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Verhütung: Die 7 größten Mythen über die Pille danach – und welche wir schleunigst vergessen sollten

Die Pille danach – jeder hat schon einmal etwas davon gehört, viele haben sie schon mal eingenommen. Aber was ist da eigentlich drin? Und wie oft ist zu oft? NEON hat nachgefragt.

Frau hat beim Sex nicht verhütet – viele greifen in diesem Fall zur Pille danach

Keine Verhütung benutzt – was jetzt? Viele Frauen greifen in diesem Fall zur Pille danach. 

Fünf Minuten lang stehe ich vor der Apotheke in einem ziemlich gediegenen Stadtteil, in dem wahrscheinlich NIE mal jemand einen über den Durst trinkt und schlechte Entscheidungen fällt und warte darauf, dass der Verkaufsbereich sich leert. Muss ja nicht jede Vorzeige-Mutti wissen, was ich gestern Abend gemacht habe. Drinnen angekommen schlurfe ich unauffällig Richtung Schalter und murmle meine Bestellung: "Nml d Pll dnch btt". "Wie bitte??" "NML D PLL DNCH BTT." "Sie werden ein bisschen deutlicher sprechen müssen, wenn ich Sie verstehen soll." "Einmal die Pille danach bitte danke vielmals okay?" 

Meine Ohren werden rot. Mir ist warm. Eine Schweißperle kämpft sich über meine Schläfe. Mir ist schlecht. Die Tatsache, dass ich einen Kater des Todes habe, hilft nicht im geringsten. Ob ich wohl mit in den kleinen Beratungsraum kommen wolle, fragt der Apotheker und zeigt auf eine spärlich abgegrenzte Kabine in der Ecke. Garantiert nicht. Da kann ich mir ja gleich ein "ICH HATTE EINEN ONE-NIGHT-STAND UND HABE NICHT VERHÜTET"-Schild umhängen. Ich krieg das schon ohne Erklärung hin, nuschle ich, bezahle, packe meine Tablette ein und renne wie der Wind. 

Viele Frauen wissen zu wenig über die Pille danach

Ich habe die Pille danach einmal in meinem Leben genommen – vor vielen Jahren, nach einem vernebelten Abend. Damals war es mir furchtbar peinlich. Im Nachhinein hätte ich mal in die Shame-Kabine gehen sollen. Denn auch, wenn dem unweigerlich eine Predigt über Verhütung und Geschlechtskrankheiten und und und gefolgt wäre, ich hätte mit Sicherheit noch etwas lernen können. Was macht die Pille danach eigentlich wirklich? Was ist da genau drin? Wie oft darf man sie nehmen? Alles Sachen, die ich nicht weiß – und damit bin ich nicht allein. Viele Mythen ranken sich um die Pille danach. Wir haben die sieben wichtigsten mal mit Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte, besprochen.

Verhütung: Die Pille danach

Nach einer durchfeierten Nacht, in der alle Vorsicht in den Wind geschossen wurde, oder wenn das Kondom mal platzt – immer wieder greifen Frauen zur Pille danach. Aber was ist da eigentlich wirklich drin?

Albring kann erklären, was die Pille danach genau bewirkt. Es gebe zwei unterschiedliche Wirkstoffe für die Notfallverhütung, sagt er: Levonorgestrel und Ulipristalacetat. "Beide Arzneimittel verschieben, wenn sie vor dem Eisprung genommen werden, den Eisprung um einige Tage. Dadurch sind die Spermien, die sich nach ungeschütztem Sex in der Gebärmutter und in den Eileitern befinden, zum Zeitpunkt des verspäteten Eisprungs bereits abgestorben", erklärt der Mediziner. Liegt der Eisprung schon länger zurück, empfiehlt er, sich sofort eine Kupferspirale legen zu lassen: "Sie hat in der Notfallverhütung die größte Zuverlässigkeit."

Die 7 größten Mythen über die Pille danach – und was der Fachmann dazu sagt

#Mythos 1 – Die Pille danach ist eine echte Hormonbombe

Dr. Albring: "Levonorgestrel ist in der Pille danach etwa 20mal höher dosiert als in normalen Pillen zur Verhütung. Ulipristalacetat ist kein Hormon, sondern blockiert die Rezeptoren auf denjenigen Zellen, die auf das Hormon Progesteron ansprechen. Es wird für die Notfallverhütung sechsmal höher dosiert als bei der Behandlung von Myomen."

#Mythos 2 – Es ist ungesund, die Pille danach zu häufig zu nehmen

"Die Pille danach ist auf jeden Fall ein hochdosiertes Arzneimittel und bringt den Hormonzyklus durcheinander. Wenn eine Frau die Pille danach häufiger braucht, ist es auf jeden Fall sinnvoller, sich um eine zuverlässige Verhütungsmethode zu kümmern. Innerhalb eines Zyklus kann die Pille danach außerdem nicht mehrfach eingenommen werden, sie wird dann wirkungslos."

#Mythos 3 – Die Pille danach und die "Abtreibungspille" sind das Gleiche
"Die beiden Arzneimittel, die nacheinander für den medikamentösen Schwangerschaftsabbruch verwendet werden, führen zu einer Ablösung des Mutterkuchens aus der Wand der Gebärmutter und zu Wehen. Die Pille danach verursacht weder das eine noch das Andere."

#Mythos 4 – Die Pille danach ist für alle rezeptpflichtig

"Es ist möglich, die Pille danach direkt in der Apotheke und ohne Rezept zu bekommen. Sie muss dann selbst bezahlt werden. Bei Mädchen und Frauen bis zum 20. Lebensjahr übernehmen die Krankenkassen die Kosten, wenn ein Arztrezept vorgelegt wird. Grundsätzlich empfehlen wir allen Mädchen und Frauen, sich von ihrem Frauenarzt beraten zu lassen, um zu erfahren, ob überhaupt eine Notfallverhütung notwendig ist und welche die beste Methode ist."

#Mythos 5 – Frauen müssen sich in der Apotheke beraten lassen (Stichwort Shame-Kabine)

"Mädchen und Frauen haben einen Anspruch darauf, von ihrem Arzt sorgfältig zur Notfallverhütung beraten zu werden. Das Gleiche gilt für den Kauf in der Apotheke. Apotheker sind zu einer sorgfältigen Beratung verpflichtet, wobei zu bezweifeln ist, dass Apotheker das fachlich leisten können. Aber es gibt keine Beratungspflicht wie zum Beispiel bei einem geplanten Schwangerschaftsabbruch", so der Mediziner.

#Mythos 6 – Die Pille danach hat gefährliche Nebenwirkungen

"Es können Übelkeit, Erbrechen, Bauch- und Kopfschmerzen auftreten. Da das Arzneimittel in die Muttermilch gelangen kann, sollten stillende Frauen nach der Anwendung der LNG-haltigen Notfallverhütung acht Stunden nicht stillen, nach der UPA-Anwendung eine Woche."

#Mythos 7 – Minderjährige brauchen eine Einverständniserklärung der Eltern 

"Das Mädchen sollte zu einem Frauenarzt oder einer Frauenärztin gehen. Sie haben Erfahrung darin, auch junge Mädchen bei Themen rund um die Verhütung - und natürlich auch die Notfallverhütung - zu betreuen, auch dann, wenn die Mädchen möchten, dass ihre Eltern nichts davon erfahren."

Was wir uns zur Pille danach merken sollten

Fakt ist also, dass die Pille danach nicht zur regelmäßigen Verhütung taugt. Ihr solltet sie tatsächlich nur dann einnehmen, wenn ihr andere Verhütungsmittel vergessen habt oder sie versagt haben. Sie ist allerdings keineswegs mit einer Abtreibung zu vergleichen. Beratung zur Wirkung ist dennoch ratsam, da sie in einigen Fällen nicht zu empfehlen oder tatsächlich nicht einmal nötig ist.

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