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Interview

Buch "Liebesglück": Unglaubliche Geschichten von der ganz großen Liebe - und wie man sie behält

Die einen riskierten ihr Leben dafür, die anderen hatten schon aufgegeben und wieder andere einfach nur unfassbares Glück: Die Journalistin Kathrin Werner hat 20 ungewöhnliche Liebesgeschichten gesammelt - und erklärt, was wir von ihnen lernen können.

Liebesglück

Kathrin Werner erzählt in ihrem Buch 20 wahre Geschichten von der ganz großen Liebe

Als Elena Juan zum ersten Mal sieht, ist sie im Urlaub in Argentinien und tanzt in einer Disco. Die beiden kommen sich näher, küssen sich - und am nächsten Tag fliegt Elena zurück in ihre Heimat Venezuela. Jahrelang gehen ihr der Kuss und Juan nicht aus dem Kopf, doch sie haben keine Nummern ausgetauscht. Dann steht er plötzlich wieder vor ihr: In einer ganz anderen Stadt, auf einem ganz anderen Kontinent, Jahre später. Heute sind sie glücklich verheiratet. Es sind Geschichten wie diese, die die Journalistin Kathrin Werner für ihr Buch "Liebesglück" gesammelt hat. Es geht um schicksalhafte Begegnungen und Menschen, die alles für ihre große Liebe tun würden - und es auch tun. Ein Gespräch mit der Autorin.

Du hast ein Buch über große Liebesgeschichten geschrieben - glaubst du selbst an die eine große Liebe?

Ich glaube nicht, dass es das war, wenn man einmal im Leben geliebt hat. Es gibt nicht nur eine Liebe, auch im Buch sind Paare, die schöne Beziehungen hatten und dann später eine neue Liebe gefunden haben. Aber diese nüchterne Herangehensweise, dass es da draußen Hundertausende gibt und man sich nur für einen Richtigen entscheiden und das dann durchziehen muss, halte ich auch für falsch. Es ist schon etwas Magisches, Unerklärbares, was sich unserem Verständnis entzieht – woher kommen diese Gefühle? Das muss man sich auch vor Augen führen und immer wieder daran erinnern, was für ein unglaubliches Glück es ist, dass man diese Person gefunden hat.

Wo hast du diese ganz großen Liebesgeschichten gefunden?

Liebesglück

"Liebesglück" von Kathrin Werner ist im Fischer-Verlag erschienen. 287 Seiten, 14,99 Euro

Die Geschichten im Buch sind so spektakulär und ungewöhnlich, dass man sie nicht einfach im Freundeskreis findet. Ich hab zwei Jahre lang recherchiert, viel in Archiven von Lokalzeitungen gestöbert und mich umgehört. Oft waren sie versteckt in anderen Artikeln. Auf Nellie und Johan bin ich zum Beispiel durch ein Portrait über Nellie gestoßen. Sie war die erste erfolgreiche schwarze Karate-Kämpferin Afrikas, ganz nebenbei wurde dort erwähnt, dass sie während der Apartheid heimlich mit einem weißen Mann liiert war. Die bekannteste Geschichte ist wohl die von Kim und Krickitt, die an Amnesie leidet. Das wurde schon in Hollywood mit Channing Tatum und Rachel McAdams verfilmt. "Für immer Liebe" hieß der Film. 

Einige der Paare in deinem Buch hatten nur wenige Jahre zusammen, andere feiern schon den 75. Hochzeitstag. Hast du nach all den Gesprächen ein Rezept für die große Liebe entdeckt? 

Alle diese Paare haben gemeinsam, dass sie sich sehr bewusst sind, was für ein Glück sie haben. Deshalb heißt mein Buch auch "Liebesglück". Sie haben stark für ihre Liebe gekämpft: Einer musste seine Verlobte aus einem Konzentrationslager befreien. Ein anderer hat sein Auto verkauft, alles stehen und liegen gelassen und ist um die halbe Welt geflogen, um diese eine Frau zu treffen, die er nur aus Briefen kannte. Dadurch, dass sie viel dafür tun mussten, ist ihnen klar, wie wertvoll ihr Liebesglück ist.

Und wie behält man das dann?

Was man von ihnen lernen kann ist, die Liebe ruhig ein bisschen zu zelebrieren. Howie und Cynthia aus dem Buch zünden sich zum Beispiel jeden Abend zum Essen eine Kerze an, um sich bewusst zu machen, dass es etwas Besonderes ist, dass sie hier zusammen sitzen. Oder dass man den anderen mit Kleinigkeiten überrascht: Howie hat Cynthia kürzlich noch morgens ein "Ich liebe dich" in die Frühstücks-Banane geritzt. Leider ist er jetzt gestorben, er war schon über 90. Ich glaube, dass es wichtig ist, dass man sich traut, mal romantisch zu sein und keine Angst vor ein bisschen Kitsch hat.

Was hat dich bei den Gesprächen mit den Liebespaaren überrascht?

Ich fand es schön zu sehen, dass die Liebe sich im Grunde immer gleich anfühlt. Ob man ganz alt ist oder ganz jung - das Gefühl haben die Paare alle sehr ähnlich beschrieben. Dieses Buch soll auch Verständnis wecken für Menschen, die vielleicht anders leben als man selbst. Menschen, die vielleicht Hass auf sich ziehen - Ausländer, Homosexuelle, Transsexuelle oder Flüchtlinge. Über ihre Liebesgeschichten versteht man sie plötzlich, weil sie genauso lieben wie wir und das Gleiche fühlen. Das ist mir wichtig, weil das Buch so ein Beitrag leisten kann gegen den Hass.

Glaubst du, man kann dein Buch auch mit Liebeskummer lesen?

Man kann es ganz wunderbar mit Liebeskummer lesen, weil es Hoffnung macht. Um Liebeskummer zu überwinden, muss man offen sein, und da kann es helfen, wenn man so schöne Liebesgeschichten hört. Viele Paare haben sich gefunden, als sie schon gar nicht mehr an die Liebe geglaubt haben. Hans und Anne aus dem Buch haben sich im Altersheim gefunden! Wenn selbst die beiden sich noch neu verlieben konnten, braucht sich wirklich keiner Sorgen zu machen. 

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