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Warum Trump? Trump-Wähler begründen ihre Entscheidung

Warum Trump?: Trump-Wähler begründen ihre Entscheidung
Wer wählte eigentlich Donald Trump und wieso? Eine Umfrage gibt Antworten.

Während Donald Trump seit seiner Amtseinführung mit schöner Regelmäßigkeit für Skandale und Proteste sorgt, fragen sich viele: Wie konnte dieser Mann eigentlich gewählt werden? Der Nachrichten-Newsletter Daily Pnut hat seine Leserschaft gefragt, ob und wieso sie Trump ihre Stimme gaben - und die Antworten sind ein bunt gemischter Blick in die Köpfe der Befürworter des US-Präsidenten.

Wir haben einige davon ausgewählt und übersetzt, das vollständige Dokument gibt es hier.

Bringt die Jobs zurück!

Obwohl Trump nicht meine erste (oder zweite oder dritte) Wahl war, habe ich trotzdem für ihn gestimmt - aus einer Vielzahl von Gründen. Politisch bin ich sehr konservativ eingestellt, und Ted Cruz wäre mein präferierter Kandidat gewesen, wenn er es über die Vorwahlen hinaus geschafft hätte. 
Letztendlich habe ich beschlossen, für Donald Trump zu stimmen, weil seine Ideale und Werte meinen eigenen sehr viel näher waren als die von Hillary. Ich wollte einen konservativen Richter für den Obersten Gerichtshof; und weil ich aus der Öl- und Gasindustrie entlassen wurde, wollte ich mehr Arbeitsplätze, nicht mehr die erdrückende Demokraten-Gesetzgebung, die die Menschen vor nichts schützt außer gewinnbringenden Jobs. 

Mehr Jobs sind ein Versprechen, das Trump anscheinend einige Wähler*innen beschert hat. In mehreren Antworten dieser kleinen Umfrage werden sie als Grund genannt, Trump zu wählen, oft auch im Zusammenhang mit der eigenen Arbeitslosigkeit. Interessant ist hier zum Beispiel auch die Antwort eines Mannes namens Chris Weber: Er sei seit über fünf Jahren arbeitslos - trotz Master-Abschluss. Für viele Stellen sei er schlichtweg überqualifiziert. Ökonomen bezeweifeln allerdings, ob Menschen wie Chris durch Trump tatsächlich die Jobs bekommen, die sie sich erhoffen: Seine "America-First"-Haltung und Tendenz zum Isolationismus werden höchstwahrscheinlich eher Jobs in der Produktion und Fabriken schaffen - für diese Stellen werden allerdings heute schon oft vergeblich amerikanische Arbeiter gesucht.

Get shit done!

Der Hauptgrund, warum ich Trump gewählt habe, war, dass er ein Außenseiter war. Ich bin steuerlich konservativ und sozial moderat eingestellt. Ich habe Politiker an und für sich und ihre Unfähigkeit, Dinge zu bewegen, satt. Wenn Hillary, Rubio, Cruz oder sonstwer gewonnen hätte, wäre über die nächsten vier Jahre hinweg nichts Bedeutsames erreicht worden, davon bin ich überzeugt. Trump mag ein Elefant im Porzellanladen sein, und er wird es nicht schaffen, 100% von dem, was er will, umzusetzen, aber er wird mehr erreichen als jeder der anderen Kandidaten. 

Dieses Gefühl, dass Trump mehr bewegen wird als "traditionelle" Politiker, zieht sich durch viele der Antworten. Mehrere schreiben, mit Hillary Clinton hätte es nur weiter "business as usual" gegeben. Viele scheinen unbedingt Veränderung zu wollen - egal, wie diese aussieht.

Demokraten? Nein, danke.

Vor dieser Wahl war ich mein Leben lang Demokrat, aber ich war traurig über den Zustand unseres Landes und das Durcheinander in der demokratischen Partei. Trumps Pläne für das Land (Jobs, Infrastruktur, Verstärkung des Militärs und härtere Einwanderungsregelungen) gefielen mir auf so vielen Ebenen. Ich fand gut, dass er ein international erfolgreicher Unternehmer war und nicht noch irgendein Politiker. Obamas Arbeitslosigkeitshochrechnungen waren nicht treffend, das Gesundheitswesen ging dank Obamacare den Bach runter, und unsere Außenpolitik ist unter John Kerry und Obama im sprichwörtlichen Arsch.
Dieses Land braucht ein starkes Team aus Anführern und Trump war klug genug, sich mit anderen, bewährten Anführern zu umgeben. Gebt ihm ein bisschen Zeit und Anerkennung.  

Auch in dieser Antwort zeigt sich ein Gefühl, das sich durch viele der Antworten zieht: Etwas soll sich ändern. Egal wie. Eine tiefe Antipathie gegen das "Establishment", als dessen Verkörperung Hillary Clinton gesehen wird, zieht sich durch die Begründungen. Hillary sei korrupt, unsympathisch und würde nichts verändern, schreiben viele. Dabei fällt auf: Hier geht es teilweise mehr um Bauchgefühl, als um harte Fakten.

Hillary ist korrupt. Ich kann es nicht beweisen und habe auch keine Zahlen/Fakten in irgendeiner Datenbank oder so, aber jeder Teil von mir fühlt, dass sie korrupt und nur des Geldes wegen in der Politik ist. Ich glaube, das "fühlen" auch andere so.

Natürlich gibt es auch jene, die Donald Trump aus Protest ihre Stimme gaben. Tom Lawford schreibt zum Beispiel: 

Ich habe aus Protest für Trump gestimmt. Beide Parteien versprechen Wunderheilmittel für alle Probleme - und nie wird etwas wirklich gelöst. Die ganze Regierung ist gekauft - ich beschloss, dass es an der Zeit war, das alles zu zertrümmern, und die größte Abrissbirne, die ich finden konnte, war Donald Trump. Er war wenigstens nicht gekauft, sondern hat einfach gesagt, was er dachte. Jetzt hat er meine Hoffnungen auf allgemeine Zerstörung sogar übertroffen - und ich möchte ihn versagen sehen. Möglichst spektakulär. Vielleicht fängt er ja damit an, mit Edelsteinen besetzte Gewänder zu tragen wie manche afrikanischen Diktatoren - das wäre ein guter Anfang.

Es bleibt abzuwarten, ob Donald J. Trump die Hoffnungen seiner Wähler*innen als Präsident der USA erfüllen kann. Allerdings gibt es bereits einige Reaktionen im Netz, die eine gewisse Enttäuschung ausdrücken. Wie viele seiner Wähler Trump auch nach den ersten Wochen im Amt unterstützen, wird sich zeigen.


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