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Meinung

Eine Frage der Verantwortung: Ist es manchmal besser, Freunde in der Krise fallen zu lassen? Nein. Niemals!

Ist es manchmal wirklich besser, Freunde fallen zu lassen? Diese Frage wirft ein Text auf, der seit einiger Zeit in den sozialen Medien kursiert. Unseren Autor schockiert sowohl die Frage, die von der Autorin aufgeworfen wird, als auch und erst recht die Antwort. Eine Gegenrede.

Freundschaft Krise

"Wenn ich überlege, wie es mit einer Freundschaft weitergehen soll, sollte ich mir immer überlegen, ob das Geben und Nehmen einigermaßen ausbalanciert ist"

"Darf ich Freunde in der Krise fallen lassen?" So lautet die Überschrift eines Artikels der Autorin Christina Scholten, veröffentlicht auf jetzt.de. Ich habe ihn schon vor Wochen gelesen, veröffentlicht wurde er bereits vor Monaten. Aber er geht mir einfach nicht aus dem Sinn. Weil er mich so wütend macht.

Denn Scholten beantwortet ihre provokante Frage tatsächlich mit: ja, darf ich. Kurz zusammengefasst handelt der Text davon, wie ihre Freundin Marie in eine schwere psychische Krise gerät und Scholten nach einem (einzigen!) Treffen feststellt, dass ihr das alles zu viel wird. Sie habe bisher zwar immer geholfen, wie sie konnte, wenn sie mit psychischen Problemen in ihrem Umfeld konfrontiert wurde: "Aber darum weiß ich eben auch, wie anstrengend es ist, sich ständig kümmern zu müssen."

Freundschaft: Bilanz gemeinsamer Geschichte

Das Problem: Im Fall Marie kann von ständig keine Rede sein, Scholten wendet sich laut eigener Aussage quasi sofort ab. "Ich habe Marie nicht mehr angerufen", heißt es im Text, "ihr keine Hilfe angeboten." Sie scheint auch nicht wirklich wissen zu wollen, was ihre Freundin eigentlich bedrückt. Sie fühlt sich von Maries offensichtlicher Schieflage bloß überfordert.

So weit, so fragwürdig. Komplett unsympathisch wird es aber, als die Autorin den Psychologen und Freundschaftsforscher Horst Heidbrink zu ihrer Situation befragt. Der legitimiert Scholtens Flucht vor der Verantwortung für ihre Freundin mit dem Totschlagargument: "Man kann niemandem helfen, der sich nicht helfen lassen will." Das mag in extremen Fällen stimmen, vor allem gibt es im Umgang mit Suchtkranken ab einem gewissen Punkt oft keine andere Möglichkeit mehr.

Nur: Scholten versucht gar nicht, Marie zu helfen. Stattdessen lässt sie sich von Heidbrink eine Kosten-Nutzen-Rechnung aufstellen, die er mit Argumenten füttert, die kein Wall-Street-Banker zynischer formulieren könnte. Es gebe in Freundschaften keine Verpflichtungen, aber eine Art Faustregel: "Freundschaften beruhen immer auf gegenseitigem Geben und Nehmen. Wenn man sich entscheidet, wie man für den Freund da sein möchte, zieht man quasi automatisch eine Bilanz der gemeinsamen Freundschaftsgeschichte."

Häh?

Zwar finde man immer gute Gründe jemandem zu helfen, so Heidbrink weiter: "Aber man muss sich darüber im Klaren sein, dass man durch großzügige Hilfe auch ein Ungleichgewicht in die Freundschaft bringt." Demnach fühle sich der, der die Hilfe erhalte, später häufig gezwungen, dies später ausgleichen zu müssen: "Wenn ich überlege, wie es mit einer Freundschaft weitergehen soll, sollte ich mir immer überlegen, ob das Geben und Nehmen einigermaßen ausbalanciert ist."

Scholten checkt nicht, dass sie damit das Fundament jeder Freundschaft und jeder Liebesbeziehung verrät. Sollten dies nicht die letzten Bereiche unseres egozentrischen Lebens sein, in denen es nicht vorrangig um den eigenen Nutzen geht? Wer sich auf einen anderen Menschen ernsthaft einlässt, sollte dies nicht in der Erwartung tun, eine angemessene Gegenleistung zu erhalten. Freundschaft ist nicht berechenbar, sie ist kein Deal, sondern das Gegenteil: Sie sollte keinen logischen Maßstäben folgen. Niemand sollte "Ich liebe dich" sagen, nur damit der Adressat sagt: "Ich dich auch." Wer so denkt, wird niemals richtig lieben können.

Kein schlechter Mensch, aber ziemlich feige

Die Autorin nennt es "rational", wenn sie trotzdem folgende Schlussfolgerung zieht: "Wer sich selbstlos für jemanden aufopfert, der das Gleiche nicht für einen selbst tun würde, macht sich damit kaputt." Im Umkehrschluss heißt das: Dann möge doch lieber der andere Mensch, der einem eigentlich mal wichtig war, kaputt gehen. Was für eine aberwitzige Abwägung. Dass man es manchmal nicht alleine schafft, dass es die Aufgabe eines jeden guten Freundes ist, dem Betroffenen in Not zu helfen, ohne dass dieser seine Bedürftigkeit explizit anmelden muss – spielt für Scholten und Heidbrink nur eine untergeordnete Rolle. Ihr Motto: Rette sich, wer kann. Und: Jeder ist sich selbst der Allernächste.

Ist es manchmal besser, Freunde in der Krise fallen zu lassen? Nein. Niemals. Wirklich: niemals! "Bin ich ein schlechter Mensch, weil ich die Verantwortung nicht übernehmen will?", fragt Scholten. Schlecht nicht, zumindest können wir das als Leser nicht beurteilen. Aber offenbar ziemlich feige.

Themen in diesem Artikel
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.
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