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Liebeskummer: Und dann tut es doch weh: Wenn die große Liebe einen neuen Freund hat

Jede Liebe tut zweimal weh – mindestens. Einmal, wenn sie gescheitert ist. Und noch einmal, wenn jemand anders den Platz einnimmt, den man selbst so verzweifelt zu füllen versucht hat.

Gebrochenes Herz

Wenn die große Liebe sich anderweitig umschaut, muss das Herz einiges aushalten

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Du hast es versucht, du hast alles versucht. Da ist diese Frau, von der du so lange gedacht hast, dass sie wirklich "die Richtige", wenn es so etwas gibt, ist und stehst am Ende doch allein da. Nur begleitet von viel zu vielen Gedanken, die du besser nicht denken solltest, von noch ein paar mehr Rissen im Herzen und einer Playlist von Songs, die du hörst, wenn du im Bett an die Decke starrst, und deren Zeilen du in dein Tagebuch schreibst. Leiden mit Stil.

Breaking News: Liebe tut weh. Meistens immer wieder, mindestens aber zweimal. Einmal, wenn sie daneben geht. Und dann noch einmal, wenn der Andere weiterzieht, deinen Platz mit jemand anderem füllt und du staunend zurückbleibst. Der Weg dorthin geht durch sechs Phasen.

Phase 1: Das erste Mal.

Du hast es versucht, und es hat nicht gereicht. Das ist vielleicht das Schlimmste – das Gefühl, nicht ausgereicht zu haben, nicht gut genug gewesen zu sein. Die Tatsache akzeptieren zu müssen, dass jemand am Ende lieber doch allein ist als mit dir zusammen zu sein. Die Enttäuschung aller Hoffnungen, das Ende der Träume. Die ständige schmerzhafte Erinnerung an den Moment, in dem all das klar wurde, in dem das Unvermeidliche ausgesprochen wurde und holprige Worte die schonungslose Wirklichkeit schufen, an das Knacken, das du in diesem Moment innerlich gespürt hast.

Phase 2: Ich und Du.

Nach einigen Wochen, in denen du dich verkrochen und deine Wunden geleckt hast, merkst du, dass nur eines schlimmer ist als sie zu sehen: sie nicht mehr zu sehen. Große Vermissung und eine langsame, vorsichtige Annäherung. Man hört nicht viel Gutes darüber, über das Freundebleiben, aber vielleicht klappt es ja bei euch. Ein "Wir" wird es nicht mehr geben, so viel ist klar, nur ein Ich und ein Du, aber womöglich auch ein "Ich und Du"? Und so plauderst du nett mit ihr, wenn ihr euch seht, du schreibst ihr, und eure Gespräche sind jedesmal wie Arbeitszeugnisse: Wirklich interessant ist all das, was ihr nicht sagt, obwohl ihr es beide denkt.

Tell me is it so hard to see / that I stop smiling every time you leave? 

Phase 3: Scheiß auf Freunde bleiben.

Es hat nicht funktioniert mit dem Freunde bleiben. Du hättest auf deine Kumpels hören sollen, sogar auf die Forenschreiber im Internet. Jede noch so gut geschauspielerte Unterhaltung mit ihr hat alles noch schlimmer gemacht, hat noch mehr Gefühle wieder hochgeholt, die du eigentlich begraben, ertränken, übertönen wolltest. Irgendwann stehst du vor der schmerzhaften Erkenntnis, dass jetzt nur noch ein knallharter Schnitt hilft. Du gehst ihr aus dem Weg, du antwortest ihr nicht mehr, du wünschst dir, sie würde jetzt einfach für immer nach Timbuktu gehen. Einen anderen Weg, irgendwie aus der Sache herauszukommen, kannst du dir gerade nicht vorstellen.

I’m gonna bang my head to the wall / ‘Till I feel like nothing at all / I’m a happy idiot / To keep my mind off you. 

Phase 4: Das zweite Mal.

Das war eine gute Entscheidung. Irgendwann ist sie nicht mehr das erste, woran du morgens denkst, sondern das zweite. Es sieht tatsächlich so aus, als gäbe es ein Leben nach ihr. Dann fällt der Hammer ein zweites Mal. Über irgendwelche Freunde erfährst du, dass sie einen Neuen hat. Du wusstest, dass dieser Punkt irgendwann kommen würde. Du wusstest auch, dass es wehtun würde. Aber du wusstest nicht, dass du wieder weinend im Nachtbus sitzen würdest – genauso wie in Phase 1.

Was nützt mein Herz, wenn deins nicht mitschlägt, mitgeht, mitleidet, mitbebt? 

Phase 5: Der neue Typ.

Wie nach Phase 1 folgt auch jetzt eine Zeit, in der es dir einfach richtig scheiße geht. Jetzt, wo die Fronten endgültig klar sind, hast auch du endgültig keine Lust mehr, den netten Typen zu spielen. Du ignorierst sie so eiskalt, dass man es zwischen euch klirren hören kann. Aber das ist gerade der einzige Weg, mit dem du dich irgendwie abgrenzen kannst. Du darfst NICHT an sie denken. Du darfst NICHT daran denken, warum er toller ist als du. Nicht daran denken, was du am liebsten mit ihm machen würdest. Und vor allem darfst du AUF GAR KEINEN FALL daran denken, was sie jetzt gerade zusammen tun. Leider denkst du den ganzen Tag lang an nichts anderes.

Am liebsten wär ich ein Astronaut / und flöge auf Sterne, wo gar nichts vertraut / und versaut ist durch eine Berührung von dir. / Ich werd' nie mehr so rein / und so dumm sein wie weißes Papier.

Phase 6: Die Konfrontation.

Schlimmer kann es nicht mehr werden, sagen dir deine Freunde. Aber du weißt, dass dir noch ein großer Brocken bevorsteht: das erste Aufeinandertreffen mit ihr und ihrem neuen Freund. Dafür wurde der Begriff des "awkward moment" erfunden. Wieder hängt die Luft so voll mit Dingen, die so schwer sind, dass sie eigentlich unweigerlich herunterfallen und einen riesigen Knall auslösen müssen, die aber wahrscheinlich dennoch nie gesagt werden. Du testest aus, wie unverbindlich man sein kann, ohne eindeutig unhöflich zu wirken. Zu einem gekünstelten Lächeln lässt du dich nicht herab. Und dann so schnell wie möglich weg, irgendwie dieses Bild aus dem Kopf kriegen (aussichtslos!) und deine Gedanken sind genau das, was die Band Eels in ihrem Song "The Look You Give That Guy" aufgeschrieben hat:

I never thought that I could be so bold
To even say these thoughts aloud
I see you with your man, your eyes just shine
While he stands tall and walk in proud

That look you give that guy, I wanna see
Looking right at me
If I could be that guy instead of me
I'd never let you down

Irgendwo ganz weit hinten war da doch noch dieses ganz kleine Stück Hoffnung. Die stirbt bekanntlich zuletzt, aber jetzt ist sie tot. Alles fühlt sich endgültig an. 

Und trotzdem weißt du: Fortsetzung folgt.

Wissenschaft schnell erklärt: Warum tut Liebeskummer so verdammt weh?
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