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Poesie öffentlicher WCs: "Holy Shit" - oder: Warum gehen eigentlich so viele Menschen mit Edding aufs Klo?

Wieso sind die Kabinen auf öffentlichen Toiletten eigentlich immer so beschmiert? Und wer zur Hölle nimmt einen Edding mit aufs Klo? Diese und andere Fragen beantwortet der Bildband "Holy Shit" leider nicht - ist dafür aber umso schöner anzusehen.

Eine öffentliche Männertoilette beklebt mit Aufklebern

Wieso nehmen eigentlich so viele Menschen Aufkleber und Eddings mit aufs Klo?

"Die meisten Dinge sehen interessanter aus, wenn man einen Kreis um sie herum malt." Poesie entsteht manchmal dort, wo man sie am wenigsten erwartet: an den Wänden öffentlicher Toiletten. Zwischen Urinstein und leeren Klopapierrollen finden sich nicht nur auffällig viele Darstellungen männlicher Geschlechtsteile, sondern tatsächlich wahre philosophische Ergüsse.

"Kloesie für Groß und Klein"

Das Modelabel Muschi Kreuzberg hat mit seinem Bildband "Holy Shit" eine Hommage an die Poesie auf den stillen Örtchen Berlins geschaffen. In gewohnter Manier aus Nonsens und Wortwitz: die "Kloesie für Groß und Klein".

Beim Durchblättern des Buches fragt man sich, wieso scheinbar so viele Menschen Eddings und Aufkleber beim Toilettengang dabei haben. Gibt es Kabinenkonversationen wie: "Psst ... Sag mal, hast du einen Stift für mich? Ich hab meinen vergessen." "Klar, kein Problem. Ich habe immer einen Ersatzstift dabei." (Ernst gemeinte Antworten bitte gerne per Mail an die Autorin dieses Textes. Sie will das wirklich gerne wissen.)

Aber auch ohne verbale Kommunikation findet auf öffentlichen Toiletten ein Austausch statt, wie "Holy Shit" beweist. Auf den gut gemeinten Ratschlag: "If he's not calling you, he's not that into you!" folgt ganz nüchtern die Antwort: "Oder kein Guthaben?"

Das perfekte Buch fürs Gäste-WC

Die Kabinenwände lassen so manchen auf der Klobrille zum Therapeuten, Lebensberater ("Stop being useless and become a pizza") oder Gesellschaftskritiker ("F*ck Facebook, I write on walls") mutieren. Ist das nun Ausdruck von Rebellion, grundloser Vandalismus oder nur das Erzeugnis von Langeweile an einem Ort, der gleichzeitig so privat und doch so öffentlich ist? Aber mal ehrlich, "Royal Flush" auf die Drückerplatte für die Spülung zu schreiben, grenzt schon irgendwie an Genialität.

Garniert werden die Fotos vom "ehrlichsten Ort der Welt" mit mehr oder weniger ernst gemeinten Kommentaren von Prominenten, Songzitaten und Wortspielen rund um das Thema Fäkalien. Also das perfekte Buch fürs Gäste-WC. Aber nicht wundern, wenn man vom Klo dann plötzlich lautes Lachen hört.


Den Bildband "Holy Shit" gibt es beim Verlag Seltmann+Söhne für 29 Euro.

Eine Toilettenschüssel von oben, in der gerade die Spülung betätigt wurde. Durch die Klobrille hindurch sieht man Wasserwirbel
Themen in diesem Artikel
Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?