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sexbewusst-header-img #SEXBEWUSST Die neue NEON-Serie für junge Frauen und alle, die sich sonst noch dafür interessieren

NEON-Reihe #sexbewusst: Tantra-Expertin verrät, worauf es bei der Massage ankommt

Tantra kennen viele vor allem als Intimmassage. Neben der Technik ist dabei auch eine Form der Sprache wichtig, sagt Nhanga Grunow. Die Tantraausbilderin unterrichtet unter anderem Frauen in der Massage für Frauen. NEON hat mit ihr über die Kommunikation dabei gesprochen.

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NEON-Reihe #sexbewusst
Darauf kommt es bei einer guten Berührung an

Wenn sich eine Frau mit Berührungen auskennt, dann ist es Nhanga Christina Grunow. Seit 15 Jahren bildet sie Menschen in der Tantramassage aus – einer Massage, bei der auch die Genitalien eine große Rolle spielen. Sie hat mehrere Anleitungen über die Intimmassage veröffentlicht. Tantra ist eine indische Philosophie, in der Sexualität nur einen Aspekt darstellt. 

Grunow gehört zu den Wegbereiterinnen für die Tantramassage in Deutschland. Sie hat eine Ausbildung für eine Frauenmassage entwickelt: Frauen massieren Frauen. Wichtig ist dabei neben der Technik: Kommunikation. 

Was ist das Wichtigste für eine gute Berührung?

Nhanga Grunow: Eine wirklich gute Berührung entsteht da, wo man miteinander in Kontakt geht.Und Kontakt heißt auch in verbalen Kontakt. Es ist ein ganz wichtiger Teil meiner Schule, die Fühlsprache wieder zu lernen.

Was ist die Fühlsprache?

Das ist etwas, was einen zutiefst mit sich selbst wieder in Berührung bringt. Und es ist etwas, das uns als Kind gegeben ist, und was uns aber wieder abtrainiert wird. Und zwar sind wir es gewöhnt, uns von unseren Gefühlen abzuspalten, und dann über sie zu sprechen. Also mit einem völlig nüchternen Gesicht zu sagen: "Ich bin gerade total wütend." Das hat etwas mit zivilisiertem Verhalten zu tun. Es führt aber dazu, dass wir die Gefühle nicht mehr wirklich wahrnehmen. Dass wir sie nicht mehr benennen können – und vor allem, dass wir sie nicht mehr ausdrücken können. Und das, was mit Kommunikation gemeint ist, da ist es ganz wichtig: Wie fragt man?

Und wie fragt man?

Wenn ich Frauen, die nicht in meinem Training waren, frage, wie es sich für sie anfühlt, sagen sie gerne: "Gut." Was ich in der Massageausbildung aber mache ist: Ich lasse "gut" als Wort nicht gelten. Gut ist keine Option. Und dann stellen sie oft fest, dass sie  eigentlich gar nicht so genau wissen, wie sie sich fühlen. Dann nehmen sie sich Zeit und schauen genauer: Wie fühle ich mich? Oft sind dann mehrere verschiedene Gefühle da. Dann versuchen wir das Hauptgefühl rauszugreifen. Und was daraus resultiert, wenn man das wieder gelernt hat: Man bekommt auf einmal die Möglichkeit zu einem authentischem Selbstausdruck während der Massage.

Was bedeutet das?

Wenn du gefragt wirst, wie du dich gerade in deinem Körper fühlst, kannst du dann zum Beispiel ganz authentisch sagen: "Es fühlt sich gerade wohlig warm an." Und wenn man Masseurin ist und bei mir die Ausbildung gemacht hat, dann spiegelt man das. "Aha, es fühlt sich wohlig warm an in dir. Lass das doch im Moment mal da sein." Und was das auslöst ist, dass sich die Empfängerin in ihrem Sosein positiv bestätigt fühlt. Und das führt sie in einen tieferen Entspannungsraum.

Das ist noch viel stärker so, wenn man negative Gefühle empfindet – was durchaus sein kann. In der Massage können wir an Bereiche kommen, in denen es sich nicht so schön anfühlt und wo zum Beispiel Trauer aufsteigt und Tränen fließen. Und dann bekommt die Empfängerin gespiegelt: "Aha, du wirst gerade total traurig. Lass das doch mal einen Moment da sein." Und einfach nur dadurch, dass sie die Erlaubnis hat, traurig zu sein und dass die Tränen fließen dürfen, öffnet sich das System weiter.

Das klingt wie eine Therapie.

Der Unterschied zwischen Therapie und Körperarbeit ist: Bei der Körperarbeit ist die Empfängerin allein verantwortlich für ihren Prozess. Also wenn sie jetzt aus einer Massage geht und hat ein großes Thema geöffnet, dann geht sie damit zur Therapeutin und bearbeitet das dort – sie sucht sich aktiv Hilfe. Und das bin nicht ich. Denn ich bin keine Therapeutin. Ich bin Masseurin.


Neuer Podcast: Achtsame Berührung – so geht's

Wie geht das eigentlich: gutes Berühren? In unserem neuen Podcast der #sexbewusst-Reihe könnt ihr das selbst ausprobieren. Sexualberaterin Susanna-Sitari Rescio lädt euch ein, verschiedene Qualitäten von Berührung an euch selbst auszuprobieren.

Welche Berührungen sind angenehm? Welche Körperbereiche lösen welche Empfindungen aus? Wie zart kann eine Berührung sein? In dieser 20-minütigen Übung könnt ihr euch auf die Suche begeben. Viel Spaß dabei!

Alle Podcasts der NEON-Reihe #sexbewusst mit Übungen und Meditationen findet ihr hier.



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