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Test: Ein Intimpflegestab als Lusttempel? Unsere Autorin macht den Selbstversuch

Ein Intimpflegestab soll den weiblichen Körper zum Lusttempel machen. Unsere Autorin ist skeptisch - und zwar zu Recht.

Von Theresa Lachner

Vagina

Die Vagina unserer Autorin war vom Intimpflegestab wenig begeistert

Über Sex schreiben ist ein harter Job, aber irgendjemand muss es tun. Normalerweise enden meine Selbstversuche allerdings im schlimmsten Fall auf der Couch meiner Therapeutin und nicht in der gynäkologischen Ambulanz einer Uniklinik. Als ich auf dem Anmeldeformular bei der Frage "Handelt es sich um einen Arbeitsunfall?" "Ja" ankreuze, kann ich dann schon fast wieder lachen.

Ja, ich stecke mir manchmal beruflich Dinge in die Vagina. In diesem Fall: einen Intimpflegestab, der "die jahrhundertealten Schönheitsgeheimnisse Asiens" beinhalten und enorm zu meiner erotischen Ausstrahlung beitragen soll. Granatapfelextrakt, Tropfsteinkristalle und Porzellanerde, nach alter Ayurvedalehre per Hand über Feuer gebrannt (circa 90 Euro, secretceres.com).
Optisch irgendwo zwischen Tafelkreide und einem sehr langen Tampon angesiedelt, soll das gute Stück ein bis zweimal pro Woche in die Vagina eingeführt werden und dort alles besser machen.

Mein Körper soll zum Lusttempel werden

Im Internet heißt es über den "Secret Ceres" blumig: "Der weibliche Körper funktioniert ähnlich wie ein Rosenbusch: Sämtliche Nährstoffe und Mineralien werden über seine Wurzeln aus der Erde aufgenommen, um in voller Pracht zu erblühen. Die Wurzeln einer Frau stehen hierbei für ihren Lusttempel, ihre Sexualorgane und ihre Libido."

"Hallo I bims 1 Rosenbusch", texte ich meiner Affäre, nachdem ich die Tafelkreide in meinen Lusttempel eingeführt habe, um herauszufinden, ob meine erotische Ausstrahlung sich schon verbessert. Und: "Das britzelt so krass komisch, hast du das schon mal ausprobiert?" an meinen Lieblings-Sexcoach. Wenn sich eine mit diesem Eso-Healing-Gedöns auskennt, dann sie. Meine Vagina fühlt sich inzwischen an wie der bröselige Topf Magnesium vom Geräteturnen.

Sexting läuft - der Rest leider nicht

"Und?", will die Affäre wissen. "Keine Ahnung. Irgendwie schmeckt meine Muschi jetzt nach Ahoj-Brause Himbeer", texte ich zurück. Er: "Davon muss ich mich selbst überzeugen." Sexting läuft bei mir. Volle Punktzahl für die erotische Ausstrahlung! Doch leider komme ich erst mal nicht dazu, die Blüten meines frisch gehegten Rosenbuschs zu ernten, denn er brennt wie Feuer, mein Unterleib krampft sich zusammen.

"Alles Teil des Detox-Prozesses!“, kommt auf meine aggressive Mail an den Hersteller zurück. In der Ambulanz ist man da anderer Meinung. "Sie haben Scheidenpilz!" , teilt mir das Labor nach einer enervierend langen Analyse mit, bei der wohl die Frage "Warum zur Hölle sind da Kreidespuren?" eine nicht unwesentliche Rolle spielte. In der Apotheke drückt man mir eine rosa Packung Scheidenspülung in die Hand. Hauptwirkstoff: Rosenölextrakt.

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