HOME
Kolumne

Das hat mein Sexleben gerettet: Angespannt zum Höhepunkt: "Brettsteif dazuliegen ist nicht sexy. Aber es funktioniert."

Angelina, 33, kam nie beim Sex. Bis sie sich wie ein Bobfahrer hinlegte und ihre Vagina anspannte. Sie erklärt, warum man sich als Frau nicht unbedingt entspannen muss, um einen Orgasmus zu haben. 

Von Theresa Bäuerlein

Frau liegt im Bett

Um als Frau einen Orgasmus zu haben, muss man sich entspannen heißt es immer. Angelina stellt das Gegenteil fest (Symboldbild) 

Unsplash

"Lange Zeit war ich eine der Frauen, die beim Sex nie einen Orgasmus haben. Auch dann nicht, wenn mein Partner oder ich meine Klitoris angefasst haben. Ich war deswegen nicht komplett unbefriedigt – ich hatte Orgasmen, aber eben nur vor oder nach dem Sex. Doch dann kam der Tag, an dem ich kam. Und zwar einfach deswegen, weil ich genau das Gegenteil von dem tat, von dem ich dachte, dass ich es tun sollte.

Mein Freund und ich schliefen ganz normal miteinander, in der Missionarsstellung, als er spontan nach meinen Beinen griff und sie unter sich zusammenklappte. Er lag also nicht mehr zwischen meinen Beinen, sondern wirklich auf ihnen drauf. Man kann es sich in etwa so vorstellen, wie der Bobfahrer Hackl Schorsch in der Bahn liegt.

"Angespannt, so also würde ich mein Inneres nach außen drücken"

Durch das Zusammendrücken der Beine wurde alles enger. Er konnte so mehr Reibung spüren, ich wiederum merkte, dass ich auf diese Weise viel mehr Kontrolle darüber habe, wie tief er in mich eindringt. Eine ganz neue Erfahrung. Die meisten Stellungen sorgen ja dafür, dass der Mann Schnelligkeit und Intensität der Bewegungen bestimmt. Nur wenn ich als Frau oben sitze, kann ich mehr kontrollieren. Dann aber muss ich sehr aktiv sein und kann mich nicht richtig auf mich selbst konzentrieren. 

Jetzt konnte ich unter ihm liegen und trotzdem seine Bewegung bestimmen. Gleichzeitig merkte ich, wie es mich erregte, wenn ich dabei meine Vagina richtig anspannte. Das hat sich so gut angefühlt, dass ich mich immer mehr angestrengt habe wirklich so, als würde ich mein Inneres nach außen drücken. Und auf einmal passierte der Rest von selber ich bekam einen Orgasmus! Total irre, nach mehr als einem Jahrzehnt Vögeln! Mein Freund war natürlich mächtig stolz. Ich würde sagen, er ist Feminist. Aber jeder Mann ist begeistert von sich, wenn er der erste Dude ist, der das Girl zum Orgasmus bringt.

Entspannung bringt nicht jede Frau zum Höhepunkt

Ab diesem Moment war ich richtig erbost darüber, dass ich jahrelang die falschen Informationen bekommen habe. Immer wieder hört man ja, dass eine Frau sich entspannen muss, um einen Orgasmus haben zu können. Mich hat völlig überrascht, wie viel ich in Wirklichkeit dafür mitarbeiten muss.

Dieses erste Mal ist jetzt ungefähr drei Jahre her. Seitdem haben wir nur noch auf diese Weise Sex. Klar, das sieht nicht aus wie im Film. Und steif wie ein Brett dazuliegen ist auch nicht besonders sexy. Aber das ist mir egal. Mein Gefühl für Sex hat sich durch diese Technik total verändert. Vorher gab es immer den Sex als Akt und nur vorher oder nachher ging es um meine Befriedigung. Jetzt können wir das ganze Programm gemeinsam erleben."

Dieser Artikel ist erstmals in der NEON-Ausgabe 07/2017 erschienen.

NEON-Reihe #sexbewusst: Muttermund als erogene Zone? Diese Frau erklärt, wie das geht

heft/gho
Themen in diesem Artikel