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NEON-Reihe #sexbewusst Blick auf Vulva und Vagina: Warum es sich lohnt, die Lustzonen im Becken zu kennen

SPRECHERIN: Jessica Kröll
GRAFIK: Philipp Möller


Warum fühlen sich manche Orgasmen an wie ein flüchtiges Beben und andere erfassen uns wie ein Gewitter? Eine Möglichkeit das zu verstehen, liefern die Nerven um Vulva und Vagina. 
 
1. Klitoris - die Elektrisierende 
Die Klitoris ist das sensitivste Organ in unserem Becken. Sie umfasst nicht nur die kleine Spitze, sondern ihre Schenkel strecken sich bis in die Vagina hinein. Bis zu 8000 Nerven enden an ihr, damit hat sie mehr Nervenenden als der Penis (etwa 4000).


Die Klitoris ist keine One-Women-Show. Sie ist mit der Vagina verbunden. Auch wenn wir nur äußerlich berührt werden, bebt unsere Vagina beim Orgasmus mit. 


Diese Orgasmen beschreiben viele Frauen als: elektrisch, scharf, konzentriert, explosiv, heftig, entschieden, stechend. (Quelle: Hite-Report)


Die Klitoris ist vor allem mit dem Schamnerv vernetzt, der einen Grund für diese besondere Empfindungsfarbe liefern könnte.


Das unterschiedliche Genitalbereiche verschiedene Gefühle auslösen könnten, lassen MRT-Aufnahmen von Frauen vermuten, die sich selbst befriedigen. Je nach Stimulation wird ein anderer Bereich im Gehirn aktiv.
2. Vagina - die Gefühlvolle
Im Körper schmiegt sie sich eng and den Enddarm und die Harnröhre.
Sie besteht aus einer Schleimhaut, die von Muskeln und Bindegewebe umgeben ist.
Sie hat weniger freie Nervenenden als die Klitoris.
Auf der vorderen Wand der Vagina liegt ein schwammartiger Bereich, der für Frauen sehr lustempfindlich sein kann.
G-Punkt, weibliche Prostata oder in Panama "La Bella Loca" - dieser Bereich 
variiert in der Größe, und Frauen empfinden dort erst Lust, wenn sie bereits erregt sind. 
Der G-Punkt wurde entdeckt, dementiert, neu definiert: Viele Forscher glauben heute, dass Lust hier durch die weibliche Prostata entsteht, einem Nervengewebe, das um die Harnröhre liegt.
Die Vagina ist mit dem Scham- und dem dem Beckennerv vernetzt. Frauen beschreiben Orgasmen hier als: pulsierend, weich, ausgedehnt, emotional, wie ein Erdbeben, tief, langsam, zärtlich, vulkanisch, durchdringend.(Quelle: Hite-Report, The G-Spot)
3. Muttermund (Zervix) - der Geheimnisvolle
Der Zervix bildet den schützenden Übergang von der Vagina zur Gebärmutter. 
An ihm soll es einen weiteren Punkt geben, der bei steigender Lust empfindsam reagiert, der A-Punkt. Er ist bisher allerdings erst wenig erforscht worden.
 Über die gesamte Fläche des Muttermunds wissen wir mehr. Berührungen dort fühlen sich für die meisten Frauen dort taub oder sogar schmerzhaft an.
 Es gibt aber auch Frauen, die diese Fläche als
erogene Zone erleben. Mehrere querschnittsgelähmte Frauen erfuhren in einer Studie durch ihn einen Orgasmus.
 Im Muttermund sind gleich drei Nerven vernetzt. Einer von ihnen ist der Vagusnerv.
Er führt nicht über die Wirbelsäule, sondern über Bauch und Brust zum Gehirn.
Eine Frau, die in einer Studie einen Zervix-Orgasmus erlebte, verglich ihn mit "einem Sternenschauer“. (Quelle: The science of orgasm)
 Neben dem Nervennetzwerk spielen Hormone für Gefühle bei Orgasmen eine wichtige Rolle. Wie die einzelnen Systeme genau zusammenwirken, beginnen wir erst langsam zu verstehen.
Und nicht zuletzt sind auch Damm und Enddarm mit empfindsamen Nerven durchzogen.
Was in der Forschung getrennt wird, spielt für uns beim Sex als Einheit zusammen:
Orgasmen, die im Becken entstehen, sind immer eine Mischung unterschiedlicher Eindrücke dort.
Und jeder Körper ist unterschiedlich: Das gilt auch für die Nervenverzweigungen.
Orgasmen können auch in anderen Teilen unseres Körper entstehen: in den Brüsten, den Bauchmuskeln oder auch ganz ohne Berührung.
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Beim Sex können sich Bereiche in der Vulva und Vagina sehr unterschiedlich anfühlen. Kein Wunder, denn im Becken kommen viele Nerven zusammen. So verlaufen sie, und so sensitiv sind die einzelnen Zonen. 

Wie sich die einzelnen Bereiche in unserem Becken anfühlen, hängt mit unseren Erfahrungen beim Sex und der Anatomie unseres Beckens zusammen. Von Frau zu Frau sieht das sehr unterschiedlich aus. In dem animierten Video oben erfahrt ihr, wie die Nerven um Muttermund, Vagina und Klitoris verzweigt sind. Und was wir darüber wissen, wie Frauen Lust in diesen Zonen erfahren.  

Es lohnt sich, die eigenen Organe im Becken genauer zu erkunden:  Oliva Bryant hat ein Programm entwickelt, durch das Frauen den Innenraum ihrer Vagina besser fühlen können. Ob es Orgasmen tatsächlich verbessert, ist nicht bewiesen, und wird gerade im Rahmen einer Studie erforscht. Das vorläufige Ergebnis: Orgasmen verändern sich dadurch nicht. Viele Frauen, die am Programm teilnahmen, erlebten aber mehr Lust und weniger Schmerzen beim Sex. Zudem hatten sie nach dem Programm ein besseres Selbstbild ihrer Genitalien.

Neben Bryants Programm gibt es auch Angebote anderer Sexcoaches, die das Vaginal Mapping anbieten - wie zum Beispiel Bonnie Bliss -  oder Tantrakurse für Frauen, wie zum Beispiel NoGuru oder Aruna.

Ihr wollt ausprobieren, wie es sich anfühlt, das Innere mehr zu erkunden? In der neuen Folge unseres Podcasts haben wir eine Übung aus Olivia Bryants Kursfür euch: Sie hilft euch, eure Vagina und den Muttermund wahrzunehmen und die Muskeln im Becken zu entspannen. Wir haben sie zusammen mit der Sexualtherapeutin Susanna Sitari-Rescio für euch aus dem Englischen übersetzt und adaptiert. Viel Spaß beim Zuhören!


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