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Halb so wild: Warum es toll ist, über 30 zu sein

Es ist noch immer eine entscheidende Marke im Leben: der 30. Geburtstag. Da können einem ruhig alle erzählen, dass es ja bloß eine Zahl sei - es ist furchtbar. Doch nachdem man diesen Schritt überstanden hat, tun sich ganz wunderbare neue Möglichkeiten auf.

Eine Omi freut sich vor dem Computer über ihren Geburtstag

Das Leben ist mit 29 noch lange nicht vorbei. Freuen wir uns auf den nächsten Geburtstag!

Neulich kündigte sich Besuch an, der bei uns in Hamburg auf der Couch nächtigen wollte. "Klar, kein Problem", sagte ich. "Wir sollten dem langsam mal beibringen, dass es auch Hotels gibt", sagte hingegen mein Freund. Und auch, wenn natürlich unser Sofa für Freunde immer frei ist – ich wurde nachdenklich.

Wenn wir alte Freunde in sämtlichen Teilen des Landes besuchen – wir nehmen wir uns mittlerweile ganz selbstverständlich ein Hotel. Wir sind über 30, arbeiten beide. Sowohl unsere Rücken als auch unsere Nerven finden gut, sich irgendwann in ein weiches Bett in einem eigenen Zimmer zurückziehen zu können. Ist das ein Anzeichen für dieses Erwachsensein? Wenn, dann finde ich das eigentlich gar nicht mal so schlimm.

Ich fand schlimm, als ich beim Rotwein-Kauf nicht mehr nach dem Ausweis gefragt wurde, als Jugendliche mich auf der Straße nach dem Weg gefragt und dabei erstmals gesiezt haben, als meine Gynäkologin mich beim Routinetermin plötzlich fragte, wie es denn mit meiner Familienplanung aussehe. Und, ja, auch meinen 30. Geburtstag fand ich schlimm und überstand die Minuten vor Mitternacht nur an ein Weinglas geklammert. Ich fühlte mich irgendwie – nicht bereit.

Aber man wächst ja in seine Aufgaben hinein. Sobald man das Altsein erstmal akzeptiert hat, entdeckt man jede Menge Vorteile daran. Wochenenden auf der Couch mit Netflix zu verbringen, befreundete Pärchen zu Spieleabenden einzuladen, sich mit Freundinnen zum Sport (ja!) statt zum Saufen zu verabreden – wie schick das sein kann! Glaubt einem aber keiner unter 30.

Geburtstag? Geld!

Ein weiterer Vorteil ist ganz schnöde: Geld. Während ich mich angestrengt rechnend durch die Studienzeit sparte, mich immer zwischen feiern, shoppen und essen entscheiden musste, stehe ich jetzt nicht mehr permanent vor dem existenziellen Abgrund. Abends Pizza bestellen? Verdammt ja, warum nicht! Und der teure Mantel ist auch mal drin. Das entspannt unheimlich.

Außerdem kommt mit dem Alter das, was manche Weisheit nennen: Man hat seine Erfahrungen gesammelt - wenn bestimmt auch noch viele dazu kommen werden - und lässt sich nicht mehr so leicht aus der Bahn werfen.

Trends amüsieren einen eher, als dass man ihnen direkt verzweifelt nachrennt, und emotionale Turbulenzen, die einen mit Anfang 20 noch in tiefe Krisen gestürzt hätten, kann man plötzlich mit - Achtung - vernünftigen Gesprächen beseitigen.

Klingt ein bisschen öde, oder? Kein jugendlicher Geltungsdrang mehr, keine Stimmungs-Achterbahnfahrten, die eigene Existenz ist kein großes Drama mehr. Und wisst ihr was? Das ist wunderbar. Wenn ich nach Feierabend mit meinem Freund unter einer Decke rumlümmele, mit Tee, Pizza und "Mindhunter", dann interessieren mich die Vorgänge in den angesagten Clubs weniger als peripher. Abende auf der Couch sind gnadenlos unterbewertet. Und Abende in Hotels haben durchaus auch ihren Reiz.

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