden. Wir hätten uns küssen können. Stattdessen schallerte sie mir eine auf dem knallvollen Bahnhof. Ein junges Mädchen schaute mich entsetzt an, ein älterer Herr tat so, als hätte er nichts gesehen. Sie wussten nicht, wie sehr es uns anmachte, uns gegenseitig zu ohrfeigen. Antonie lachte, ich grinste und stieg in den Zug.

Angefangen hatte alles bei einem Abendessen in der Wohnung von Freunden. Dass Antonie und ich uns gut fanden, war schon lange klar. Als wir uns zum Abschied küssten, war das eher ein Experiment, um zu schauen, was passiert, wenn man seinen Gelüsten einfach mal nachgeht. Mehr geschah in dieser Nacht noch nicht. Weil sie in Wien wohnte und ich in Stuttgart, konnten wir uns die nächsten drei Wochen nur SMS schicken. Die wurden immer expliziter: Berichte von wilden Sexträumen, Nacktfotos und immer konkreter werdende Pläne von einer Nacht im Hotel. Als Antonie endlich zu Besuch kam und wir nackt in einem Hotelzimmer lagen, waren wir beide in der Stimmung, alles Mögliche auszuprobieren.

Bock auf Blümchensex

Durch die ganze Vorrede war klar, dass wir beide Bock hatten, nicht mit Blümchensex anzufangen, sondern zu gucken, was sonst noch geht. Dass ich es gut fand, geohrfeigt zu werden, wusste ich schon eine ganze Weile, aber meine Ex-Freundin hatte es immer komisch gefunden. Antonie dagegen fand es lustig – und sie konnte gut schlagen: kraftvoll, gezielt, aber nicht gewalttätig. Es war genau das, was ich wollte. Ein bisschen Sterne sehen, ein bisschen Schwindel in diesem Moment, in dem der Körper kurz in Alarmstimmung gerät. Ein wahnsinniges Aphrodisiakum, als würde man Shots trinken, während man vögelt. Dass das Teil unserer Affäre sein würde, war sofort klar. Sie schlägt mich, bevor ich in den Nachtbus steige, zur Begrüßung, im Restaurant, wenn der Kellner sich gerade wegdreht. Und ich schlage sie auch.

Die Ohrfeigen wurden zu einem kleinen, verbotenen Spiel, dessen Reiz gerade darin bestand, dass Gewalt zwischen Männern und Frauen eines der großen Tabus unserer Gesellschaft ist. Ich weiß nicht, was es bedeutet, dass ich das jetzt auslebe. Ob die Faszination irgendwann nachlässt. Sind Ohrfeigen ab jetzt zwingende Voraussetzungen für meine nächsten Beziehungen? Suche ich ab sofort eine Frau, die wenigstens ab und zu Lust hat, mir eine runterzuhauen? Oder ist das eher eine Laune, und langfristig wird das Spiel langweilig? Ganz ehrlich, ich habe keine Ahnung.

Theresa Bäuerlein fragt jeden Monat Menschen, was ihr Liebesleben verbessert hat. Erzählt uns eure Geschichte. Schreibt an: sexrettung@neon.de

Dieser Text ist in der Ausgabe 11/2016 von NEON erschienen. Hier können Einzelhefte nachbestellt werden. NEON gibt es auch als eMagazine für iOS & Android. Auf Blendle könnt ihr die Artikel außerdem einzeln kaufen. 


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